What We Are by Trevelyia
Summary: [Wraith, Krashty (Halbwraith), OC] Caytha lebt als Krashty unter den Wraithanbetern auf einem Hive der Wraiths, spürt allerdings schon lange, dass sie nicht dorthin gehört.
Categories: Stargate Atlantis Characters: Own Character, Wraith
Genre: General
Challenges: Keine
Series: Keine
Chapters: 10 Completed: Nein Word count: 20365 Read: 25516 Published: 22.02.15 Updated: 05.05.16
Story Notes:
In dieser Geschichte kommen nur eigene Charactere vor.

1. Prolog by Trevelyia

2. Kapitel I: Überhastete Entscheidungen by Trevelyia

3. Kapitel II: Neues Terrain by Trevelyia

4. Kapitel III: Familienbande by Trevelyia

5. Kapitel IV: Die Höheren by Trevelyia

6. Kapitel V: Das Wesen der Wraith by Trevelyia

7. Kapitel VI: Hierarchien by Trevelyia

8. Kapitel VII: Hierarchien II by Trevelyia

9. Kapitel VIII: Aufträge by Trevelyia

10. Kapitel IX: Fremde Welten by Trevelyia

Prolog by Trevelyia
Author's Notes:
Einige der Begriffe, die in dieser ff vorkommen, wurden von mir selbst entworfen, ein entsprechendes Glossar findet ihr am Ende des Prologs.
What We Are
Prolog


Krashty, Caytha wandte sich um, sah von weitem den Primal auf sich zukommen und rief sich innerlich zur Ruhe. Sie wusste nicht, warum der Wraith sie nun wieder sprechen wollte, es war eigentlich unter seiner Wrde mit ihr, einem Mischling, auch nur ein Wort zu wechseln. Auer natrlich, er fand erneut einen Grund sie zu bestrafen.
Was gibt es, Herr?, fragte Caytha mit einer hflichen Verbeugung und verbarg ihren Unmut hinter ihrer unterwrfigen Maske, die sie dem Wraith immer darbot. Diese Verhaltensweise sicherte ihr seit zwanzig Jahren das berleben auf diesem Hive.
Caytha verabscheute diesen Wraith aus tiefstem Herzen, kannte weder Grund noch Ursache seiner beinahe tglichen Demtigungen.
Von den meisten Wraith wurde sie ignoriert oder aber, wie alle Wraithanbeter, mit der blichen Arroganz behandelt.

Was suchst du in diesem Sektor, der fr Menschen und deinesgleichen verboten ist?, seine grnen Augen mit den geschlitzten Pupillen sprhten vor Verachtung, Caytha hielt nur mit Mhe ihre Zunge im Zaum und unterdrcke ein Knurren. Ihr Vater war ein Wraith, sie erbte eine Menge seiner Wesenszge, Eigenarten und Merkmale seiner Rasse. Derlei herablassende Behandlung konnte sie nur schwer ber sich ergehen lassen, duldete es nur unter Aufbringung jeglicher Kontrolle.
ber die Jahre war der innere Zorn gewachsen und wre es nur ihr eigenes Leben, um das sie sich sorgen msste, schon lange wre sie nicht so tatenlos geblieben. Aber es gab noch Mia, ihre Mutter, Caytha wollte sich erst gar nicht ausmalen, was sie alles wrde erleiden mssen, sollte Caytha ausgerechnete gegen den Primal aufbegehren.

Dieser Sektor ist der direkte Weg zu meinem Quartier, antwortete sie, schaffte es jedoch nicht, jeglichen Spott aus ihrer Stimme zu verbannen. Gab es denn nichts anderes, das der Aufmerksamkeit dieses Wraith bedurfte? Dem Primal entging ihr spttischer Tonfall nicht, er knurrte leise, trat drohend nher.

Nimm dir nicht zu viel heraus, Krashty. Nur weil dein Vater, der elende Verrter, ein Wraith war, ist das kein Grund deiner erbrmlichen Existenz irgendeine Bedeutung beizumessen!, zischte er voller Verachtung. Caytha erwiderte seinen Blick trotzig, besann sich dann jedoch und senkte den Kopf.
Ihren Vater hatte sie nie kennen gelernt. Lauf den Erzhlungen ihrer Mutter gab er seinen Posten als erster Commander gezwungener Maen auf und floh, nachdem er einen direkten Befehl seiner Knigin missachtet und so Mias Leben gerettet hatte.
Die Knigin schien es nicht zu kmmern, dass ihr ehemaliger Commander eine Leyhta an seiner Seite hatte und mit ihr ein Kind zeugte, einzig ihr Primal stellte seine Verachtung der Krashty und Mia gegenber zur Schau.

Wenn es allein nach mir ginge, wrden Mischlinge wie du nur als Sklaven gehalten. Aber leider schert sich die Knigin nicht um dich und deinesgleichen! Der groe Wraith trat noch nher auf sie zu, Caytha konnte sein kreisfrmiges Zyrnash unter dem linken Auge nur zu deutlich erkennen, welches sich schwarz gegen die grnlich schimmernde Haut abhob.
Einen Moment lang entglitt ihr die Kontrolle, ein wtendes Knurren entrang sich ihrer Kehle, abscheuerfllt starrte sie zu dem Primal auf.
Eine ffentliche Anzweifelung der Autoritt des Primals. Die Bestrafung lie nicht lange auf sich warten, der Wraith knurrte, ein stechender Schmerz durchfuhr ihren Krper als er mental die Kontrolle ber sie gewann, eisern zwang er die Krashty auf die Knie. Wieder fauchte Caytha, doch dieses Mal war es ein Laut des Schmerzes.

Ich werde mir nicht die Hnde an dir schmutzig machen!, zischte er, Aber ich wei deinen Ungehorsam dennoch zu unterbinden!
Die junge Krashty keuchte leise auf, der Schmerz stach wie Eis in jede ihrer Gliedmaen, lhmte ihr Denken, sie war unfhig sich aus dem Wrgegriff des Wraith zu befreien.
Hasserfllt blickte sie zu dem Primal auf, war zu stolz, ihren Schmerz einzugestehen. Der Wraith lachte leise.

Noch immer begreifst du nicht, wo dein Platz ist. Seine klauenartigen Fingerngel bohrten sich in ihre Haut, grob zwang er ihren Kopf nach hinten, Caytha biss sich auf die Unterlippe um ein Sthnen zu unterdrcken.
Frher oder spter bekomme ich meine Rache fr deinen Vater.
Nicht zum ersten Mal erffnete ihr der Primal, Caytha wrde fr die Flucht ihres Vaters leiden mssen. Die Krashty schnaubte voller Verachtung, zu oft sprach der diese Drohung bereits aus, mit der Zeit verlor sie an Wirkung.
Nun war es der Primal, der sich nicht lnger zu beherrschen wusste, sein Schlag traf sie mit voller Wucht im Gesicht, Blut rann langsam ber ihre Schlfe, sie konnte ein weiteres Keuchen nicht unterdrcken. Endlich lie der Wraith sie los.
Ich werde da sein, wenn du fllst, Krashty. Caytha hielt den Blick gesenkt, wagte es erst aufzustehen, als die Schritte des Wraith im Gang verklungen waren.

Wtend wischte sie das Blut aus ihrem Gesicht, versuchte, sich nichts anmerken zu lassen als sie den Sektor der Wraithanbeter betrat. Dort lag auch das Quartier, welches Caytha sich mit ihrer Mutter teilte. Im Gegensatz waren hier zumindest ihre Gedanken abgeschirmt, keiner der Wraithanbeter verfgte ber die Fhigkeit, ihren Gemtszustand mental zu erspren.

Nial, ein junger Wraithanbeter Mitte zwanzig schien bereits auf sie zu warten, er war einer der wenigen Menschen, die Caytha weder frchteten, noch mit Verachtung gegenber traten. Was ist mit deinem Auge passiert?, seine Meine verdsterte sich, er musste kein Wraith sein um zu wissen, was ihr widerfahren war.
Ich hatte einen kleinen Zusammensto mit dem Primal, tat sie die Sache mit schlichten Worten ab, es war nicht das erste Mal, dass sie mit dem Wraith aneinander geraten war. Nial warf ihr einen mahnenden Blick zu.
Was?
Nimm dich ihm gegenber zurck! Irgendwann wird er es leid sein, sich von dir verspotten zu lassen. Im ersten Moment wolle Caytha wtend ob dieser Maregelung reagieren, doch dann besann sie sich, seufzte leise.

Du hast ja Recht. Aber er treibt mich mit seiner bloen Anwesenheit zur Weiglut! Ist es denn mein Verschulden, dass mein Vater, sie unterbrach einen kurzen Moment, die Wut drohte wieder die berhand ber sie zu gewinnen, fliehen musste?! Wre der erste Commander nicht gegangen htte man ihn und seine schwangere Leyhta auf der Stelle gettet. Aus irgendeinem Grund sah die Knigin in Mia und der vaterlosen Caytha keine Bedrohung, lie sie am Leben.

Unter keinen Umstnden vermochte Caytha sich vorzustellen, ein Wraith wrde gar sein Leben in Gefahr bringen lediglich um einen Menschen zu retten. Alle Wraith auf diesem Hive schienen nur zu Wut oder Hass fhig. Nial seufzte leise.
Darum geht es aber nicht, Caytha. Seine braunen Augen sahen sie freundlich an, seit ihrer gemeinsamen Kindheit war Nial ihr ein guter Freund.
Tue mir und deiner Mutter einen Gefallen und lege es nicht auf weitere Konfrontationen an. Die Krashty nickte langsam. So nett Nial auch war, er konnte diesen brennenden Zorn, das Verlangen, den Primal ein fr alle Mal aus ihrem Leben zu verbannen, nicht nachempfinden. Er war lediglich ein Mensch, sterblich, wusste nicht, wie es in ihrem Inneren aussah. Nial diente den Wraith als Krieger und teilweise auch als Spion, als Kind war er von den Wraith whrend eines berfalls auf ihr Hive aufgenommen worden. Statt sich an ihm zu nhren, wie sie es gewhnlich an tausenden ihrer Opfer taten, verschonten sie sein Leben und bildeten ihn zum Krieger aus. Nial hielt es fr seine Pflicht, den Wraith zu dienen in Gegenzug sein Leben lang zu dienen.

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Glossar

Alle Rechte der hier aufgefhrten Begriffe liegen bei Trevelyia und Fayanor, vor der Verwendung dieser muss gefragt werden, Zuwiderhandlung wird als Plagiat angesehen und gemeldet.

Primal: Der Primal ist der Gefhrte einer Wraithknigin und hat damit die hchste zivile Stellung als mnnlicher Wraith auf einem Hive inne. Der eigentliche Zweck dieses Ranges ist die Zeugung von Nachkommen, oft baut die Knigin jedoch auch eine Verbindung zu ihrem Primal auf.

Zyrnash: Als Zyrnash wird das Tattoo bezeichnet das viele Wraith tragen. Dies kann fr einen speziellen Rang, eine Ehrung oder die Zugehrigkeit zu einem bestimmten Hive stehen. Eine Wraithknigin kann sich das Zyrnash ihres -> Primals auf den Handballen stechen lassen um eine besondere Verbundenheit mit ihm zu symbolisieren.

Krashty: Dieser Begriff bezeichnet einen Hybriden aus Mensch und Wraith der auf natrlichem Wege gezeugt wurde. Meist gehen Krashty aus einer Verbindung zwischen einem Commander bzw. Wissenschaftler und einer Wraithanbeterin hervor. Je nach ff werden die Krashty von normalen Wraith verachtet.

DrHital: Der rituelle Dolch der Wraith.

Leyhta: Eine Leyhta ist quasi das Gegenstck zum -> Primal und beschreibt die hchstgestellte Wraithanbeterin und Gefhrtin eines Commanders bzw. Wissenschaftlers. Anders als der -> Primal werden Leyhtas zwar von anderen Wraithanbetern aber nicht von anderen Wraith akzeptiert.

Dregt: Beleidigung, in etwas gleichzusetzten mit Dreckskerl oder auch A****loch.

Dr'Gach: Duell zweier Wraith um eine hhere Position. Alle Wraith und selbst die Knigin mssen den Sieger anerkennen. Hat fast immer den Tod des Unterlegenen zur Folge.

Pri'Tsh: Starke, mentale Verbindung, meist zwischen einer Knigin und ihrem Primal. Beim Tod des Partners erfhrt der Hinterbliebene enorme psychische Qualen die bis zum Wahnsinn oder Suizid fhren knnen.
Kapitel I: Überhastete Entscheidungen by Trevelyia
Kapitel I: berhastete Entscheidungen


Wenn wir uns beeilen, schaffen wir es vielleicht noch rechzeitig zum Abendessen, Nial blickte die Krashty aufmunternd an. Caytha nickte, wrde ihren Zorn erst einmal auf sich beruhen lassen und sich zusammenreien. Gemeinsam schlugen sie den Weg zu dem kleinen Saal ein, indem die Wraithanbeter ihre Mahlzeiten einnahmen. Das Essen mussten sie selbst zubereiten, doch auch innerhalb der Gemeinschaft der Menschen auf diesem Hive gab es eine strikte Rangordnung.
Caythas Wraith-DNS bewahrte sie stets vor dieser Aufgabe, nie hatte sie kochen, putzen oder servieren mssen - mehr aus Verachtung der anderen Menschen, als Ehrfurcht ihr gegenber. Zu gro schien die Angst, Caytha wrde sie alle heimtckisch vergiften. Ob sie sich auch wie ein Wraith ernhren konnte, vermochte die Krashty nicht zu sagen, zwar verfgte sie ber die schmale ffnung in ihrer Handflche, zum Einsatz gekommen war diese bisher nicht ein einziges Mal.

Viele Wraithanbeter frchteten und hassten Caytha gleichermaen, doch zumindest begegneten sie ihrer Mutter Mia mit Respekt. Einst war Mia die Leyhta des ersten Commanders gewesen, stand an der Spitzer der Hierarchie der Menschen, doch mit der Flucht des Commanders verlor sie ihre Stellung augenblicklich.
Viele der Wraithanbeter empfanden Mitlied ob dieses Verlustes. Caytha konnte dieses Gefhlsregung nicht nachempfinden, ein Wraith, der aus Liebe zu einem Menschen alles aufgab, was ihn ausmachte, nein, es erschien ihr zu abwegig. Noch immer zweifele Caytha zudem an der Echtheit von Mias Gefhlen dem Commander gegenber.
Wie immer wurde Caytha weder beachtet, noch wirklich wahrgenommen, selbst ob ihrer Verletzung wechselte niemand ein Wort mit ihr.

Sie erkannte ihre Mutter, setzte sich rasch neben sie und zog einen Teller zu sich. Mia seufzte leise als ihr Blick auf das geronnene Blut in Caythas Gesicht fiel, ihre hbschen, blauen Augen fllten sich mit Sorge, sie strich sich eine ihrer lange, schwarzen Haarstrhnen aus der Stirn.
Dein Vater htte nicht gewollt, dass du ein Leben im Widerstand gegen den Primal fhrst. Auch Nial setzte sich, nickte Mia freundlich zu. Caytha fauchte leise, stocherte lustlos in etwas herum, das dem Anschein nach wohl einst Kerthis war, eine sonst recht schmackhafte Pflanze von einem Planeten der Menschen - bevor das Gemse bis zur Unkenntlichkeit verkocht wurde.
Siehst du ihn hier irgendwo?, erwiderte sie mrrisch, zu oft fhrten sie dieses Gesprch. Mia schtzte es nicht, wenn Caytha in solch abflligem Ton ber ihren Vater sprach, jedes Mal verengten sich ihre Augen kaum merklich, wieder und wieder schienen die Worte ihrer Tochter eine Wunde aufzureien, die niemals vllig verheilen wrde.
Keinesfalls setzte sie ihrer Mutter mit Absicht zu, doch erneut war es Caythas Zorn, der ihr Handeln und Denken bernahm. Wie so oft.
Mia seufzte erneut, wandte ihre Aufmerksamkeit ebenfalls auf den Teller vor sich.

Caytha glich ihrer Mutter kaum, lediglich das Blau von Mias Augen und den schwarzen Farbton ihrer Haare zeigten sich bei der Halbwraith. Ihre Gesichtszge, so wurde Mia nicht mde zu erwhnen, glichen denen ihres Vaters. Auch die beiden kleinen Vertiefungen in den Wangen erbte sie von ihrem Vater, obgleich sie nicht so stark ausgeprgt waren, wie bei einem vollwertigen Wraith. Caythas Hautfarbe war sehr hell, verlieh ihr wiederum mehr vom Aussehen eines Menschen. Doch ihre Pupillen lieen keinen Zweifel daran, welcher Abstammung sie entsprach, sie waren geschlitzt wie die eines Wraith.

Whrend des restlichen Essens war Mia ihr mehr als einen besorgten Blick zu, gekonnt ignorierte Caytha diese. Es kme ohnehin nur zum erneuten Streit.
Lediglich Mia zuliebe blieb sie auf diesem Hive. Caytha war entbehrlich, obgleich der Primal sie eher tten wrde, als es ihr zu gestatten, unbehelligt von Board des Wraithschiffes zu gehen. Um Nial wrde es ihr leid tun, sie mochte den Menschen sehr, war er doch ihr einziger Freund. Auerdem wrde sie in keiner Weise wissen, nicht einmal vermuten, wo sie hingehen wrde, sollte sich einst diese Gelegenheit vor ihr auftun.

Auf einem Planeten, der von Menschen bevlkert wurde, wrde sie nicht leben knnen, man wrde sie ebenso frchten wie die Wraith.
Caytha? Die Krashty sah auf als Loriana auf sie zu schritt. Sie war eine der ltesten Wraithanbeterinnen dieses Hives, auch wenn man es ihr nicht ansah. Die Wraith belohnten ihre treusten Anhnger mit dem Geschenk des ewigen Lebens und Loriana
empfing dieses Geschenk mehr als nur einmal.

Auch ihre Mutter sah jnger aus, als sie es eigentlich war. Selbst Nial war schon einmal mit diesem speziellen Geschenk belohnt worden.
Was gibt es?, Caytha blickte argwhnisch zu der Frau auf. Loriana behandelte sie immer mit einer Gleichgltigkeit, die Caytha gerade recht kam, sie zog Desinteresse Verachtung in jedem Fall vor.
Ein Commander verlangt deine Hilfe, er wartet im Frachtraum auf dich. Loriana wartete nicht, bis die Krashty zu einer Antwort ansetzte, wandte sich sogleich um und verschwand wieder zwischen den Reihen der anderen Menschen.

Caythas Laune sank erheblich. Es gab nur einen Commander, der ihre Hilfe in Anspruch nehmen wrde und fr heute hatte sie wahrlich genug von den Wraith. Doch verweigern wrde sie ihre Hilfe nicht. Der Commander rief sie bereits einige Male zu sich, obgleich Caytha keinen Grund dafr sah, keine seiner Arbeiten bedurften ihrer Mithilfe.
Wir sehen uns spter. Nial und Mia nickten ihr zu, einen Moment lang nahm sie den besorgten Ausdruck in den Augen ihrer Mutter wahr.
Sorg dich nicht allzu sehr, ich werde mich zusammen reien, sie zwang sich zu einem unbekmmerten Lcheln. Ein Zucken um Mias Mundwinkel verriet ihr, dass ihre Mutter ihrer falschen Zuversicht keine Sekunde lang Glauben schenkte, doch die ehemalige Leyhta erwiderte nichts.

Der Wraith bermittelte ihr mental den genauen Weg, nun erlangte Caytha Gewissheit, es war der Commander, der sie bereits zu anderen Gelegenheiten zu sich rief. Bisher lernte Caytha kaum andere Krashty kennen, sie wusste also nicht, ob alle Halbwraith die mentalen Fhigkeiten besaen, ber die sie selbst verfgte. Ihr war es erlaubt, mental in Kontakt mit den Wraith zu treten, doch gleichzeitig konnte sie ihren Geist verschlieen, wenn ihr danach war. Allerdings gab Caytha sich nicht der Illusion hin, unantastbar zu sein, mit der mentalen Kraft eines Wraith wrde sie es im Ernstfall nicht aufnehmen knnen.

Wieder stelle sich ihr die Frage nach dem Warum, weshalb verlangte dieser Wraith ausgerechnete nach ihr? Gerade der Primal machte keinen Hehl aus seiner Meinung ob Caytha und den Krashty im Allgemeinen.

Es dauerte eine Weile bis die Schwarzhaarige an ihrem Ziel war, sprte bis auf den Commander keine Anwesenheit anderer Wraith. Langsam trat sie ein, verneigte sich protokollkonform.
Der betreffende Wraith war einer der rangniedrigen Commander, unterstand, abgesehen von der Knigin an sich, dem ersten Commander, erst dann folgte der Primal innerhalb der Befehlskette.
Ihr wolltet mich sprechen?, Caytha vermied den direkten Augenkontakt, musterte den Commander verstohlen und mit Bedacht.
Der Wraith nickte knapp, wirkte gehetzt, seine grnen Augen huschten zu der sich hinter Caytha schlieenden Tr. Seine Haare trug er im Nacken zusammengebunden, im Gegensatz vieler hatte er kein Zyrnash auf seiner grnlich schimmernden Haut.

Es wre besser, niemand erfhre etwas von unserem Treffen, obgleich der Stimme des Wraith eine offene Drohung mitschwang, war es mehr Sorge, die seinen Blick zeichnete. Misstrauisch nherte sich Caytha dem Commander, sprte seine Nervositt.
Ihr braucht meine Hilfe also nicht?
Der Wraith schttelte den Kopf, trat langsam auf sie zu, noch immer heftete seinem Blick etwas Gehetztes an.
Ich soll dir eine Nachricht berbringen.
Die Krashty starrte ihn an, zog zugleich eine Augenbraue in die Hhe, ber die sie, im Gegensatz zu einem Wraith, verfgte.
Wre es nicht ein Commander, der ihr gegenberstand und wren seine Zge nicht dermaen von Sorge erfllte, Caytha wrde glauben, jemand erlaube sich einen schlechten Scherz mit ihr.
Wer erteilte Euch diese Anweisung?, ihre Augen wurden schmal, mit jeder verstrichenen Minute wuchs die Unruhe ihres Gegenbers.
Dein Vater.

Caytha blickte den Commander eine Sekunde fassungslos an, dann lachte sie freudlos auf. Netter Versuch, aber-, der Wraith schnitt ihr das Wort ab.
uerst unklug, an mir zu zweifeln, riskiere ich doch mein eigenes Leben fr diese Nachricht!, zischte er, doch so leicht lie Caytha sich nicht in die Irre fhren.
Und wenn schon, wie kann ich wissen, nicht Opfer einer dreisten Lge zu werden?
Offenbar zornig ob derlei Unverschmtheit grollte der Commander, stand jedoch zu sehr unter Zeitdruck, um weiter darauf einzugehen.

Im nchsten Augenblick keuchte Caytha auf, mit aller Macht drang der Wraith vllig unvermittelt in ihren Geist ein, zeigte ihr Bilder, Worte, einzelne Gedanken. Fr die Krashty war diese Erfahrung neu, krftezehrend, beeindruckend und ngstigend zugleich. Sie erblickte mental einen Wraith, der laut dem Commander ihr Vater und zugleich ein alter Verbndeter war, Caytha war zu unerfahren um zu entscheiden, ob diese Bilder der Wahrheit entsprachen oder eine raffinierte Tuschung waren.
Binnen weniger Augenblicke fasste sie den Entschluss, vorerst an der Echtheit des Gezeigten festzuhalten.

Er lebt noch?, ihre Stimme war kaum mehr als ein Flstern, alles schien aus den Fugen zu geraten.
Warum jetzt? Nach zwanzig Jahren?
Seit seiner Flucht gilt er als Verrter, war gezwungen, sich einem verfeindeten Hive anzuschlieen. Seine neue Knigin fand heraus, dass er eine Leyhta auf seinem alten Hive zurcklie. Sie misstraut deinem Vater, auch von deiner Existenz wei sie nun. Ein Mensch vermag unter Wraith nicht viel auszurichten, aber eine Krashty, so frchtet sie, kann durchaus berzeugend wirken. In ihren Wahnvorstellungen vermutet sie, du wrdest deinen Vater hassen, frchtet den Angriff dieses Hives.
Es klang so lcherlich, ein weiteres, unglubiges Lachen entrang sich ihrer Kehle. Vielleicht war dies doch nicht mehr als ein groer, schlechter Witz?

Das ist absurd! Niemals knnte ich dieses Hive zum Angriff berreden!
Deutlicher als zuvor lag nun Sorge auf den Zgen des Wraith, ja beinahe Angst, wieder knurrte er ungehalten.
Ich wei. Aber die Knigin frchtet sich dermaen vor einem neuen Krieg, dass sie deinen Vater gefangen nahm, nur, wenn du dich bereit erklrst dich ihrem Hive zu unterwerfen wird sie ihn verschonen.

Die Krashty starrte den Commander an. Das war ein dermaen bescheuerter Plan, sie konnte es kaum fassen. Aber tief im Inneren regte sich der Wunsch, ihren Vater kennen zu lernen und obgleich sie sich mit aller Macht strubte, begann ernsthaft ber die Worte des Commanders nachzudenken. Mehr noch, einen Wimpernschlag lang war sie berzeugt, ihm Glauben zu schenken und seinen Anweisungen Folge zu leisten.

Mal angenommen, ich glaube Euch. Was wrde as meiner Mutter? Ich kann sie nicht zurcklassen, nicht nach allem, was sie- Still!, Panik erfllte die Augen des Commanders, hektische eilte er zur Tr herber.
Wraith sind auf dem Weg hierher, verlasse das Hive auf der Stelle!
Aber ich, begann sie ohne wirklich zu wissen, was sie eigentlich sagen wollte. Auch Caytha konnte jetzt mehrere Wraith spren, die sich rasch dem Frachtraum nherten. Deutlich sprte sie, dass die Worte des Commanders Verrat gleichkamen, sollte ein anderer Wraith oder gar die Knigin des Schiffes davon erfahren.

Geh! Der Primal ist auf dem Weg!
Schritte nherten sich dem Lageraum, auch Caytha sprte nun die Anwesenheit des Primals.
Warum war sie nicht schon zuvor gegangen? Wtend ob ihrer eigenen Naivitt rannte sie davon, wollte lieber nicht daran denken, was der Primal mit ihr anstellte, sollte er auch nur die Spur einer Verschwrung wittern.

Sie wollte Mia nicht im Stich lassen, doch besser, ihre Mutter wsste nichts von ihrem Gesprch mit dem Commander, sollte sie bezglich Caythas Flucht verhrt werden, wrde sie nichts wissen, nichts verraten knnen.

Alles schien seinen gewohnten Gang zu gehen, noch gab es keinen Alarm und zu ihrer eigenen berraschung gelangte sie unbehelligt bis zur Dartbucht. Argwhnisch sphte Caytha umher, schlich zu einem der Jger herber.

Ihr Vater war schuld an dieser Miesre, wegen ihm wrde man ihre Mutter einsperren, wenn nicht gar tten. Es lief ihr erneut kalt den Rcken hinab ob dieser Vorstellung, doch sie war bereits im Orbit und musste fliehen, ehe die Wraith begriffen, was vor sich ging. Nun erst wurde ihr wirklich bewusst, wie viel Glck sie gerade gehabt hatte, unverschmt, zu viel. Was galt es als Preis fr ihre unbehelligte Flucht zu zahlen?

Wie sollte die Krashty sich dem fremden Hive nhern knne, ohne beschossen zu werden? Die Koordinaten kannte sie, der Commander hatte sie ihr mental bermittelt, sie wusste, wo ihr Ziel lag. Doch es wrde riskant werden. Riskant und uerst dumm. Einmal mehr verfluchte Caytha sich selbst, an manchen Tagen vereinten sich die schlechtesten Eigenschaften beider Seiten ihrer Abstammung. Dummheit der Menschen und blinde Wut der Wraith waren es, die sie stets in derlei unbedachte, gefhrliche Lagen brachten.
Kapitel II: Neues Terrain by Trevelyia
Kapitel II: Neues Terrain


Caytha atmete tief durch, korrigierte die Flugrichtung ihres Darts und wartete. Es wrde noch eine Weile dauern, bis ihr die Tragweite ihrer berhasteten Entscheidung bewusst wurde. Ihr altes Leben lag nun hinter ihr und auch, wenn ein Teil in ihr sich gegen diese Erkenntnis strubte, sie zur Umkehr bewegen wollte, wurde ihr keine Wahl gelassen. Sollte Caytha der inneren Stimme nachgeben und tatschlich umkehren, wrde dies ihr Schicksal endgltig besiegeln, daran bestand keinerlei Zweifel.

Einem Dart stand kein Hyperantrieb zur Verfgung, um einem tagelangen Flug zu vermeiden, nutzte die Krashty einige Abkrzungen durch mehrere Sternentore. Als Hybrid aus Mensch und Wraith war es ihr erlaubt, die Technologie der Wraith ohne Einschrnkung zu nutzen, wre wahrscheinlich sogar in der Lage, ein Hive zu manvrieren, obgleich sie dazu sicherlich niemals Gelegenheit erhalten wrde. Mal davon abgesehen, dass Caytha zudem auch nicht den Wunsch versprte, eines der riesigen Wraithbasisschiffe zu steuern.

Je nher sie dem fremden Hive kam, desto angespannter wurde sie, ihr Herz schlug schneller als gewhnlich, nur mit Mhe gelang es der Halbwraith, sich zur Ruhe zu zwingen. Es wre uerst tricht, sich allein auf das Wort eines Wraith zu verlassen, mehr als einmal machte Caytha die Erfahrung, ihnen nicht vllig vertrauen zu knnen und lernte daraus. Sie musste jedwede Mglichkeit in Betracht ziehen, es lag durchaus im Bereich des Wahrscheinlichen, einfach abgeschossen und vernichtet zu werden, sobald sie in Reichweite des Hives kam.

Das gewaltige Schiff ragte schon von weitem bedrohlich im Orbit auf, vorsichtig entsandte Caytha ihren Geist und sprte hunderte, tausende Wraith an Bord, wenn nicht gar viele, viele mehr. Sie drosselte die Geschwindigkeit des Darts, hielt genau auf das riesige Hive zu. Nun war es endgltig zu spt einen anderen Plan zu fassen, das fremde Schiff bemerkte ihre Anwesenheit und nahm Kontakt zu ihr auf. Die Krashty zuckte kurz zusammen, als das Bild eines Commanders vor ihr erschien.
Mit herrischer Miene starrte er auf die Halbwraith hinab, seine Augen funkelten voller Verachtung.
Du wirst bereits erwartet.
Immerhin wrde sie nicht abgeschossen, vorerst zumindest.
Befolge unverzglich die Andockinstruktionen, etwas Mahnendes legte sich in die Stimme des Wraith und sein Bild verlosch Augenblicke nach der dieser knappen Anweisung. Sogleich darauf erschien ein Plan des Hives vor ihren Augen auf dem Bildschirm, der Weg zur Dartbucht wurde ihr farblich vorgezeichnet. Nervs folgte sie der Wegbeschreibung, ein fremdes Hive zu betreten war auch fr eine Krashty uerst heikel.

Sollte der Commander ihres alten Hives Recht behalten, so wrde Caytha bald schon ihrem Vater gegenber stehen. Caytha vermochte nicht vorauszusagen, welchen Verlauf dieses Treffen nehmen wrde, in ihrer Vorstellung war sie diesem einen Wraith schon oft begegnet. Nun jedoch war ihr Denken erfllt von Angst und Nervositt, ihr Krper schien sich verstecken zu wollen, gleichzeitig versprte Caytha den starken Drang, den Dart zu wenden und das Hive so schnell wie mglich hinter sich zu lassen.

Diese Gefhle wandelten sich nicht gerade zum Positiven, als die dunkle Dartbucht sie regelrecht verschluckte, nie zuvor versprte sie an Bord eines Hives derartige Unsicherheit und dumpfe Furcht.

Mit Umsicht manvrierte sie den Jger auf den vorgesehenen Platz in der Bucht, landete und ein kurzes Ruckeln durchlief das kleine Schiff. Eine Sekunde zgerte sie, dann ffnete Caytha das Oberdeck.
Die Krashty sah sich fnf Wraithsoldaten und einem Commander gegenber, er musterte sie halb neugierig, halb spttisch. Sein berheblichkeit schien mit Hnden greifbar, mit jeder Faser seines Krpers strahlte er eine berlegenheit aus, die Caythas Wraitherbe aufs uerte provozierte, unwillkrlich entwich ihr ein leises Knurren.
Die Augen des Commanders verengten sich einen Wimpernschlag lang, ihm war dieser kurze Moment der Auflehnung nicht entgangen. doch da sie sich ansonsten friedlich verhielt, schien er es erst einmal bei dem warnenden Blick belassen zu wollen.

Krashty scheinen doch nicht ganz so unzuverlssig wie ihr Ruf, ein hhnisches, kaltes Lcheln umspielte seine Mundwinkel, nur mit Mhe unterdrckte Caytha ein weiteres Knurren, erneut wrde der Commander sicherlich nicht darber hinwegsehen.
Wraith waren seit jeher keine sonderlich kommunikative Rasse, wortlos wandte er sich um, setzte sich in Bewegung. Caytha wusste, dass sie ihm zu folgen hatte, dicht flankiert von den Wraithkriegern folgte sie ihm, laut drhnten die dumpfen Schritte der Drohnen in ihren Ohren.

Resignation ergriff von ihr Besitz als der Commander sie zum Zellentrakt des Hives eskortierte, ihr war bereits der Gedanke gekommen, frher oder spter eingesperrt zu werden, wenngleich ein winziger, gerade zu naiv positiver Teil in ihr das Gegenteil erhoffte. Dennoch, vorerst war sie unversehrt an Bord gelangt, vielleicht galt es, angesichts dieses Umstandes dankbar zu sein.

Der erste Commander wird ber deine Anwesenheit unterrichtet. Mit diesen Worten lie der Wraith sie allein in ihrer Zelle zurck.
Die Aussicht, der offenbar uerst paranoiden Knigin zu begegnen, war nicht gerade verlockend, aber immerhin wrde sie dann auch vielleicht endlich ihrem Vater gegenberstehen. Nun, da sie diesem Ziel so nahe war, wusste sie erst recht nicht, welches Verhalten sie ihm gegenber zeigen sollte.
Die Gedanken kreisten einzig um diesen Wraith, wegen ihm lie sie ihr altes Leben berhastet zurck, ohne Klarheit, ob dies die richtige Entscheidung war. Mit groer Sicherheit war es der Wraithanteil in ihr, der die Gedanken der Krashty berhaupt erst in derlei Bahnen lenkte.
Caytha akzeptierte ihr Wraitherbe, sah schnell ein, dass es keinen Sinn ergab, sich ihm verweigern zu wollen. Doch bisweilen sehnte sie sich danach, gnzlich ein Mensch zu sein. Meist keimte dieser Wunsch in ihr, wenn sie als Kind allein und verlassen unter den wenigen Kindern der Wraithanbeter zu spielen versuchte, Erwachsene lieen sie fast immer in Ruhe, doch die Kinder waren grausem ehrlich gewesen.
Schon damals war ihr bewusst geworden, dass sie niemals einen Gefhrten unter den Menschen finden wrde, einzig Nial war ihr freundlich gegenber und fr ihn empfand sie lediglich Freundschaft. Bis auf ihn und Mia gab es niemanden unter den Wraithanbetern, der Caytha nicht frchtete oder verachtete.
Rasch verscheuchte die Halbwraith derlei Gedanken, selbst nach all der Zeit schmerzten diese Erinnerungen.

Innerhalb dieser Zelle fiel es Caytha schwer einzuschtzen, wie viel Zeit vergangen war. Irgendwann sprte sie die Prsenz eines Wraith, der erste Commander war offenbar auf dem Weg zu ihr. Die Krashty straffte die Schultern, verlieh ihrem Gesicht einen kalten Ausdruck und wartete. Ihr Herz pochte heftig in ihrem Brustkorb, wieder beherrschten Nervositt und Angst ihre Gedanken.
Der Wraith trat vor ihre Zelle, musterte sie einen Moment mit einem undefinierbaren Blick und ffnete die Tr.
Lang und glatt reichte ihm das weie Haar bis zur Hfte, ein Zyrnash bedeckte in einem schwarzen Muster aus Zacken und Halbkreisen seine linke Gesichtshlfte, umrahmte die untere Hlfte seines Auges und zog sich bis auf seinen Hals hinab.

Ist es blich, einen Ehrengast derart lange warten zu lassen?
Caytha lernte in diesem Augenblick zwei Dinge. Zum ersten war sie nicht so wichtig, wie sie angenommen hatte und zum zweiten war der Commander weder von geduldiger, noch nachsichtiger Natur. Ein scharfer Schmerz zuckte durch ihre linke Gesichtshlfte, Blut tropfe von ihrer aufgerissenen Augenbraue, die im Zentrum des Schlages lag.

Ma dir nicht zu viel Wichtigkeit deiner Person an, trotz seines warnenden Untertons schwang auch ehrliche Belustigung in seiner Stimme mit, fast war es, als msse er ein Grinsen unterdrcken.
Auch, wenn er seinen Spott und seine Verachtung nicht so offen zur Schau stelle, wie der Primal auf Caythas altem Hive, ihr war vllig klar, dass auch dieser Wraith Krashty verachtete.
Die Halbwraith fauchte leise, betastete ihr Gesicht und starrte den Wraith wtend an, das Stechen wich langsam einem dumpfen, pochenden Schmerz.
Hhnisch grinsend erwiderte er ihren Blick, ihr Verhalten, ihr Leiden, schien aus seiner Sicht recht amsant.
Mitkommen!, befahl er knapp, wandte sich um, wartete nicht, ob sie ihm folgte. Caytha bebte vor unterdrcktem Zorn, noch immer tropfte gemchlich Blut ber ihr Gesicht. Der Commander war fast aus ihrem Blickfeld verschwunden, die Krashty wrde vorerst keine andere Wahl haben, als ihm zu gehorchen, mochte ihr das nun gefallen oder nicht.

Caytha sprte die Anwesenheit der Knigin bereits, als sie noch etliche Schritte von der Tr zum Thronsaal entfernt war, es schien, als demonstrierte ihr die Wraith alle Macht, die sie innehatte. Um sie einzuschchtern? Dies war nicht von Nten, zumindest in Anwesenheit einer Knigin wusste Caytha sich zu benehmen, Fehltritte wurden nicht selten mit dem Tode bestraft.
Der Commander ffnete die groe Tr ohne zu Zgern, schritt herrisch bis zum Thron der Knigin, verneigte sich. Caytha folgte ihm wesentlich unsicherer, das Treffen mit einer fremden Knigin war immer heikel, diese eine Wraith schien zudem sehr paranoid. Ungeachtet ihres Vorsatzes, sich in keiner Weise einschchtern zu lassen, lief ihr ein eiskalter Schauer den Rcken hinab als die Krashty den stechenden Augen der Knigin begegnete.

Zahlreiche Wraithkrieger standen Seite an Seite und bildeten eine Gasse bis zum Thron, normalerweise war hchstens der Primal lnger anwesend, diese Wraith musste wirklich ber die Maen besorgt ob ihrer Sicherheit sein. uerlich wirkte die Knigin vllig gelassen, lange, schwarze Haare waren zu einer Hochsteckfrisur aufgetrmt, standen auffallend im Kontrast zu ihrem bltenweien Kleid, welches an Saum und rmeln von einer silbernen Borte verziert wurde.
Ihr Zyrnash war recht klein und wre der Krashty fast verborgen geblieben, ein feiner, unterbrochener Kreis, welcher von einer anderen Linie umschlungen wurde. Der Commander war zu ihrer linken Seite getreten, rechts stand der Primal. Rasch verneigte Caytha sich tief, wusste nicht ob es ratsam war auf die Knie zu fallen, diese Geste konnte auch als falsche Unterwrfigkeit interpretiert und mit Zorn geahndet werden.
So hielt die Halbwraith lediglich den Blick gesenkt, hrte das Rascheln von Stoff, als die Knigin sich von ihrem dunklen Thron erhob und im Zwielicht des Hives zu Caytha hinab trat.

Zur gleichen Zeit nahm sie mentalen Kontakt zu Caytha auf, die Krashty wusste, dass sie einer Knigin nichts entgegen zusetzten hatte und musste den Kontakt wahllos zulassen, bergab damit ihr Leben in die Obhut der Knigin.

Die Anwesenheit in Caythas Kopf war berwltigend, die Wraith verfgte ber jegliche Erinnerung der Krashty, konnte jedes Detail deren Lebens erforschen. Vorerst beschrnkte die Knigin sich darauf, sich Klarheit ob der Absichten der Schwarzhaarigen zu verschaffen, suchte nach Verrat und Heimtcke.
Pltzlich zuckte ein heftiger Schmerz durch Caythas Kopf, sie keuchte auf, die Pein berdeckte ihr gesamtes Denken, ihre Empfindungen, Caytha sah und hrte nichts mehr, lediglich erfllt von der unendlichen Qual. Diese Empfindung dauerte kaum mehr als einen Moment, dennoch fand sie nur langsam ins Bewusstsein zurck, ihr Atem ging schwer, kalter Schwei klebte auf ihrer Haut.
Sie war auf die Knie gesunken, der Schmerz und auch die Anwesenheit der Knigin waren aus ihrem Kopf verschwunden.

Ein kleiner Ausblick auf das, was dir blht, solltest du dich gegen mich wenden, ein amsiertes Lcheln umspielte die schmalen Lippen der Knigin, euch Krashty wird eine gewisse Sturheit nachgesagt, die ich von Anfang an unterbinden musste. Erhaben und vllig lautlos kehrte sie zu ihrem Thron zurck, lie sich in stiller Anmut darauf nieder.

Steh auf, die Stimme der Wraith von vlliger Ruhe gezeichnet, nicht die Spur Aggressivitt oder Zorn lag darin, dennoch, Caytha leistete ihrem Befehl augenblicklich Folge.
Zu deinem Glck sind deine Gedanken frei von jeglichem Verrat, du wirst dein Leben behalten drfen.

Erleichterung breitete sich in Caytha aus, zumindest diese Hrde schien genommen, wenngleich diese Knigin nichts mit der Wraith gemein hatte, die auf Caythas altem Hive herrschte.
Der Primal der Knigin achtete in keiner Weise auf die Krashty, der erste Commander hingegen folgte jeder noch so kleinen Bewegung, seine Augen waren unterbrochen auf die Halbwraith geheftet.

Noch immer herrscht Krieg unter den Wraith, Vorsicht ist eine lstige Notwendigkeit, der Vielfachklang ihrer Stimme berdeckte beinahe die Sanftheit ihrer Worte, beilufig fuhr sie mit ihren langen, schlanken Fingern die Wangenkontur ihres Primals nach. Der Wraith rhrte nicht einen Muskel.
Ich wei um deine Abstammung, dein Vater erwies sich als loyal und vertrauenswrdig, was ihm einen Posten als meinen zweiten Commander einbrachte. Bei euch Krashty fhrt das menschliche Erbe in euch frher oder spter dazu, sich auf die Suche nach dem anderen Elternteil zu machen, ich konnte, durfte nicht zulassen, dass deine Unsicherheit womglich in Wut oder gar Hass umschlgt.

Die Andersartigkeit dieser Knigin schien grenzenlos, jeden normalen Wraith wrde es in keiner Weise kmmern, ob irgendeine Krashty einem Commander gegenber auch nur irgendein Gefhl hegte.
Allerdings schien es nicht wenig verwunderlich, der Knigin ihre Abnormitt, Paranoia, ins Gesicht zu sagen, wrde selbst den ersten Commander oder Primal den Kopf kosten. Gleichsam wurde Caytha unruhig, als die Knigin ihren Vater erwhnte, die Wraith sprte es, erneut schlich sich ein Lcheln auf ihre Zge. Diese Wraith war wirklich sehr, sehr seltsam.
Ich werde ein Treffen in die Wege leiten.
Kapitel III: Familienbande by Trevelyia
Kapitel III: Familienbande


Kaum merklich wandte die Knigin sich ihrem ersten Commander zu. Der groe Wraith verneigte sich, hatte auf mentalem Wege wohl Anweisungen erhalten, blickte kurz zu Caytha herab.
Mitkommen, sein Tonfall war hart und befehlend, es kam der Krashty beinahe so vor, als wolle er seiner Knigin beweisen, seiner Position wrdig zu sein.
Caytha drehte sich ebenfalls um, konnte sich einem Grinsen einen Augenblick lang nicht verwehren. Doch kaum, dass der Commander sie aus dem Thronsaal gefhrt hatte, erstarb diese Regung, schon bald nahm die Nervositt wieder die berhand und nun war es der Wraith, der grinste.

Die Unfhigkeit der Krashty und ihr Hang zur Unbeherrschtheit ist immer wieder erheiternd, sein Tonfall war herablassend, Caytha knurrte zornig doch der Wraith lachte nur kalt. Still, Mischling.
Zgigen Schrittes fhrte er sie durch das Hive, hielt vor einem kleinen Quartier, hnlich dem der Wraithanbeter auf Caythas altem Hive.

Der zweite Commander ist auf dem Weg.
Erneut belustigte es den Wraith, als er sah, wie die Gesichtszge der Krashty wie zu Stein wurden.
Es blieb keine Zeit fr eine Erwiderung, Caytha wurde sich einer zweiten Wraithprsenz bewusst, die sich rasch dem Quartier nherte.
Sogleich erstarb jegliche kalte Freude des ersten Commanders, seine Augen wurden schmal, sein Blick dominiert von Klte und Hass, ein drohendes Knurren entrang sich seiner Kehle, als die Tr sich geffnet und der zweite Commander den Raum betrat.
Der Krashty wurde die Abneigung des Commander nur am Rande bewusst, ihre Augen hefteten sich auf den Wraith, der gerade das Quartier betrat. Ihren Vater.

Beide Wraith starrten sich voller Feindschaft an, ihre Krperhaltung barg jeweils eine offene Drohung, wie zwei Raubtiere taxierten sie einander, auf jedes Zeichen der Schwche lauernd. Irgendwann wandte der zweite Commander den Blick ab, deutlich war an seinem Gesicht abzulesen, dass seine Unterwrfigkeit dem anderen gegenber nicht aus Einsicht, sondern lediglich aufgrund seiner untergeordneten Position als zweiter Commander erfolgte.
Mit einem letzten, triumphalen Blick verlie der erste Commander den Raum, lenkte die Aufmerksamkeit des anderen Wraith vllig auf Caytha.

Dein Kommen bewahrte mich vor einem zweifellos grausamen Tod, noch schwangen seinen Worten Zorn und Gereiztheit bei, wenngleich diese Gefhle nicht der Krashty galten.
Caytha fand keine Worte, starrte den Wraith schlicht an und fragte sich, was sie eigentlich erwartet hatte. Eine herzliche Familienzusammenfhrung voller Wrme? Eine berschwngliche Heimkehr der lang verlorenen Tochter?
Nun kam sie sich dumm vor, immerhin war ihr Vater ein Wraith, familire Gefhle waren unter seiner Spezies nicht vorgesehen.
Mia hingegen behielt Recht mit ihren Aussagen ber Caytha, die Krashty erkannte sich in fast jedem der Zge des Wraith, die hnlichkeit war, bei genauerem Hinsehen, verblffend.
Eine sich in zwei Spitzen aufteilende, geschwungene Linie auf der rechten Schlfe bildete das Zyrnash ihres Vaters, seine Haare waren im Nacken zusammengebunden und fiel zu mehreren Zpfen geflochten ber seine Schultern.

Aufmerksam studierte der zweite Commander jedes Merkmals der Halbwraith, sein Blick glitt ber ihre Gesichtszge, verweilten bei den blauen Augen, dem schwarzen Haar, blieb dann lange an den beiden Vertiefungen auf ihren Wangen hngen, sein Blick verdunkelte sich.
Nie zuvor blickte ein Wraith Caytha ohne Verachtung an, ein merkwrdiges Gefhl berkam sie. Sehnsucht? Einsamkeit? Unsicherheit? Ein wenig von allem.

Du siehst ihr verblffend hnlich.
Es bedurfte keiner Frage, wem diese Worte galten.
Dasselbe behauptete sie stets von dir.
Caythas Stimme klang unbewusst hrter, als sie beabsichtigte, auch sprach sie ihren Vater nicht mit der Hflichkeitsform an. Wre der Wraith nach ihrer Geburt geblieben, ihr wre viel Leid und zahlreiche Demtigungen erspart geblieben. Es war unfair ihm gegenber, dessen war sie sich bewusst, der Wraith rettete mit seiner Flucht sowohl das ihre, als auch Mias Leben. Doch die Wut, die Caytha in jenen Momenten versprte, entsprach ganz ihrer geerbten Wraithnatur, war unbndig und bermchtig, das ihr widerfahrene Unrecht war nicht mit rationaler Logik beizulegen.

Mir blieb keine Wahl, ruhig sprach der Wraith zu ihr, reagierte nicht im Mindesten auf die Wut der Krashty, sein Verhalten verunsicherte Caytha nur noch mehr. Solch eine Reaktion war sie von Wraith nicht gewohnt. Zorn, Hass, krperliche und mentale Gewalt, auf derlei Dinge war sie vorbereitet, konnte zum Teil damit umgehen. Sein schon khles Verstndnis nahm ihrem Zorn den Wind aus den Segeln.
Ich weiߓ, gab sie kleinlaut zu und sah verwirrt ein schwaches Lcheln auf den Zgen des Wraith.
Sollte er mit derlei Bedacht und Gelassenheit auch ihrer Mutter begegnet sein, Mias Liebe zu dem Commander erschien deutlich realistischer. Doch niemals wre er zweiter Commander eines Hives geworden, sollte er sich auch unter anderen Wraith derart ruhig und bedacht geben.
Die Krashty gab sich einen Ruck.
Hallo, Vater.

Zum ersten Mal verwendete Caytha dieses Wort ohne den blichen, bitteren Unterton. Ein weiteres, nun deutlicheres Lcheln zeichnete sich auf dem Gesicht des Wraith ab. Wieder dachte Caytha, wie seltsam dieses ehrliche, freundliche Lcheln auf den Zgen eines Commanders war, fast schien es ihr falsch, unpassend, so ungewohnt war es, sich nicht der gewohnten Verachtung gegenber zu sehen.

Wie soll ich dich nennen?
Nur, weil sie den Commander einmal so ansprach, wrde es ihr im Traum nicht einfallen ihn vor anderen Wraith ebenfalls Vater zu nennen.
Er blickte sie amsiert an, ihn schien dieses Verhalten gerade zu belustigen.
Corvin. Unter anderen meiner Art ist jedoch mein Rang vllig ausreichend.
Ungewohnt, den wahren Namen eines Wraith zu erfahren, argwhnisch blickte Caytha ihren Vater an.
Mia hat mir nie von deinem Namen erzhlt, je lnger sie auf diesem Hive verweilte, desto mehr beschlich sie die Vermutung, ihre Mutter habe ihr nie die ganze Wahrheit erzhlt. Einen Moment schlich sich bei der Erwhnung des Namens ihrer Mutter eine Verletzlichkeit in Corvins Augen, die Caytha mehr verwirrte, als jede zuvor gezeigte Regung.
Sie hatte ihre Grnde.
Oh ja, sicher hatte sie die. Sie hatte immer ihre Grnde. Die Krashty hatte es eigentlich nicht sagen wollen, wieder einmal war sie nicht Herrin ihre Emotionen.
Corvin schien im ersten Augenblick etwas Barsches erwidern zu wollen, im Gegensatz zu seiner Tochter wusste er sich allerdings zu beherrschen, wenngleich sein Blick nun den kalten, fr einen Wraith so viel typischeren Ausdruck annahmen.

Dies ist von nun an dein Quartier.
Auer einem schlichten Bett, einem kleinen, aus schwarzem Stein gefertigtes Waschbecken und einer Kommode wies das Zimmer kein weiteres Mobiliar auf. Ohnehin besa die Halbwraith nur die schlichte Kleidung, die sie am Leib trug, auf einem Hive war nicht viel Platz fr materiellen Besitz. Unter Corvins wachsamen Blick inspizierte Caytha die Schubladen der Kommode.
Ich war so frei, dir Kleidung bringen zu lassen, die deinem Stand angemessener ist, als die einfach Kluft eines Menschen, verachtend musterte er die schlichte, graue Stoffhose und die blaue Stofftunika. Ihrem Stand angemessen? Wovon sprach er?
In der Schublade trafen ihre Hnde ausschlielich auf schwarzes Leder, irritiert schloss die Kommode wieder.

Bald schon wird die Knigin dich einigen Tests unterziehen lassen, nun war es Ernst und Sorge, die gleichermaen in Corvins Blick lagen.
Die blauen Augen der Krashty wurden eine Spur schmaler, unterbewusst stieg Angst in ihr auf, das verhie nichts Gutes.
Was fr Tests?
Der Wraith blickte entschuldigend zu ihr auf.
Genau kann ich das nicht sagen, allerdings scheint es mir nichts, mit dem ich einverstanden wre.
Caytha knurrte wtend, binnen weniger Augenblicke wallte heier Zorn in ihr auf.

Dann verhindere es, du bist der zweite Commander!
Nun schien auch Corvin seine Gefhle nicht mehr vllig verdrngen zu knnen, er knurrte ebenfalls leise.
Ohne Einfluss auf die Knigin ist mir dies unmglich, offiziell wurde ich nicht einmal davon unterrichtet! Wie glaubst du, soll ich sie von ihrem Vorhaben abbringen, ohne meinen Kopf zu verlieren?! Das Temperament hatte Caytha eindeutig von ihrem Vater geerbt.

Obgleich sie sich nicht all diese Mhe gemacht htte, nur um dich anschlieend zu tten.
Schaudernd versuchte Caytha, sich in Gedanken nicht allzu lange auszumalen, was die Knigin fr Tests anordnen wrde.
Wieder setzte der Wraith zum Sprechen an: Einen letzten Rat. Halte dich von dem ersten Commander fern.
Caytha wartete auf eine Erklrung, doch Corvin bot ihr keine, sie zog eine Augenbraue hoch. Bekomme ich sonst Hausarrest?, Spott lag in ihrer Stimme, sie grinste eine Spur arrogant. Der Commander knurrte drohend, seine Augen blitzten wtend auf, zum ersten Mal wirkte er voll und ganz wie ein Wraith.
Du hast mehr von mir geerbt, als mir lieb ist, trotz seines Zorns schien es, als schwang seinen Worten unterschwelliger Stolz bei.

Fast war es, als erwarte Corvin das Versprechen, seinem Anweisung Folge zu leisten, dann besann er sich.
Meine Pflichten als Commander verlangen nach mir, entschuldigend warf er einen letzten Blick auf seine Tochter, verlie das kleine Zimmer.

Tief durchatmend lie die Krashty sich auf das Bett sinken. Das erste Treffen mit ihrem Vater war besser verlaufen, als sie erwartete, nach und nach begriff sie, warum ihre Mutter diesem Wraith gegenber noch immer loyal war.

Wieder dachte sie an Corvins merkwrdiger Aussage bezglich ihrer Kleidung, noch kannte sie die Bedeutung seiner Worte nicht, trotzdem wrde sie sich umziehen.
Hastig wusch die Halbwraith im Waschecken den Dreck und Schwei der vergangenen Tages fort, sprte, wie all die Angst, Aufregung und Nervositt ihren Tribut forderten. Mde zog sie aus der obersten Schublade der Kommode einige Kleidungsstcke heraus. Von ihrer Art glichen sie alle, egal ob Hose, Obergewand oder Kleid, den langen Mnteln der Commander und Wissenschaftler.
Schlielich war Caytha von Kopf bis Fu in schwarzes, berraschend weiches Leder gekleidet, ber die eng anliegende Hose zog sie ebenso tiefschwarze Stiefel. Ihr Oberteil umschloss ihren Oberkrper vllig, die rmel zogen sich bis zu den Fingerkncheln hinab, weiteten sich gegen Ende und lieen ihr ausreichend Bewegungsfreiheit.
Lediglich die Stelle unterhalb ihres Halses, an der sich die Wraith fr gewhnlich nhrten, bleib frei. Ein wenig beunruhigend, aber jedes einzelne Kleidungsstck in der Schublade wies diesen Ausschnitt an der genau gleichen Stelle auf, Caytha blieb keine Alternative.

Pltzlich sprte sie eine Berhrung ihres Geistes, es war keine Kontaktaufnahme, mehr ein vorsichtiges Herantasten, erstarb augenblicklich als die Krashty darauf reagierte. Misstrauisch drehte Caytha sich zur Tr. Dieses Verhalten war keinem Wraith zuzuschreiben.
Kapitel IV: Die Höheren by Trevelyia
Kapitel IV: Die Hheren

Lautlos glitt die Tr auseinander und Caytha sah sich zum ersten Mal einem anderen Krashty gegenber. Schwer zu sagen, wie alt er war, sie schtze ihn nur wenig lter als ihre knappen zwanzig Jahre. Graue, wachsame Augen musterten sie eingehend, sein Blick blieb missbilligend an ihrer Kleidung hngen.
Seine Haut war der Caythas sehr hnlich, wenngleich sie noch mehr der eines Menschen hnelte, war nicht so blass wie ihre, die bisweilen vllig wei erschien. Auf seinen Wangen lieen sich die beiden Vertiefungen lediglich erahnen, allgemein wirkte er um ein Vielfaches menschlicher, auch seine Pupillen waren nicht geschlitzt. Einzig der mentale Kontakt verriet, dass er Wraith DNS in sich trug.

Mein Name ist Crelon, brachte er hervor, Caytha runzelte die Stirn, deutlich hrte sie Abneigung aus seinen Worten, mir war nicht klar, dass du eine Hhere bist.
Verwirrt erwiderte die Krashty seinen Blick.
Eine Hhere? Wie meinst du das?
Crelon schnaubte spttisch, sein aschblondes Haar wirkte im schwachen Licht des Hives beinahe grau.
Sinnlos, dein Spiel mit mir zu treiben, schon andere scheiterten daran.
Wieder dieser verachtende Unterton, nur mit Mhe hielt die Halbwraith ein Knurren zurck.
Bist du nicht auch ein Krashty? Weshalb dieser Spott in deinen Worten?
Niemand trgt die Kleidung eines Hheren, ohne sich dessen Bedeutung bewusst zu sein.
Lange wrde ihre Selbstbeherrschung nicht mehr anhalten, binnen weniger Stunden gab sie ihr altes Heim auf, ihr Gesicht schmerzte noch immer ob des Schlages des ersten Commanders, zum ersten Mal begegnete sie ihrem Vater - all das beanspruchte ihre Nerven zu sehr, als dass diese auch noch die kryptisch herablassenden Worte eines Fremden standhielten.
Bei seiner Bemerkung bezglich ihres Aussehens musterte Caytha nun ihrerseits die Kleidung ihres Gegenbers. Er trug ein langes Obergewand aus dunkelgrauem Stoff, welches ihm bis auf die Knie reichte, darunter eine schwarze Hose, ebenfalls aus Leinen gefertigt, wie es schien. Auch fehlte es an dem Ausschnitt unterhalb seines Halses. Caytha wusste nicht, was dies bedeuten sollte, ihr stand keinerlei andere Kleidung zur Verfgung als sie, welche sie nun trug.

Noch nie war Caytha gut darin, ihre Gereiztheit zu verbergen, Crelon war der ungeduldige Ausdruck auf ihrem Gesicht nicht entgangen.
Du weit es wirklich nicht?, ein Kichern entwich ihm, die Verachtung in seinem Blick wuchs.
Lnger lie sich ihr Unmut nicht mehr verbergen, die Krashty knurrte aufgebracht, war nicht in Stimmung fr derlei Spiele.
Wraith besaen von Anfang an das genetische Wissen ihrer Rasse, auch Caytha verfgte darber, um etwas derartiges konnte es sich also nicht handeln.
Gibt es fr dein Kommen einen Grund? Abgesehen von dem, mich um meine Geduld und Zeit zu bringen?, sie gab sich keinerlei Mhe, ihre Stimme freundlich oder gar einladend klingen zu lassen.

Allerdings. Shena wnscht dich zu sprechen.
Die Krashty wrde dem anderen Halbwraith nicht die Genugtuung verschaffen, ihr die Antworten auf weitere Fragen zu verwehren, so nickte sie lediglich.
Nun gut, dann bring mich zu ihr.
Nun war es Crelon, der ein leises Fauchen nicht unterdrcken konnte, Caytha hob eine Augenbraue. Ihr Knurren war das eines Wraith, kalt, drohend. Der Laut, den Crelon soeben ausstie, war mehr der Ruf eines wtenden, kleinen Tieres.
Scheinbar verteilte sich das Wraitherbe der Krashty unterschiedlich, Crelon htte ebenso gut ein Mensch sein knnen, abgesehen von seiner Fhigkeit, auf mentaler Ebene zu kommunizieren.

Wortlos verlie Crelon ihr Quartier, Caytha schloss mit zgigen Schritten zu ihm auf. Wenn ihre Vermutung der Wahrheit entsprach, waren dann nicht auch ihre mentalen Krfte denen des anderen Krashty berlegen? Neugierig sandte sie ihren Geist aus, zupfte ein wenig am Verstand des Anderen. Crelon fuhr herum, starrte sie hasserfllt an.
Tu das nie wieder!, seine Stimme zitterte, neben Verachtung lag nun auch deutlich Angst in seinem Blick.
Halte mich davon ab, Caytha genoss ihr perfides Spiel, es schien ein so gutes Ventil fr all ihre eigenen Sorgen.
Crelon ffnete den Mund, schloss ihn sogleich wieder, seine Augen verengten sich zu Schlitzen, bebend wandte er sich ab, schien sich nur mit allergrter Mhe zum Weitergehen zwingen zu knnen.
Allein seine Reaktion schien ihre Vermutung zu besttigen, zu wissen, dass sie mental strker war, als andere Krashty, verschaffte ihr eine seltsame Befriedigung. Ein Gefhl, welches zweifelsohne von ihrer Wraithseite genhrt wurde.

Ab und an begegneten sie patrouillierenden Wraithkriegern, doch wie auf ihrem alten Hive schenkte den Krashty niemand Beachtung. Der Weg schien nicht allzu weit, schon bald ffnete Crelon eine Tr und gab den Blick auf eine kleine Halle frei.
Etliche Augenpaare wandten sich ihnen zu, zuvor gefhrte Gesprche verstummten auf der Stelle.

Tische zogen sich durch den gesamten Raum, sowohl Wraithanbeter als auch Krashty saen dort, wenn auch streng voneinander getrennt. Ein Tisch stand lngs und etwas abseits der anderen, mit einem Blick wurde ihr klar, dass ihre Kleidung sehr wohl von Bedeutung war.
Abgesehen von Caytha trugen lediglich die wenigen Krashty schwarzes Leder, die an dem abseits gelegenen Tisch saen. Sie alle wirkten den Wraith sehr viel hnlicher, als die anderen Krashty, wie Crelon trugen die verbliebenen Halbwraith Stoffkleidung.
Caytha wurde zu einer Wraithanbeterin gefhrt, die wohl Shena sein musste. Shena tauschte einen dsteren Blick mit Crelon, ihre blauen Augen hnelten denen Caythas, wenngleich Shenas Augenfarbe weniger fahl war.
Ich hatte keine Hhere erwartet, geh und sprich mit Elrin.
Sogleich wandte Shena sich ab, beachtete Caytha nicht weiter, auch wenn die Halbwraith die bohrenden Blicke sprte, die ihr bis zu den anderen Krashty am Lngstisch folgten.

Lediglich drei Halbwraith saen dort, hefteten erwartungsvoll ihre Augen auf Caytha.
Wer von euch ist Elrin?, sie zwang ihrer Stimme einen festen, selbstsicheren Klang auf. Ich, ein mnnlicher Krashty zu ihrer Linken erhob sich. Grnlich schimmernde Haut, die zwei deutlichen Vertiefungen auf seinen Wangen und die weien Haare lieen keinerlei Zweifel an seiner Herkunft, einzig die runden Pupillen in den grnen Augen gaben Auskunft ber den menschlichen Anteil in ihm.
Das ist mein Bruder, Vantos, stelle er den Krashty neben sich vor, Vantos hnelte seinem Bruder sehr, und unsere Schnheit, Quara.
Quara warf Elrin einen bsen Blick zu, im Gegensatz zu seinen waren ihre Pupillen geschlitzt, auch schienen Elrins Worte ernst gemeint. Mit ihrem seidig weichem, blonden Haar und ihren dunklen, braunen Augen war Quara sehr hbsch - wenngleich Schnheit auf einem Hive nicht viel zhlte.

Caytha, stellte die Krashty sich knapp vor, lie sich auf den Stuhl neben Elrin fallen, als dieser ihr bedeutete Platz zu nehmen. Auch er setzte sich wieder.
Alle drei blickten sie neugierig an, vielleicht mit einer Spur Argwohn in ihren Augen, doch nach Crelons oder Shenas Verachtung suchte sie vergeblich.
Nun gut, auch auf die Gefahr hin, mich vollkommen und endgltig der Lcherlichkeit preiszugeben: Was hat es mit den Hheren auf sich?
Elrin, Vantos und Quara tauschten einen schnellen, verwirrten Blick, damit schienen sie nicht gerechnet zu haben.
Du hast bisher nicht unter anderen deiner Art gelebt?, fragte Quara vorsichtig, ihre Stimme besa ein wenig von dem Vielfachklang der Wraith. Caytha schttelte den Kopf.
Auf dem Hive, auf dem ich lebte, gab es keine anderen Krashty und weniger Menschen als hier, sie lie den Blick durch die Halle schweifen.

Unsere Knigin bietet ungewhnlich vielen Halbwraith Platz auf ihrem Schiff, sie sieht groes Potential in uns, Quaras Augen leuchteten frmlich, als sie ber die Knigin sprach, auch entging Caytha nicht, wie selbstverstndlich die andere Krashty unsere Knigin sagte.
Es gibt mehr Krashty, als man annehmen mag, und doch hneln wir uns zum Teil kaum. Im Wesentlichen wird nach einem, grundlegenden Merkmal unterschieden, auch Elrin und Vantos verfolgten des Gesprch mit Spannung, Quara drehte ihre rechte Handflche nach oben und gab die feine ffnung frei, mit der sich Wraith an Menschen nhrten.
Auch Caytha besa diese Veranlagung, schloss aus Quaras Worten: Die Fhigkeit, uns an Menschen zu nhren. Ihre Stimme zitterte ganz sacht, die andere Krashty sprach ber etwas, das Caytha bisher mit Furcht erfllte.
Allerdings, setzte nun Vantos das Gesprch fort, nur wenige Halbwraith verfgen darber, es macht uns den Wraith hnlicher und zugleich unabhngig, wir leben auch ohne ihr Geschenk des Lebens ewig. Nicht ganz zu Unrecht ruft diese Fhigkeit Neid und Missgunst der andere Krashty und gewhnlichen Wraithanbetern hervor und lsst uns zugleich in der Hierarchie steigen. Wir sind die Hheren, von den Wraith geschtzter, strker, gerissener, berlebensfhiger.

Gebannt lauschte Caytha diesen Worten, nie zuvor sprach sie mit einem anderen Krashty, hatte in ihrem Leben generell erst zwei Vertreter ihrer Rasse zu Gesicht bekommen.
Nicht zu vergessen: begehrter, warf Elrin ein, linste aus den Augenwinkeln zu Quara herber.
Still!, fauchte diese und fletschte die Zhne, woraufhin die beiden Brder auflachten. Caytha hob eine Augenbraue.
Es ist. kompliziert, leichte Rte kroch ber Quaras helle Haut, und Caytha, welche ahnte, worauf dieses Gesprch hinaus laufen wrde, winkte ab.
Lass nur, ber zwanzig Jahre lang lebte ich mit der Ansicht meiner Mutter, Wraith seien nicht ausschlielich kalt und grausam, sie schnaubte, wenngleich ihre Gedanken unweigerlich zu Corvin wanderten.

Zum zweiten Mal binnen weniger Minuten wurde sie von den drei Krashty angestarrt. Argwhnisch blickte Caytha Elrin, dann Quara und zum Schluss Vantos an.
Angesichts euer Mienen schliee ich, dass es nicht blich ist, seine Eltern zu kennen?
Vantos schttelte den Kopf, eine geringe Spur Neid lag in seinem Blick.
Elrin und ich wuchsen unter anderen Krashty auf, wir kennen unsere Mutter nicht und auch haben wir keinerlei Kenntnis ber unseren Vater. Quara hingegen wusste, wer ihre Mutter war, doch starb sie schon vor Jahrzehnten. Auch sie kennt ihren Vater nicht. Traurigkeit aus lngst vergangenen Tagen stieg in Quaras braune Augen, binnen weniger Momente beherrschte die Halbwraith sich wieder.

Caytha sprte eine pltzliche Dankbarkeit, obgleich sie auer Nial keine Freunde hatte, sich oft allein fhlte, war doch stets ihre Mutter Mia an ihrer Seite. Und von nun an womglich auch ihr Vater.
Meine Mutter war Leyhta des ersten Commanders, Caythas Zunge lste sich von allein, die drei Halbwraith begegneten ihr freundlich und unvoreingenommen, vielleicht mochte es tricht sein, ihnen von Beginn an derlei Privates zu erzhlen, doch sie konnte nicht anders, er verlie das Hive um der Knigin keinen Grund mehr zu geben, meine Mutter und mich zu tten. Die Knigin meines alten Hives schert sich nicht um Krashty, nun ja, es gab ohnehin nur mich dort.

Warum kamst du her, wenn doch deine Mutter noch am Leben und in Sicherheit war?, beinahe vorwurfsvoll begegnete Elrins Augen den ihren. Vantos strafte seinem Bruder mit einem mahnenden Blick, wandte sich dann erneut Caytha zu.
Einen Moment des Zgerns folgte, dann berichtete sie den drei Hheren, was im Laufe des Tages geschehen war.
Kaum endete ihre Schilderung, da neigten Elrin, Vantos und Quara ehrfurchtsvoll das Haupt.
Was soll das?!, zischte Caytha und sah sich rasch um, ob dieses lcherliche Verhalten von den anderen Anwesenden der Halle bemerkt wurde.
Als Tochter des zweiten Commanders stehst du weit ber uns. Wir mssen deinem Befehl folgen, tun, was auch immer du verlangst, Quaras Stimme nahm einen formellen, unterwrfigen Ton an.
Genug von derlei Bldsinn!, knurrte Caytha ungehalten, als sie sah, dass Quaras Worten noch weitere Treuebekundungen folgen sollten, ich will nichts davon hren, nehmt es von mir aus als den einzigen meiner Befehle!

Dem verschwrerischen Blick der drei entnahm die Krashty, dass in dieser Sache nicht das letzte Wort gesprochen war.

Und nun wre ich uerst dankbar fr etwas zu Essen.
Kapitel V: Das Wesen der Wraith by Trevelyia
Kapitel V: Das Wesen der Wraith

Nach Caythas Empfinden kam der nchste Morgen viel zu frh - konnte man auf einem Hive denn berhaupt von Tageszeiten sprechen. Meist orientierte sie sich nach ihrem Schlafverhalten, ging sie zu Bett, war es Abend, erwachte sie wieder, brach ein neuer Tag an.
Lange noch sa sie mit Quara, Elrin und Vantos zusammen, a von dem schlichten Eintopf, den ihnen eine ngstliche Wraithanbeterin an den Tisch brachte, sprach mit den drei Hheren ber Belanglosigkeiten, lachte und scherzte sogar mit ihnen. Caytha fhlte sich den Dreien zugehrig, wurde von den anderen Krashty im Gegenzug vllig akzeptiert. Nur Vantos nhrte sich einst an einem Menschen, wollte aber, als Caytha ihn danach fragte, nicht nher darauf eingehen, obgleich seine grnen Augen gefhrlich glitzerten bei der Erinnerung daran, voller Gier war er einem Wraith in jenen Moment sehr hnlich.
Sie erfuhr einiges ber die Knigin und das Hive, den ersten Commander, auf den es laut Quara, vor allem Shena abgesehen hatte, wollte die zierliche Wraithanbeterin doch uerst offenkundig seine Leyhta werden.

Jeglicher Frohmut verflog augenblicklich als es eben jener Commander war, der die Tr des Quartiers aufgleiten lie, Caytha war kaum zwei Minuten wach, hatte seine Prsenz nicht kommen gesprt.
Bese der Wraith Augenbrauen, eine zge er angesichts ihre Unachtsamkeit voller Verachtung hoch, zumindest erweckte der Ausdruck in seinen Augen diesen Anschein.
Auf, Krashty, du wirst einigen Tests unterzogen.
Mit wenigen Handgriffen bndigte sie ihr schwarzes Haar, richtete sich auf und erwiderte den Blick des Commanders mit aller Klte, die sie aufzubringen vermochte.

Zgigen Schrittes fhrte er sie in ein verlassenes Labor, groe Bildschirme zeigten ununterbrochen Diagramme, chemische Formeln, Beschreibungen, etliche Knpfe und Schalthebel bedeckten die dazugehrigen Konsolen, auch schien das Licht hier heller als im Rest des Hives.
Der Commander fixierte Caytha wie ein Raubtier seine Beute, dieses Mal wich die Krashty seinem Blick aus, nahm aus den Augenwinkeln dessen amsiertes, raubtierhnliches Grinsen wahr. Deutlich zeichneten sich die Adern unter seiner grnlichen Haut ab, wirkten schwarz im hellen Licht.

Worin besteht der Test?, es bedurfte all ihres Mutes, diese Worte zu sprechen, ihre Hnde zitterten leicht, rasch verschrnkte Caytha die Arme hinter dem Rcken, versuchte, aufrecht und stark zu wirken.
Eine Prfung deiner mentalen Krfte, erklang pltzlich die Stimme des Commanders hinter ihr, Caytha keuchte auf, zuckte instinktiv zurck und stie gegen des Krper des Wraith.
Wie habt Ihr das gemacht?, keuchte sie, ihr Puls raste, einen Lidschlag zuvor stand der Commander noch einige Schritte von ihr entfernt.
Es bedarf nicht viel, den Geist eines Krashty zu tuschen, sprach er sehr leise, klang beinahe sanft. Der Commander war ihr nun so nahe, dass Caytha ihn krperlich spren konnte, sein Atem streifte ihren Nacken, vor Angst weiteten sich ihre Augen, sie war nicht lnger Herrin ber ihren Krper, vermochte sich nicht aus eigenem Willen zu rhren. Ohne, dass die Krashty es bemerkte, die Chance hatte, sich dagegen zu wehren, drang der Wraith in ihren Geist ein, bernahm vllig die Kontrolle ber ihr Handeln.

Caytha sprte, wie sie sich umdrehte, hilflos ausgeliefert stand sie da, voller Panik, wagte es nicht, zu dem groen Wraith aufzublicken, nie zuvor war ihr etwas derartiges widerfahren. Lautlos hob der Wraith den Arm, schob seine Hand unter Caythas Kinn und zwang sie, ihm direkt in die Augen zu blicken. Abscheu und Verachtung waren stummer Konzentration gewichen, ein wilder, ungezhmter Ausdruck lag in seinem Blick. War es Gier?
Beinahe zrtlich strichen seine Fingerspitzen ber ihre Haut, seine Berhrung war kalt, vllig unvermittelt und fremd, die Halbwraith frchtete seine mentale Kontrolle jedoch mehr als jeglichen Kontakt auf krperlicher Ebene. Zumindest fr diesen einen, nicht enden wollenden Augenblick. Kaum fasste sie diesen Gedanken, da verschwand jegliche Angst aus ihrem Bewusstsein, ihr Atem beruhigte sich, ihr Blick wurde sanft, vllig gelassen.

Warum nur war sie derart verngstigt? Es gab nichts, vor dem es sich zu frchten galt, der Commander war nicht ihr Feind, im Gegenteil. Es war eine Ehre sondergleichen, seine Nhe zu genieen, ihm dienen zu drfen, war es nicht ihre Pflicht, ihm etwas von sich zu geben, als Gegenleistung? Es gab nur eines, einen Wraith wahrlich zu ehren, Caytha sank vor dem Commander auf die Knie, erschauderte nicht, als seine Hand sich auf die freie Stelle unterhalb ihres Halses legte. Furchtlos wartete sie, flehte beinahe darum, er mge sich von ihr nhren, verharrte still, in voller Ehrerbietung.

Ein, zwei Mal blinzelte die Krashty, dann kehrte die Kontrolle ber Krper und Bewusstsein mit einem Schlag zurck. Mit einem Schrei stolperte sie rckwrts, Panik brach einer gewaltigen Welle gleich ber sie herein, drohte sie zu ertrnken, in die Tiefe zu reien. Verstrt und am Rande des Wahnsinns kauerte Caytha an der Wand, rang mit aller Macht ihre Trnen nieder, betastete fahrig ihre Haut, die noch vllig unversehrt war.
Ihr!, brachte sie atemlos hervor, ihre Stimme war kaum mehr als ein heiseres Flehen, sie wollte den Wraith beschimpfen, ihn anschreien, ihn verfluchen, doch ihre Kehle war wie zugeschnrt.

Nachdenklich beobachtete der Commander die zitternde Krashty, berraschung zeichnete seinen wachsamen Blick. Deutlicher als zuvor lag nun Gier darin, beinahe schon Verlangen. Endlich fand Caytha ihre Stimme.
Warum habt Ihr das getan?, eine Trne rann ihr ber das Gesicht, noch immer kauerte sie am Boden, brachte nicht gengend Kraft auf, sich zu erheben.

Ich tat nichts, was deinen tiefsten Sehnschten widersprche.
Es bedurfte einiger Augenblicke, bis die Halbwraith den Sinn dieser Worte verstand. Fassungslos starrte sie zum ersten Commander auf, wie grausam konnte dieser Wraith sein?
Niemals, brachte sie unter Trnen hervor, niemals htte ich das gewollt! Wie knnt Ihr es wagen!, ihre Stimme brach, schluchzend vergrub sie ihr Gesicht in den Hnden, ein heftiges Zittern ergriff ihren Krper.
Diese Form mentaler Kontrolle greift tief in den Geist ein, bringt all die verborgenen Wnsche und Sehnschte zum Vorschein, seine Stimme nahm einen ruhigen, sachlichen Klang an, Schritt fr Schritt trat er nher.
Beispielsweise knnte ich dich niemals dazu bringen, dein Leben von eigener Hand zu beenden, oder dich zum Verrat an deiner Mutter zwingen.

Mittlerweile stand der erste Commander vor Caytha, anklagend starrte sie zu ihm auf, voller Unglauben, langsam kochte Wut in ihr hoch. Wie konnte er es wagen!
Dein Geist ist strker als erwartet, wenngleich dir das Ausma deiner mentalen Krfte nicht bewusst ist. Womglich bleibt dir als Krashty diese Kontrolle stets versagt, weitere Tests wrden sicher Aufschluss darber bringen.

Flehentlich erwiderte sie den Blick des Wraith, nie wieder wrde sich Caytha freiwillig der Gnade dieses Commanders ausliefern.
Wenigstens fr den Moment schien der Wraith nachzugeben.
Aber fr den Augenblick gengt mir, was ich erfahren habe, seine Augen glitzerten halb spttisch, halb amsiert, mehr und mehr nahm er seine alte, gewohnte Haltung an, nur so aus Neugier: Wer ist Nial?

Caytha grollte, verzweifelt und voller Wut zugleich, stemmte sich endlich vom Boden hoch, ihre Trnen versiegten, der erste Schock klang ab. Gehetzt starrte sie vom Commander zu dem Ausgang des Labors, von allein trugen ihre Beine sie der Tr entgegen, mehr und mehr beschleunigten sich ihre Schritte. Nicht einen Blick warf sie zurck, hastete davon, wollte nur weg, so weit und schnell sie ihre Fe zu tragen vermochten.
Gedanken kreisten unablssig in ihrem Kopf, berschlugen sich, sobald sie einen davon zu greifen versuchte, wirbelten umher, entwarfen Szenarien, fhrten das soeben Erlebte weiter. Mit seiner mentalen Kontrolle ffnete der Commander die Tr zu einem Winkel in Caythas Geist, entfesselte Vorstellungen, Wnsche und Trume, die zu dster waren, als dass die Halbwraith sich darauf einlassen konnte.

Ohne Ziel durchsteifte sie das Hive, ihr Krper schien nicht minder rastlos, wie ihr Geist kam er nicht zur Ruhe, frchtete sich vor der Klarheit, die mit dem Stillstand ber die Krashty brechen wrde.
Caytha?, Quaras Stimme drang wie durch dichte Nebelschwaden zu ihr, es bedurfte einiger Augenblicke, bis Caytha die andere Hhere deutlich umrissen vor sich sah.
Sogleich zeichnete Sorge den Blick in Quaras braunen Augen, sie musste einen beunruhigenden Anblick abgeben, die Augen verschleiert und seltsam abgewandt, den Blick in die Ferne gerichtet, nicht wissend, wohin ihre Fe sie trugen.

Caytha wusste ihre Empfindungen nicht in Worte zu kleiden, hilflos stand sie da, sprte, wie die Andre ganz sacht mentalen Kontakt suchte. Die Anwesenheit der Krashty in ihren Gedanken war nicht bedrohlich, kam in keiner Weise der Prsenz des Commanders gleich, war nicht forschend oder gar fordernd.
Vorsichtig erlaubte sie den Kontakt, bermittelte Quara nach und nach, was innerhalb des Labors geschehen war. Diese seufzte leise.
Dies ist nicht der rechte Ort, darber zu reden. Komm, und sie fhrte Caytha zu ihrem Quartier. Dort angekommen lie sie sich auf Caythas Bett sinken, auch die andere Krashty lie sich auf der Matratze nieder.

Es mag dir nicht einleuchtend sein, wo du doch nur unter Menschen und Wraith, nicht aber unter deinesgleichen aufwuchst, begann die Blonde, sprach mit Bedacht, wog jedes Wort sorgsam ab, als wolle sie Caytha nicht zustzlich beunruhigen, fr Elrin, Vantos, mich oder auch die anderen Krashty ist dieser Art mentaler Kontrolle nicht fremd, wir alle wurden ihr unterzogen, nur so kann auch der letzte Funken Zweifel an unseren Motiven beseitig werden.
Entsetzt starrte Caytha zu Quara auf.
Dann ist es dir hnlich ergangen?
Die hbsche Halbwraith nickte, schwelgte einen kurzen Augenblick in Erinnerung ehe sie fortfuhr.
Diese Begegnung war erschreckend, damals ngstigte sie mich mehr, als alles andere, ich wei, wie furchtbar es sein kann, keinerlei Kontrolle zu haben, ausgeliefert zu sein.
Fr Caythas Auffassung vermittelten diese Worte nur einen Bruchteil der Furcht, die sie durchlebte.
Tagelang drngten sich mir Bilder auf, Gedanken, die ich verleugnete, sie mir nicht eingestehen wollte, zu fremd, zu falsch erschienen sie mir, es fehlte nicht viel und ich wre endgltig dem Wahnsinn anheim gefallen. Aber irgendwann gelangte ich an einen Punkt, ein Augenblick der Klarheit, welcher mich vor die Wahl stellte. Entweder, ich akzeptierte derlei Vorstellungen, Wnsche, vielleicht auch Sehnschte, oder aber ich wrde ein fr alle Mal der Paranoia verfallen.

Noch immer wirbelten die Gedanken in Caythas Kopf wild durcheinander, erst nach etlichen Augenblicken wurde ihr bewusst, worauf die Worte der Anderen abzielten.
Du willst mir sagen, all das gehrt zu dem Anteil Wraith DNS, den ich in mir habe?, die Bilder in ihren Gedanken versetzten sie in Furcht und Abscheu, wie sollte sie sich ihnen stellen knnen? Doch so sehr die Halbwraith sich dieser Erkenntnis auch verwehrte, tief in ihrem Inneren erkannte ein Teil von ihr die Wahrheit in Quaras Aussage. Dieser Teil hatte nichts mit ihrem menschlichen Erbe gemein, seit sie an Bord dieses Hives war, erwachten ihre Wraithinstinkte mehr und mehr, brachten Gedanken, Ansichten und auch Wnsche mit sich, die ihr vllig fremd waren.

Ich habe also keine andere Wahl? Wenn ich den Anteil eines Wraith in mir verleugne, wird mich das irgendwann in den Wahnsinn treiben?
Langsam nickt Quara, musterte die jngere Krashty eingehend, schien gespannt, wie sie mit dieser Neuigkeit umgehen wrde.
Bitterkeit zeichnete Caythas nchste Worte.
Selbst, wenn ich derlei Einsicht bese, ich bin ziemlich sicher, dass es nicht mein innerster Wunsch ist, sich einen Wraith an mir nhren zu lassen.
Oh, warf Quara hastig ein, schien zu spren, wie sehr Caytha um ihre Fassung rang, nur, weil es das ist, was du unter der mentalen Kontrolle zulieest, muss dies nicht bedeuten, dass du dich nach eben jenem Szenario sehnst. Sieh es als Variante deiner innersten Wnsche.

Nun schnaubte die Krashty, Spott glomm in ihren blauen Augen.
Dann sehne ich mich also nach der Nhe der Wraith, ganz gleich in welcher Form?
Quara zuckte die Schultern, antwortete so beilufig, als sprchen die beiden Frauen ber nichts weiter als die Planung ihrer nchsten Mahlzeit,
Ja. Es ergibt keinen Sinn, sich davor zu struben, du hast zu viel eines Wraith in dir, deine genetische Herkunft zu verleugnen wre so, als wrdest du beschlieen, keine Luft mehr atmen zu wollen.

Das ist eines der Dinge, von denen ich mir wnschte, sie nicht erst am eigenen Leib erfahren zu mssen, murmelte sie und fuhr sich erschpft durch die schwarzen Haare, empfinden alle Krashty diesen Drang gleich stark?
Nein, ich wei nicht sonderlich viel darber, aber meiner Kenntnis nach spren nur wir Hheren diesen Drang derartig ausgeprgt.
Mit einem vagen Lcheln auf den Lippen erhob Quara sich, schritt zur Tr herber.
Oh, eins noch, Caytha warf ihr einen dstren Blick zu, den die andere Halbwraith mit einem Grinsen erwiderte, sei nicht allzu berrascht wenn du von seltsamen Trumen heimgesucht wirst, zumindest eine Weile lang.
Caytha wusste wirklich nicht, was an dieser Vorstellung derartig belustigend sein sollte.
Kapitel VI: Hierarchien by Trevelyia
Kapitel VI: Hierarchien

Quaras Worte entsprachen der Wahrheit, in den darauf folgenden Nchten schreckte Caytha mehr als einmal aus Trumen auf, deren Bilder noch Stunden in ihrem Kopf verweilten.
Jede Nacht kehrte sie im Traum in das Labor zurck, allerdings variierte die mentale Kontrolle von Nacht zu Nacht. Doch am Ende erwachte die Krashty stets mit rasendem Puls und zwiespltigen Gefhlen. Sie gab sich alle Mhe, Quaras Ratschlag zu beherzigen, sich ihren Gedanken nicht zu verwehren, doch zu oft streckte die Angst ihre Klauen nach ihr aus. Wenngleich Caytha das Gefhl berkam, mit jedem Mal weniger verngstigt aufzuwachen.

Am Tage verfluchte sie die nchtlichen Strungen, bentigte all ihre Wachsamkeit und durfte sich nicht ablenken lassen. Corvin suchte am vierten Tag nach Caythas Ankunft ihr Quartier auf, musterte sie eine Weile lang mit Argwohn in den grnen Augen, er schien spren zu knnen, dass etwas in seiner Tochter sich vernderte.
Dennoch gab er keinen Kommentar dazu ab, sprach mit ruhiger, neutraler Stimme.
Die Knigin schickt mich um dein Training zu berwachen. Ab heute wirst du tglich im Nahkampf unterrichtet, eine Schulung deiner Fhigkeiten ist dringend erforderlich, willst du der Knigin angemessen dienen knnen.

Mit einem Schlag hellwach richtete die Krashty sich auf, hatte es satt, unttig herum zu sitzen. Quara, Elrin und Vantos glnzten meist nur durch Abwesenheit, von den anderen Halbwraith und Wraithanbetern wollte niemand etwas mit ihr zu tun haben, Langeweile war ein stetiger Begleiter geworden.
Bitte folge mir.
Noch immer erschien es Caytha seltsam, derart hflich angesprochen zu werden, Hflichkeit war keine Eigenschaft, mit der sie einen Wraith beschrieben htte. Corvin fhrte sie durch das Hive, als zweiter Commander genoss er beinahe uneingeschrnktes Ansehen, Soldaten, Wissenschaftler, niedere Commander, sie alle wandten den Blick gen Boden, sobald Corvin in Sichtweite kam. Auch Caytha sprte die Blicke der Wraith erst dann, wenn ihr Vater um eine Ecke gebogen oder durch eine Tr geschritten war.

Am Ziel ihres Weges offenbarte sich ein groer, leerer Raum, nun, er war nicht vllig leer, in der Mitte erhob sich ein Podest gen Decke, ragte hher auf als die Krashty selbst es war.
Einer der zahlreichen bungsareale, erklrte Corvin, bettigte einen unscheinbaren Schalter an der Wand und augenblicklich lag der Raum in grellem Licht da. Geblendet bedeckte Caytha mit der Hand ihre Augen, verglichen mit dem blichen, gedmpften Licht des Hives glich dieses den Strahlen einer gleienden Sonne. Es dauerte eine Weile, bis ihre Augen sich an diese neue Helligkeit gewhnten.

Wie viel Erfahrung besitzt du im Kampf?
Die Stimme des Wraith zog ihre Aufmerksamkeit auf sich, Corvins Anwesenheit war wesentliche angenehmer als die, aller anderen Wraith, denen die Krashty bisher begegnet war, sie fhlte sich weder bedroht, noch eingeschchtert, war nicht nervs.
Nicht allzu viel. Einer der Menschen unterrichtete mich ein wenig, allerdings wohl kaum ausreichend. Nial zeigte ihr die ein oder andere Technik, doch er war kein Gegner fr sie, als Krashty war sie strker, gewandter, ahnte jede seiner Bewegungen voraus.
Nun gut, dann also von Beginn an.

Zwei Stunden spter sank Caytha keuchend auf den Boden des Trainingsraumes, Schwei lief ihr in Strmen ber den gesamten Krper, Arme und Beine schmerzten furchtbar und das, obwohl Corvin sie nicht einmal frontal angriff. Der Wraith stand nicht die Spur erhitzt neben ihr, blickte nachdenklich auf sie hinab.
Das war, begann er, aber Caytha erkannte den seltsamen Klang seiner Stimme, winkte ab.
Gib dir keinerlei Mhe, ich wei selbst, wie miserabel meine Leistung war.
Dem ist nichts hinzuzufgen, etwas beleidigt war sie angesichts dieser Worte dennoch, tgliches Training ist unabdingbar. Vorerst wirst du nicht aktiv an den Auftrgen der anderen Hheren teilnehmen, du wrdest sie nur aufhalten und unntig in Gefahr bringen.
Sie grollte leise, wusste aber, dass Corvin erneut Recht hatte, erwiderte nichts.
Wieder bedachte der zweite Commander sie mit einem nachdenklichen Blick, dann bot er ihr seine Hand dar, zgerlich griff sie danach. Kraftvoll und ohne die Spur einer Anstrengung zog der Wraith sie auf die Beine, nie zuvor lie die Krashty die Berhrung eines Wraith derart freiwillig zu, wich dem Blick ihres Vaters jedoch aus.
Wir setzten diese Einheit morgen fort.

~**~

Den Hheren standen eigene Baderume zur Verfgung, mussten sie nicht mit den gewhnlichen Krashty oder Wraithanbetern teilen. So nutzen also lediglich Elrin, Quara und Vantos ein gerumiges Badezimmer, welches von nun auch von Caytha verwendet wurde.
Dunkle Fragmente aus einem khlen, glatten Material bedeckten Boden und Wnde, einzelne Vorrichtungen an der Decke spendeten auf Knopfdruck angenehm warmes Wasser und selbst eine riesige, tief in den Boden eingelassene Badewanne gab es.
Jegliches Schamgefhl war den drei anderen Hheren fremd, Caytha hingegen wuchs unter Menschen auf, zgerte, ehe sie ihre Kleidung ablegte.
Elrin, Vantos und Quara achteten nicht sonderlich auf sie, routiniert entledigten sie sich ihrer gesamten Kleidung, stellten sich unter die Brausekpfe und schalteten das Wasser ein. Vantos schien eine besondere Vorliebe fr die dunkle Wanne zu hegen, ein ums andere Mal zog der das Bad einer Dusche vor.
Caythas Augen huschten verstohlen ber die Krper der anderen Krashty, sie alle wiesen etliche, helle Narben auf, ihre eigene Haut schien dagegen makellos, nie war sie so schwer verletzt gewesen, dass eine Spur davon auf ihrem Krper verblieben wre.

Nach ihrem Training mit Corvin war das Bad verlassen, zum ersten Mal lie auch Caytha sich heies Wasser in das riesige Becken ein, glitt vorsichtig in die Wanne. Nie zuvor hatte sie etwas derartig entspannendes erlebt, vllig zufrieden lehnte sie sich zurck, genoss die wenigen, friedvollen Augenblicke.

Der nchste Tag begann mit Schmerzen. Smtliche Muskeln protestierten ob der gestrigen Anstrengung, sthnend qulte die Krashty sich aus ihrem Bett, jede noch so kleine Bewegung rief neue Schmerzen hervor. Minuten verstrichen, ehe sie vollstndig angekleidet war, Wraithanbeter mussten ihre Kleidung reinigen, ein Luxus, an den Caytha sich rasch gewhnte.

Wieder sprte sie Corvins Anwesenheit, ehe der Wraith in ihr Quartier trat, im Gegensatz zu ihrem letzten Treffen dominierte ein harter, verschlossener Ausdruck seine Zge, argwhnisch musterte sie ihren Vater.
Irgendetwas vernderte sich seit gestern, sie runzelte die Stirn, wusste nicht, was es war. Corvin hingegen schien ihr von sich aus keinerlei Auskunft erteilen zu wollen, raschen Schrittes schlug er den Weg zur bungshalle ein. Kein Wort sprach er zu seiner Tochter, hielt den Blick nach vorn gerichtet, seine Miene noch immer verschlossen. War diese Abneigung ihrem Verhalten geschuldet? Wohl kaum, Caytha war sich nicht bewusst, etwas zu tun, was die Missgunst Corvins auf sich ziehen konnte.

Dann, etliche Schritte von der Tr zum Trainingsraum entfernt, wusste sie, weshalb ihr Vater derartig verstimmt war. Deutlich sprte sie die Prsenz des ersten Commanders, schon seit ihrer Ankunft wusste sie, dass der erste und zweite Commander einander abgrundtief hassten.

Ihre eigenen Gefhle bezglich des ersten Commanders waren von verworrenerer, zwiespltigerer Natur. Noch immer erschauderte die Schwarzhaarige beim Gedanken an ihr letztes Zusammentreffen, seiner Anwesenheit in ihrem Geist, der ausgebten, mentalen Kontrolle. Obgleich die Furcht nicht vllig verschwand, war es ihr zugleich, als erkenne ein kleiner Teil ihres Selbst die Macht des Commanders an, bewunderte ihn gar ob seiner Fhigkeiten. Eindeutig einer jener Gedanken, die am Rande ihres Bewusstseins, stets verborgen von dem Wraithanteil der Krashty genhrt wurden. Eingebungen, die Caytha sich selbst nicht eingestehen wollte, zu pervers schien ihr deren Ausrichtung.
Mit aller Kraft verwehrte sich jedes bisschen ihrer menschlichen Seite derlei Gedanken, war allerdings nicht stark genug, dem Wraith in ihr unterlegen.

Caytha?, Corvins sprach so leise, es war kaum noch etwas des Vielfachklangs in seiner Stimme verblieben, eindringlich streifte sein Blick die Augen seiner Tochter, schien erneut ihre Zerrissenheit zu spren.
Es bleibt dir keine Wahl, seine Miene wurde einen Moment lang sanft, nun lag Bedauern darin, verzeih, wenn ich seine Anwesenheit nicht verhindern kann.
Die Krashty holte tief Luft, straffte die Schultern und gab sich jede Mhe, Unsicherheit und Nervositt von ihrem Gesicht zu tilgen.

Reglos wurden sie vom ersten Commander empfangen, seine Augen blitzten gefhrlich und wurden schmal, Abscheu zeichnete seinen Blick. Corvin tat sein Bestes, derlei stumme Provokation ungeachtet zu lassen, obgleich sein Kiefer sich verspannte, stur wandte er sich Caytha zu. Auch mit grter Anstrengung gelang es Caytha nicht, das Verhalten ihres Vaters zu imitieren, ein Blick des ersten Commanders gengte, brachte ihre Selbstbeherrschung zum Einsturz, nur einen Sekundenbruchteil huschten ihre Augen zu dem Wraith herber, ihre Blicke trafen sich. Der Commander zeigte ihr gegenber weniger Hass und Abscheu, zweifelsohne bargen seine Augen noch etlichen Spott, obgleich auch unverhohlene Neugier aus seiner Mines sprach. Zweifelsohne wusste er, wie zwiespltig Caytha auf ihr letztes Treffen reagierte, wie mehr und mehr Gedanken in ihr aufkamen, mit denen die Krashty nicht umzugehen wusste.

Ein warnendes Grollen seitens Corvin riss Caytha in die Realitt zurck, nahm, noch immer abgelenkt, eine der Verteidigungspositionen ein, die sie whrend ihres ersten Trainings erlernte. Grade setzte Corvin sich in Bewegung, wollte den ersten, noch schwachen Angriff ausfhren, die Krashty zum Ausweichen zwingen, als die Stimme des ersten Commanders ihn unterbrach.
Wartet.

Augenblicklich erstarrte Corvin, sein Krper verspannte sich, ganz langsam wandte er den Kopf, sein Atem ging schwer, es kostete ihn viel Kraft, seine Wut zu zgeln.
Was gibt es, Commander?, zischte er, Klte lag auf jeder Silbe, sein Hass zeichnete lediglich ein Grinsen auf die Zge des anderen Wraith.

Mir scheint, als sei Euer Training nicht wirkungsvoll genug, welchen Effekt hat es, Milde walten zu lassen? Kein Feind wird ihr gegenber je zgerlich sein, sich zurckhalten. Auf Wunsch der Knigin fhre ich nun diese bungsstunden.

Es war, als griffe eine kalte Hand nach Caythas Herzen, sie keuchte leise auf.

Corvin hingegen lachte kalt und freudlos.
Der erste Commander schert sich um die Belange einfacher Krashty? Die Knigin drfte dem wohl kaum zugestimmt haben!
Das Grinsen des ersten Commanders wurde noch gehssiger, mit flieenden, raubtierhaften Bewegungen kam er nher.
Zweifelsohne ist sie keine gewhnliche Krashty, whrend dieser Worte streifte sein Blick den Caythas, ihr Herz raste nun, wieder kam ihr der unpassende Gedanke, wie elegant die Bewegung des Wraith waren, mit welcher Mhelosigkeit er sich bewegte. Wtend und berrascht zugleich schttelte sie den Kopf, als knne sie [so] derlei ungewohnte, erschreckende Gedanken auf diese Art vertreiben.
Zum einen ist sie Eure Tochter, Corvin schob sich vor Caytha, wollte sie mit seinem Krper abschirmen, doch der andere Wraith schlich im Kreis um sie herum, verweilte einige Augenblicke neben der Halbwraith, zum anderen scheint sie mir gegenber nicht abgeneigt, sein Grinsen wurde, sollte dies berhaupt mglich sein, noch klter, zugleich flackerte einen Wimpernschlag lang Gier in seinem Blick.

Schwerlich zu entscheiden, wen diese Worte hrter trafen, Caytha drehte den Kopf zur Seite, schloss die Augen, wollte den Anblick des ersten Commanders nicht lnger ertragen, wenngleich ihr nichtmenschlicher Teil zusehends danach verlangte.
Corvin schien sich kaum noch beherrschen zu knnen, seine Kieferknochen knackten, einzig sein untergeordneter Rang hielt ihn noch von einem Angriff ab.

Tretet zurck, Commander, der Wraith verlieh dem letzten Wort den Klang einer Beleidigung, sah mit Befriedigung, wie Corvin seinem Befehl nachkam, nachkommen musste. Caytha warf ihrem Vater einen hilflosen Blick zu, wusste, dass ihr nicht geholfen wre, wrde er sich dem direkten Befehl widersetzen.
Mit Absicht wartete der erste Commander, bis Corvin zur Wand zurckgewichen war, fixierte nun die Schwarzhaarige in voller Konzentration.

Stocksteif stand sie da, noch immer hob und senkte ihr Brustkorb sich in rasendem Tempo, sprte, wie die Prsenz des Wraith zu ihrem Geist vordrang. Einen panischen, endlosen Augenblick lang glaubte sie, er wolle erneut mentale Kontrolle ausben, seine Mundwinkel zuckten amsiert, als ihm diese Regung nicht verborgen blieb. Doch er triezte sie nur ein wenig, sah mit Vergngen, wie sehr seine mentale, aber auch krperliche Anwesenheit sie aus der Fassung brachte.
Sein Angriff erfolgte im Bruchteil einer Sekunde.
Kapitel VII: Hierarchien II by Trevelyia
Kapitel VII: Hierarchien II

Caytha fand sich auf den Knien wieder, ehe sie auch nur die Chance erhielt, dem Angriff auszuweichen. Mit spielerischer Leichtigkeit ging der Commander zum zweiten Angriff ber, die Krashty stand kaum wieder auf den Beinen, als ein scharfer Schmerz durch ihre Schulter jagte, ohne groen Kraftaufwand drehte der Wraith ihren Arm zurck, wimmernd blieb ihr keine Wahl, als erneut vor ihm auf die Knie zu sinken.

Diese Spiel gefiel dem ersten Commander zu gut, wlfisch grinsend wanderten seine Augen zu Corvin herber. Dies war keine Lektion fr Caytha, ihr Vater war es, den der Wraith zu demtigen beabsichtigte, hilflos sollte er mit ansehen, wie seine Tochter Mal um Mal die berlegenheit des Commanders anerkennen musste. Wie weit wrde er derlei Vorfhrung treiben?
Noch immer befand ihr Arm sich in der eisernen Umklammerung, Cathy sthnte vor Schmerzen auf, sie keuchte. Augenblicklich lste der Wraith seinen Griff ein wenig. Diese Vernderung war von Corvins Platz nicht zu sehen, der zweite Commander merkte nicht, dass der andere Wraith der Krashty offenbar keine ernsthaften Verletzungen zufgen wollte.

Caytha erlaubte sich einen Moment der Erleichterung, mochte ihr der Commander noch so berlegen sein, zumindest qulte er sie nicht unntig.
Pltzlich entrang sich seiner Kehle ein Knurren, drohend und dumpf, die Krashty hob den Blick. Corvins Beherrschung war dahin, blitzschnell strmte er auf sie zu, die Augen voller Hass, nur wenige Handbreit entfernt bremste er ab, grollte nicht minder drohend.
Zurck auf Euren Platz, Commander!
Lasst sie gehen!, zischte Corvin, sein Blick stand dem des ersten Commanders an Klte und Abscheu um nichts nach, Stellt Euch mir, wenn ich es bin, gegen den Euer Zorn sich richtet!

Im ersten Moment schien es, also wrde lediglich ein kaltes, grausames Lcheln ber die schmalen Lippen des ersten Commanders gleiten, doch seine nchsten Worte waren kalt und verachtend.
Fr derlei Respektlosigkeit sollte ich Euch auf der Stelle tten, seine Hand, die trotz des gelockerten Griffes noch immer Caythas Arm umschloss, bebte, auch seine Geduld und Selbstbeherrschung waren nicht unendlich.
Nein!, die Krashty sprach das Wort, ehe sie ihre Zunge im Zaum halten konnte, beide Wraith wandten ihr den Blick zu.
Bitte, sprach sie weiter zu ihrem Vater, nun, da sie nicht zu schweigen gewusst hatte, bitte geh. Ich berstehe es allein.
Stummes Flehen traf auf Unverstndnis, Corvins Wut wich nicht aus seinen Augen und dennoch tat er einen Schritt zurck.
Der erste Commander lachte rau auf.
Ihr seid eine Schande fr die Wraith, lasst Euch von einer Krashty herumkommandieren!
Wieder wollte er den anderen Commander provozieren, doch dieses Mal ging Corvin nicht darauf ein, wrdigte ihn keines weiteren Blickes und strmte aus der Halle.

Caytha atmete hrbar aus, wusste, dass sie ihren Vater enttuscht hatte, er ihre Einmischung mit Zorn strafen doch wrde, doch all das schien besser, als ihn sich der kalten Wut des ersten Commanders zu stellen zu lassen. ber zwanzig Jahre lebte sie ohne ihn, wollte ihn nicht schon nach nur einer Woche erneut verlieren.

uerst loyal, der erste Commander trat einen Schritt zurck, musterte die Krashty mit seltsam hellen Augen, fr den Moment war jeglicher Hass von seinen Zgen gewichen, obgleich sein Gesicht bei den nchsten Worten einen warnenden Ausdruck annahm, vergiss nicht, wem deine Ergebenheit gelten sollte.

Spielte er auf sich oder die Knigin des Hives an? Und war es Eifersucht, die eine Sekunde lang in seinem Blick dominierte?
Endlich erhob die Schwarzhaarige sich vom Boden, zwang sich innerlich zur Ruhe.

Du stellst dich mir also allein?, der merkwrdige Ausdruck war aus dem Blick des Wraith verschwunden und beinahe glaubte die Krashty, sich ihn nur eingebildet zu haben. Wieder schien ihre Angst ihn zu belustigen, wenngleich dieses Gefhl sie nicht mehr zur Gnze erfllte.
Wie gelangst du zu der Einsicht, in meiner Anwesenheit vollkommen sicher zu sein?
Caytha reckte das Kinn, zwang sich, seinen Augen zu begegnen, die noch immer auf bei ihr verharrten, ihr Blick nun intensiv, fordernd.
Niemals wrde ich mir einbilden, in Eurer Nhe vollkommen sicher zu sein, gab sie als Antwort, schaffte es, ihre ruhige Miene zu wahren, wenngleich brennende Hitze ber ihre weie Haut kroch, dennoch hilft mir das Wissen, von Euch zumindest nicht den Tod oder unntige Qualen zu erwarten.

Der erste Commander lachte kurz auf, schien wahrlich amsiert, mit Corvin verschwand auch ein groer Teil seiner Verachtung.
Wre es Euer Wunsch mich zu tten, ich wrde mich schon lngst nicht mehr unter den Lebenden befinden, fuhr Caytha fort, ihr Gesicht glhte nun, eine Regung, die sie ihrem Wraitherbe zuschrieb, und auch meine Folter scheint mir gegen den Befehl der Knigin, mich ihrer Herrschaft zu unterstellen. Welche Verschwendung, meine Absichten zu prfen, nur, um mich dann den Vorlieben des ersten Commanders auszuliefern.

Wieder kam der groe Wraith seiner Gewohnheit nach, in kleinen Kreisen um sie herum zu schleichen, hielt bei diesen Worten inne, verweilte schrg hinter ihr, sodass Caytha ihn zwar spren und hren, nicht aber sehen konnte.
Sprich nicht ber Dinge, die sich deinem Verstndnis entziehen, nicht der Hauch einer Drohung schwang diesen Worten bei, mehr klang seine Stimme samtweich, auf ganz andere Art gefhrlich. Ganz sacht wandte sie ihren Kopf, brannte darauf, den Ausdruck in den Augen des Commanders zu sehen, doch das seltsame Gefhl, welches sie bei vernderten Klang seiner Stimme berkam, erstarb sogleich.

Auf, Krashty, diese bung ist noch nicht beendet.

~**~

Ihre erste Trainingseinheit mit Corvin war lachthaft verglichen mit den Anforderungen des ersten Commanders, am Ende war Caytha ziemlich berzeugt, lediglich auf allen Vieren in ihr Quartier kriechen zu knnen. In dem Wraith fand sie keinen geduldigen Lehrmeister, Fehler wurden sogleich bestraft und doch trieb er sie zwar an jede erdenklich Grenze ihrer krperlichen Belastbarkeit, ab und an auch einen Schritt weiter, zwang sie allerdings nicht darber hinweg.

Schon morgen wrde die Halbwraith ihm erneut gegenbertreten mssen, allein bei dem Gedanken schmerzte jede Faser ihres Krpers. Auch das herrlich warme Wasser der Badwanne vermochte ihre Pein kaum zu lindern, mit leidendem Gesichtsausdruck lag sie da, rhrte keinen Finger.
Die stndige Anwesenheit der Wraith, vor allem aber die des ersten Commanders weckte ein dumpfes Verlangen, dem sie nachzugeben sich nicht gestattete. Ihre Loyalitt dieser Rasse gegenber war nicht geheuchelt, allein um ihres Vaters Willen wrde Caytha alle Befehle der Knigin nach bestem Gewissen ausfhren. Der erste Commander hingegen.
Quaras Stimme riss sie aus ihren Gedanken, die Krashty war lautlos in das Badzimmer getreten, sprach Caytha nun an.

Deine ersten bungseinheiten sind also von Erfolg gekrnt, wenn ich aus den Schmerzen auf deinem Gesicht richtig schliee?
Heftig zuckte die Blonde zurck, schlug hart mit dem Kopf gegen die steinerne Wanne und schluckte zu allem berfluss auch noch reichlich Wasser.
Heftig prustend und mit pochendem Schdel tauchte sie wieder auf, starrte anklagend zu Quara auf.
Schleich dich verdammt noch mal nicht so an!, fauchte sie, der Schreck sa ihr noch tief in den ohnehin schmerzenden Gliedern.

Es tut mir leid, noch immer grinste die Hhere, begann, ihre Kleidung abzustreifen.
Tut es dir gar nicht, murmelte Caytha und befhlte vorsichtig die eierfrmige Beule an ihrem Hinterkopf.
Da knntest du Recht haben.

Vllig unbekleidet trat Quara unter einen der riesigen Duschkpfe, Sekunden darauf prasselte das Wasser ber ihren Krper. An ihrem Hals und auch den Schulterblttern zeichneten sich rot Vertiefungen ab, die Caytha sehr an Bissspuren erinnerten, auch zahlreiche, noch nicht verheilte Kratzer zogen sich ber ihren gesamten Kper.
Die Krashty wandte sich erneut der Schwarzhaarigen zu, etwas beschmt senkte Caytha den Blick auf ihre Hnde, fhlte sich ertappt.

Wie ist es fr dich, von deinem Vater unterrichtet zu werden?, sie musste ihre Stimme etwas anstrengen, um das laute Prasseln und Platschen des Wassers zu bertnen.
Caytha griff nach einem zuvor bereit gelegten Handtuch, kletterte mit Umsicht aus dem langsam erkaltenden Wasser.
Rasch wickelte sie den Stoff um ihren Krper.
Von nun an wird der erste Commander meine Ausbildung bernehmen.
Diese Antwort zeichnete blanke berraschung auf Quaras hbsche Gesichtszge, ganz so, als wolle sie den Worten der Anderen nicht recht glauben.
Wie kam es dazu?

Als sie ans Ende ihrer Schilderung des Tages gelang, stellte auch Quara das Wasser ab und griff sich ein Handtuch, bedachte die andere Halbwraith mit etlichen, nachdenklichen Blicken.
In seiner Nhe fhle ich mich stets anders, es ist, als wre ich nicht ich selbst, als steuere jemand anders meine Empfindungen, gestand Caytha pltzlich, wrang mit ihren Hnden das tropfend nasse, schwarze Haar aus.

Quara reagierte gelassen.
Qule dich nicht allzu sehr mit Gedanken darber, es gehrt zu dem Prozess, denn alle Krashty irgendwann durchmachen. Bisher hast du die Wraith nie als Rasse anerkannt, der nicht nur mit Abneigung zu begegnen ist, deine Verwirrung ist nicht verwunderlich.
Aber eine derart krperliche Reaktion?, sie zog eine Augenbraue hoch, es war fast, als habe er erneut die Kontrolle ber meinen Geist, dster schweifte ihr Blick in dem ansonst verlassenen Raum umher, konzentrierte sich anschlieend wieder auf Quara.
Es macht mir Angst, Quara, ich will mich nicht eines Tages auf Knien vor einem Wraith wieder finden, nicht seine Hand spren, die jeglichen Lebensfunken aus mir saugt.

Nun lag ein Fnkchen Spott in den Augen der Blonden.
Sei bitte nicht albern. Nur ein schwerwiegendes Vergehen wrde das Nhern als Strafe fr eine Hhere rechtfertigen. Du magst Angst haben, doch bitte glaube mir, derlei hast du nicht zu erwarten, nicht einmal vom ersten Commander.
So? Was ist es dann, das ich zu erwarten habe?

Das, meine Liebe, wirst du selbst herausfinden, wenn es an der Zeit ist, ein Grinsen umspielte Quaras volle Lippen, ihre Augen blitzen amsiert, Caytha schnaubte missbilligend.
Du bist eindeutig zu lange in Gesellschaft der Wraith, um ihren gepeinigten Krper zu schonen legte sie ihre Kleidung mit besonderer Umsicht an.
Dankeschn, erwiderte Quara, deutete gespielt eine tiefe Verbeugung an.
Das war nicht als Kompliment gedacht!, auch Caytha schaffte es nun nicht lnger, das Grinsen auf ihren Zgen zu verbergen.
Quara kicherte.

~**~

Zusammen mit Elrin und Vantos nahmen sie ihr Abendessen ein, die Brder grinsten wissend, als Caytha sich mit uerster Vorsicht auf einen Platz niederlie.
Ich will nichts hren!, knurrte sie, was ihr lediglich ein noch breiteres Grinsen einbrachte.

Schtze dich glcklich, nach einem Training mit dem ersten Commander berhaupt noch im Stande zu sein, einen Fu vor den anderen zu setzen, stichelte Quara und zog einen Teller zu sich heran.
Elrin blickte auf und auch Vantos hielt bei der Erwhnung des ersten Commanders inne. Halb argwhnisch, halb ehrfurchtsvoll begegneten sich ihre Blicke.
Wenn ihr nun erneut anfangt, euch vor mir zu verbeugen, reie ich euch den Kopf ab!
Tz, als ob du dazu noch in der Lage wrst, spottete Quara weiter, doch ihr Blick nahm einen mitleidigen Ausdruck an, schob auch Caytha einen Teller zu.

Dennoch, das Interesse des ersten Commanders dir gegenber lsst einiges vermuten, abwarten, wrde ich meinen, Vantos sprach beilufig, seine Augen waren bereits auf die Schsseln mit Fleisch und Gemse gerichtet, welche von zwei nicht sonderlich glcklich wirkenden Wraithanbetern herbei getragen wurden.
Quara zischte warnend, ruckte mit dem Kopf zu Caytha herber und schttelte diesen ganz leicht. Elrin stie seinem Bruder schmerzhaft den Ellenbogen in die Rippen und die Krashty beschloss, keine Fragen zu stellen. Ohnehin entwickelten sich ihre Gedanken in eine recht bengstigende Richtung.
Ihr fielen die Biss- und Kratzwunden auf Quaras Haut ein, bedeutete dies, was sie vermutete?
Sie musste schlucken, zum zweiten Mal an diesem Tag stieg ihr Rte in die Wangen. uerst dankbar ob der gebotenen Ablenkung machte sie sich mit mehr Enthusiasmus als gewhnlich ber das Essen her.
Kapitel VIII: Aufträge by Trevelyia
Kapitel VIII: Auftrge

Stunden vergingen, wurden zu Tagen, wurden zu Wochen und bald lebte Caytha den gewohnten Rhythmus einer Hheren, zusammen mit Elrin, Vantos und Quara. Vor allem Letztere war es, die ihr ein Gefhl von Heimat vermittelte, sicher, auch Nial war ihr ein Freund, doch er war ein Mensch. Quara hingegen verstand Dinge, bei denen Nials Augen sich mit Abscheu gefllt und sein Mund sich lediglich zu einer dnnen, spttischen Linie verzogen htte.

Corvin war nachtragender, als Caytha verstand, suchte nicht lnger ihr Quartier auf und blickte stets durch sie hindurch, wenn der zweite Commander eine Begegnung nicht zu verhindern wusste. Derlei Verhalten ihres Vaters verletzte die Krashty, auch in ihr wuchs der Zorn, Corvin gab ihr ja nicht einmal die Chance zu einem klrenden Gesprch! Ihren ersten und einzigen Versuch schmetterte er mit wenigen Worten ab.

Du weit, weshalb ich dich fortschicken musste?, begann Caytha sogleich, wissend, dass der Wraith ihr nicht viele Worte gestatten wrde.
Der gutmtige, beinahe sanfte Ausdruck, mit dem Corvin seine Tochter gewhnlich anblickte, war vllig aus den grnen Augen des Wraith verschwunden.
Um im Ansehen des ersten Commanders zu steigen?, knurrte er, klang verletzt und eine Spur beleidigt. Innerlich rief Caytha sich zur Ruhe, sprte bereits, wie ihr Widerwillen entflammte, weiterer Zorn wrde ihr nicht helfen.
Das war keinesfalls mein Ziel. Was brchte ein offener Konflikt zwischen dir und dem ersten Commander?, sie schnaubte, wusste, dass ihr Verhalten die Situation entschrfte, wusste aber auch, dass Corvins Stolz dies nicht so schnell anerkennen wrde.
Vielleicht war es vorschnell von mir, nicht allzu enttuscht von dir zu sein.
Caytha starrte den Wraith an, all ihre Mhe schien vergeblich, Corvin wollte sich nicht besnftigen lassen.
Schn!, fauchte sie, vielleicht wre es besser gewesen, auf meinem alten Hive zu bleiben, dann wre dir derlei Enttuschung erspart geblieben!
Ehe der Wraith die Chance bekam, sie ohne weitere Worte stehen zu lassen, rauschte die Krashty davon, wollte ihm diesen Triumph nicht gnnen. Ihr Verhalten war kindisch, dessen war Caytha sich bewusst, aber auch sie war nicht ohne Stolz, sprte gleichermaen Enttuschung in sich aufkommen. Was hatte sie von einem Wraith denn auch erwartet?


Irgendwann wrde sie Corvin um Verzeihung bitten.

Ihr tgliches Training sthlte ihren Krper, mehr jedoch ihren Geist. Die stndige Anwesenheit des ersten Commanders ertrug sie mittlerweile leichter, zuckte nicht lnger unter jeder seiner Berhrungen zusammen, wenngleich Caytha seinem Blick noch immer auswich. Seine Launen reichten von amsierter Neugier bis hin zu dumpfer, schlecht verborgener Wut, der erste Commander schien bisweilen zufrieden mit ihr, nur um Tags darauf deutlich zu machen, wie sehr die Krashty seine wertvolle Zeit verschwendete. Jene bungsstunden waren es auch, die ihr mental mehr zusetzten, in Wut und Zorn vernachlssigte der Wraith seine eigene, mentale Beherrschung, war rcksichtsloser, forschender. Mal um Mal drang er in Caythas Verstand ein, zwar brach sie angesichts seiner Prsenz nicht lnger in Panik aus, wehrte sich jedoch mit aller Macht. Nicht, dass sie gegen ihn ankommen knnte.
Krperliche Strapazen berwand die Krashty leichter, Verletzungen heilten schneller und vor allem ihre Instinkte schienen geschrft.

Genug, der Wraith sprach das Wort schlicht und ohne den verachtenden Unterton, der seinen Worten so manches Mal nach dem Ende eines Trainings bei schwang. Caytha war erschpft, aber nicht vllig am Ende, noch waren ihre Krfte nicht auf dem Leistungsniveau von Quara, Vantos oder Elrin, dennoch war eine deutliche Steigerung ihrer Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit nicht zu bersehen.
Fr gewhnlich verlie der Commander die Trainingshalle binnen weniger Augenblicke, an jenem Tag verharrte er still, die grnen Augen nachdenklich auf die Krashty geheftet. Caytha ahnte, noch nicht entlassen zu sein, blieb ebenfalls, konzentrierte sich auf ihre Atmung, um nicht ihre volle Aufmerksamkeit auf den Wraith richten zu mssen. Noch immer waren ihre fremd anmutenden Trume und Gedanken nicht verschwunden, im Gegenteil, mehr und mehr verlor sie ihre Angst, zu gleichen Teilen wuchs eine unterschwellige, nie gekannte Sehnsucht.

Mir scheint es an der Zeit, deine Fhigkeiten unter realen Bedingungen zu prfen, dein Training auszuweiten, erffnete der Wraith unvermittelt. Erstaunt hob Caytha den Blick, Aufregung berkam sie, die zum ersten Mal nichts mit dem ersten Commander gemein hatte. Zwei Lufer befinden sich gegenwrtig auf einem uns nahen Planeten. Dein Auftrag wird es sein, beide zur Strecke zu bringen, der Wraith machte eine Pause, studierte eingehend jegliche Reaktion seitens der Krashty. Caytha hingegen zwang sich mit all ihrer verfgbaren Kontrolle zu uerer Ruhe, wollte den Commander nicht an ihrem Erstaunen teilhabenlassen. War es nicht ein wenig verfrht, gleich zwei Lufer als ihr Ziel zu setzen?
Offenbar verrgert ob ihrer gelungenen Selbstbeherrschung fuhr er ein wenig schroffer fort, etwas Dunkles zog sich ber seine Miene, ganz so, als wolle er eine Reaktion der Krashty provozieren.
Es fehlt dir an Erfahrung, um derlei Aufgabe allein bewltigen zu knnen, dein Scheitern wre leicht zu prophezeien, nun grinste er leicht und Caythas Augenbrauen zogen sich verrgert zusammen.
Vantos und Elrin werden dich begleiten.
Erleichtert atmete die Krashty auf.

Fr wann ist der Start der Mission angesetzt?, wissend, von zwei uerst fhigen Halbwraith begleitetet zu werden, kam ihr diese Frage leicht von den Lippen, offen blickte sie den Commander an.
Morgen. Halte dich bereit, ich werde nach dir schicken lassen.
Rasch neigte Caytha den Kopf, wollte die restliche Zeit so gut wie mglich nutzen und Vantos und Elrin ber smtliche Details ausfragen. Zweifelsohne war es leichter, den beiden Hheren die Antworten zu entlocken als sich damit abzumhen, dem Commander ihre Fragen zu stellen.
Fast war sie an der Tr, als die vom Vielfachklang geprgte Stimme des Wraith sie innehalten lie.
Krashty? Enttusche mich nicht.
Wrde ich niemals wagen, Commander, entgegnete sie eine Spur zu selbstsicher, hrte das leise Grollen des Wraiths, eilte zur Tr hinaus und lie ihm somit keine Gelegenheit fr eine Erwiderung. Auf mentaler Ebene sprte sie deutlich, wie sehr er derlei Verhalten missbilligte, zugleich wirkte er auf eine, der Krashty vllig unverstndlichen Weise, belustigt.

Vantos und Elrin warteten vor ihrem Quartier, beide schienen voller Vorfreude, ihre sich so hnlichen Augen blitzen bermtig, sie schienen nicht still stehen zu knnen.
Gebt mir eine Weile, ich dusche rasch und ziehe mich um, Caytha eilte sich.

~**~

Vielleicht solltest du dich ein wenig ausruhen nach all dem Training?, Vantos sa ihre gegenber auf seinem Bett, er teilte sich ein greres Quartier mit seinem Bruder. Elrin ging unruhig im Zimmer auf und ab, sphte immer und immer wieder zur Tr hinber.
Ich fnde ohnehin keine Ruhe, antwortete die Halbwraith, sie war zu aufgeregt, um auch nur einen Gedanken an ein Nickerchen zu verschwenden.
Was genau wird von uns erwartet? Wisst ihr etwas ber den Planeten, auf den sie uns schicken werden? Wie viele Lufer habt ihr bisher gejagt? Wie sieht eure, unsere Strategie aus? Wie lange werden wir auf dem Planeten bleiben?

Vantos blickte belustigt drein, berlies es allerdings seinem Bruder, sich ihrer Neugier zu stellen. Elrin seufzte, machte sich daran, ihre Fragen zu beantworten.

Lufer zu jagen gilt als gute bung, allerdings werden wir nicht bis ins kleinste Detail darauf vorbereitet, mehr dient es dazu, unsere Instinkte zu schrfen, wir sollen lernen, auf sie zu vertrauen.
Mehr auf den Wraith in uns hren, anstelle dem Denken des menschlichen Teils zu folgen?, fragte Caytha, lauschte dem anderen Hheren aufmerksam.
Genau. Da dies dein erster Fremdwelteinsatz ist, werden wir sicherlich nicht auf einen sehr lebensfeindlichen Planeten geschickt, genaueres sehen wir aber erst, wenn wir dort sind. Zu dritt sollte es uns nicht allzu schwer fallen, zwei Lufer zur Strecke zu bringen. Vantos und ich haben zusammen bereits etliche Lufer aufgesprt, jeden gezhlt habe ich aber nicht.
Dreizehn, warf Vantos ein und grinste.
Dreizehn, korrigierte Elrin sich und schttelte angesichts dieser Aussage den Kopf, warf seinem Bruder einen schrgen Blick zu, bisweilen begleitete Quara uns, nie jedoch einer der anderen Krashty.

Warum begleitet Quara uns dann morgen nicht?, Caytha blickte von Elrin zu Vantos.
Erlins Grinsen war eine Spur zu breit.
Narvesh scheint momentan leicht ablenkbar, auf seinen Wunsch hin bleibt unsere Freundin an Bord des Hives.
Caytha blickte verwirrt drein.
Wer ist Narvesh?
Das, meine Liebe, warf Vantos ein, solltest du sie am Besten selbst fragen.
Einen Augenblick brannte Caytha eine weitere Frage zu diesem Thema auf der Zunge, dann jedoch lenkte sie das Gesprch in eine etwas andere Richtung.
Der erste Commander akzeptiert derlei Wnsche niederer Wissenschaftler?
Nun kicherte Elrin sogar.
Narvesh ist einer der obersten Wissenschaftler, aber ich wei, was dir daran merkwrdig erscheint, fuhr er rasch fort da Caytha misstrauisch die Brauen zusammenzog, mit Sicherheit schickt er uns nur mit, weil es zwei Lufer sind. Einen allein wrdest du wahrscheinlich ohne Hilfe stellen mssen.
Die Gesichtszge der Krashty verhrteten sich.
Also zweifelt er an meinen Fhigkeiten.
Oder aber er sorgt sich um dich, murmelte Elrin, wurde nun sowohl von Caytha, als auch von seinem Bruder unglubig angestarrt. War nur ein Gedanke, seine Stimme verlor sich, verstohlen behielt er Caytha im Blick.

Was ist mit dem Planeten?, rasch verdrngte Caytha jegliche Gedanken an den ersten Commander aus ihrem Kopf.
Vantos zuckte die Schultern.
Genaueres wissen wir erst, wenn wir dort sind, der Halbwraith erhob sich von ihrem Bett.
Schlaf eine Weile, wir gehen schon nicht ohne dich, er zwinkerte ihr zu.
Und bezglich unserer Strategie, Elrin folgte seinem Bruder aus der Tr, wir haben keine. Aufspren und kalt stellen.

Das waren nicht unbedingt die Informationen, die Caytha sich erhofft hatte, auerdem, seit wann lag ihr denn so viel daran, die Erwartungen eines Wraith zu erfllen? Zwar kmmerte es die Krashty, was ihr Vater ber sie dachte, doch derlei Empfindung erschien ihr begrndet, immerhin war er es, wegen dem sie ihr altes Hive, ihre Mutter und Nial, zurcklie.

Was, wenn sie vllig versagen wrde? Es nicht wert war, eine Hhere genannt zu werden? Ihr drehte es den Magen um bei diesem Gedanken, ihr war bewusst, wie mit ihr verfahren wrde, sollte sie in den Augen der Knigin als nutzlos gelten.
Egal, was Quara gesagt hatte, als Zwischenmahlzeit zu gelten versetzte Caytha noch immer in Angst. Angestrengt konzentrierte sie ihre Gedanken auf die vor ihr liegende Aufgabe, noch hatte sie die Chance, ihr Ntzlichkeit und vor allem ihr Knnen zu beweisen.

~**~

Der nchste Morgen kam und Caytha war bereits seit Stunden wach, als sich die Tr zu ihrem Quartier ffnete.
Sofort verbarg die Krashty ihre berraschung, Shena wurde geschickt um sie zu begleiten. Die vollen Lippen in Hass zu einer dnnen, weien Linie gepresst, die Augen voller Verachtung und Neid stand die Wraithanbeterin da, starrte verachtend zu Caytha hinauf. Die Krashty hingegen begegnete der Frau mit kaltem Hochmut, wrde der Anderen nicht die Genugtuung bereiten und sie sehen lassen, wie sehr sie ihr Verhalten rgerte.

Aufregung berkam sie, schon bald wrde sie zum ersten Mal den Fu auf einen fremden Planeten setzten, abgesehen von einem kurzen Besuch auf einer von Wraith beherrschten Welt hatte die Krashty ihr Hive bisher nie verlassen. Den Blick auf Shenas Hinterkopf gerichtet fragte sie sich, was sie wohl erwarten wrde.
Kapitel IX: Fremde Welten by Trevelyia
Kapitel IX: Fremde Welten

Ein Kreuzer wrde sie zu dem Planeten bringen, es war ein kleines Schiff, glich mehr einem Dart. Vor der geffneten Hauptluke stand wartend der erste Commander, auch Elrin und Vantos waren vor Caytha eingetroffen.
Darts landeten und starteten um sie herum, ununterbrochen zerriss ihr Surren die Luft.
Shena verneigte sich tief vor dem Wraith, die Krashty sprte die Aufregung der Frau, Shenas Verlangen nach Anerkennung war beinahe greifbar. Caytha selbst neigte lediglich den Kopf, verfiel nicht in derlei unterwrfiges Gebaren wie die Wraithanbeterin es tat.

Du darfst gehen, wies der erste Commander Shena an, mit gerteten Wangen, einer weiteren, tiefen Verbeugung, aber auch einem hasserfllten Blick auf Caytha wandte die Wraithanbeterin sich ab, eilte mit nervsen Schritten von dannen.

Ihr kennt euer Ziel, sprach der Wraith sogleich zu den Hheren, sein Blick streifte Elrin und Vantos nur kurz, verweilte bei der Schwarzhaarigen, bringt die zwei Lufer zur Strecke, es bleibt euch berlassen, wie ihr mit ihnen verfahrt.
Bei jenen Worten schimmerte Erregung in Vantos Blick, sie erinnerte sich daran, dass der Krashty sich bereits an einem Menschen nhrte. War dies die unterschwellige Botschaft in den Worten des Commanders? Sollten sie sich an ihren Opfern nhren, hatten sie diese erst einmal gestellt? Ein kalter Schauder kroch ber Caythas Haut, dieser Gedanke war nach wie vor uerst abstoend.

Der Kreuzer wird euch auf dem Planeten absetzen und nach einem Tag zurckkehren, gelingt es euch innerhalb dieser Zeit nicht eure Beute zu fangen, gilt euer Auftrag als gescheitert.
Ein mulmiges Gefhl breitete sich von Caythas Magengegend aus, ihre Zunge lste sich, ehe sie die Worte aufhalten konnte.
Was wre unsere Strafe, sollten wir scheitern?
Bilder ihrer nchtlichen Trume tauchten vor ihrem inneren Auge auf, wieder sah sie sich auf den Knien vor einem Wraith, seine Hand fest auf ihre Haut gepresst.
Wlfisch grinsend fixierte der erste Commander die Schwarzhaarige, vor Elrin und Vantos wollte Caytha keinesfalls schwach wirken, hielt den Blick des Wraith mit eiserner Entschlossenheit. Wieder wankte ihre Willenskraft binnen eines Wimpernschlages, tief bohrten sich die grnen Augen des Wraith in ihre blauen, auch mental sprte die Krashty nun seine Anwesenheit.
Verschwende keinen Gedanken daran, oder soll ich deine Frage als Zweifel am Erfolg der Mission werten?, Klte schwang diesen Worten bei, augenblicklich straffte Caytha die Schultern.
Nein, Commander, verzeiht meine Frage.

Noch immer lie der erste Commander sie nicht aus den Augen, die Krashty hielt jedoch ihren Blick gesenkt, wollte ihn nicht unntig reizen.
Geht, befahl der Wraith, kehrt nach erfolgreich ausgefhrtem Auftrag zu mir zurck. Alle drei Hheren verneigten sich und betraten den Kreuzer.

Mir scheint, du hngst nicht sonderlich an deinem Leben?, fragte Elrin sobald die Luke sich hinter den Krashty schloss, sein Blick war ernst, Sorge lag auf seinen Zgen.
Caytha seufzte.
Doch, gab sie als Antwort, wusste selbst nicht, was ihr derlei Worte entlockte, die deutlich von Widerwillen gezeichnet waren.
Dann hte dich den ersten Commander zu provozieren, erwiderte Elrin, klang nun kalt und weniger besorgt, dein Verhalten wirft kein sonderlich gutes Licht auf uns Hhere. Zum ersten Mal meinte Caytha Verachtung und Wut in der Stimme des Weihaarigen erkennen zu knnen, stirnrunzelnd blickte sie ihn von der Seite her an. Doch Elrin schien kein weiteres Wort mit ihr wechseln zu wollen, stellte sich demonstrativ weit von ihr weg und verschrnkte die Arme. Ein sachtes Ruckeln durchlief das Schiff, als der Kreuzer abhob, der vordere Teil war durch eine Tr abgeschirmt, so dass sie die Wraith, die sie zum Planeten flogen, nicht sehen konnten.

Keine wirklich aufmunternden Worte, grummelte Caytha mehr zu sich als zu Vantos, welcher mit misstrauischer Miene zu seinem Bruder herber sphte.
Vergib ihm, er ist ein wenig angespannt angesichts unserer Mission, der Krashty schenkte ihr ein freundliches Lcheln, in freudiger Erwartung blitzen seine Augen hell auf, Elrin missfllt der Gedanke, uns an Menschen nhren zu knnen. Es verwundert mich ein wenig, dass der Commander uns derlei Mglichkeit lsst, seine Gedanken schienen in weite Ferne zu schweifen, ein hungriger Ausdruck kroch ber sein Gesicht, geistesabwesend fuhr er mit den Fingern ber den feinen Riss in seiner Handflche.

Nervs musterte Caytha ihr Gegenber, beim letzten Mal wollte der Krashty nichts ber das Nhren an Menschen preisgeben, nach ihrem kleinen Zusammensto mit Elrin wollte sie nicht auch noch Vantos verstimmen und wandte sich ab.

An der dunkel schimmernden Wand stand eine schlichte Truhe aus matt schwarzem Stein, zumindest nahm Caytha an, dass es sich um Stein handelte, als sie jedoch den Deckel anhob, lie er sich mhelos ffnen, war sehr leicht.
Waffen und Ausrstung fr uns, erklrte Vantos, kniete sich neben Caytha und griff in die Truhe. Er hielt ihr einen Stunner der handlicheren Sorte entgegen, ein schlankes Messer mit gezackter Klinge und eine Flasche, offenbar gefllt mit Wasser.
Dies war alles, was den Krashty mit auf den Weg gegeben wurde.

An Bord des Hives ist uns das Tragen von Waffen verboten, abgesehen von den bungsstunden, wir wissen also vorher nicht, wie genau sich unsere Ausrstung zusammensetzt.
Vantos befestigte sein Messer, Stunner und seine Flasche an seinem Grtel, Caytha tat es ihm gleich. Widerwillig gesellte sich auch Elrin zu den beiden anderen Krashty, um sich auszursten.
Stur blickte Caytha an ihm vorbei, sie wrde nicht als Erste klein bei geben, es war nicht ihr Verhalten, welches unangemessen und kindisch war. Zumindest nicht dieses Mal.

~**~

Geblendet hielt Caytha sich die Hand vor Augen, das grelle, leicht bluliche Licht von gleich fnf Sonnen brannte durch die Luke des Kreuzers auf sie hinab. Roter Sand knirschte unter ihren schweren, schwarzen Stiefeln, als sie vorsichtig ihre ersten Schritte auf der Oberflche des fremden Planeten machte, eine Windbe zerrte an ihren Haaren, rtlicher Staub wirbelte in der Luft.
Nicht allzu lebensfeindlicher Planet, was?, sie zog eine Augenbraue hoch und blickte seitlich zu Vantos. Dieser zuckte nur mit den Schultern.
Immerhin ist die Luft frei von Gasen, auerdem sieh, dort drben, ich schtze, der Wald sollte uns ein wenig Schutz vor Wind und Sonne bieten.
Noch immer gegen das helle Licht anblinzelnd folgte Caytha dem Blick des anderen Krashty, ersphte in einiger Entfernung einen dichten Palmenwald. Riesig ragten weie Stmme hoch in den Himmel, von ihrem Standpunkt aus wirkten die langen, breiten Bltter der Bume rtlich, doch es konnte ebenso gut der rote Sand sein, welcher sich unnachgiebig ber den gesamten Dschungel gelegt hatte.

Elrin stapfte wortlos an ihnen vorbei, qulte sich als erster durch die rote Wste, rasch folgten sie ihm, wollten keinesfalls den Anschluss verlieren.
Gibt es ein Stargate auf diesem Planeten?, sie musste beinahe brllen, um das Pfeifen des Windes zu bertnen, wieder wirbelte roter Staub auf, sie hustete und wischte sich einige Sandkrner vom Mund. Das hier war nicht gerader ihre Idealvorstellung von einem Planeten. Vantos schritt dicht neben ihr, wartete die nchste Be ab, ehe er antwortete.
Schtze nicht, Planeten, auf denen wir Lufer zu bungszwecken jagen, verfgen meist ber kein Gate, was unsere Chancen auf Erfolg steigert, so mssen wir nicht von Planet zu Planet jagen - das kommt erst spter, ist allerdings sehr mhsam. Er grinste, als er den erleichterten Ausdruck auf Caythas Gesicht sah.
Eine Weile schritten sie schweigend hinter Elrin her, der Weihaarige gab ein zgiges Tempo vor und mit groen Schritten nherten sie sich dem Dschungel.

Hr mal, begann Vantos dann und sie ahnte bereits, dass seine nchsten Worte ihr nicht sonderlich zusagen wrden, auch wenn Elrin sich bisweilen wie ein hirnloser Dorftrottel auffhrt, er hat Recht, was den ersten Commander betrifft. Ihn zu reizen kann Konsequenzen nach sich ziehen, von denen du lieber nichts wissen wrdest, seine Miene verfinsterte sich.
Im ersten Moment musste Caytha ihren Zorn niederringen, sie wusste selbst, dass ihr Verhalten nicht das klgste war und es bedurfte niemanden sie wieder und wieder auf ihre Fehler hinzuweisen. So gelang es ihr nicht, jegliche Wut aus ihrer Stimme zu verbergen, wenngleich sie zumindest gezwungen ruhig klang.
Ich provoziere ihn nicht mit Absicht, es geschieht einfach. Irgendetwas an ihm lsst mich sprechen und handeln, ehe ich darber nachdenken kann. Und dass Corvin mich meidet, ist nicht wirklich hilfreich, frustriert trat sie gegen einen leinen Sandhgel auf ihrem Weg, roter Sand wirbelte auf und lie die beiden Krashty husten.
Verzeih, wrgte Caytha hervor und war erleichtert, als sie bald zwischen den weien Stmmen der Palmen Zuflucht vor dem Sand und der unnachgiebig brennenden Sonne fanden.

Zumindest wrde es den Lufern sicherlich nicht besser ergehen als ihnen, auch sie mussten, wenn sie auch nur etwas an ihrem Leben hingen, Schutz zwischen den Palmen gesucht haben. Vom Boden aus war zu erkennen, dass die Bltter der Bume eigentlich von dunkelblauer Farbe waren, der Boden zu ihren Fen war berzogen von gelben Farnen, violettem Moos und gelb-grn gefleckten, knorrigen Struchern.
Achte auf jede Kleinigkeit, Vantos senkte seine Stimme und blickte wachsam umher, jeder noch so unscheinbar abgeknickte Zweig kann ein Hinweis sein, jede Pflanze, die dir seltsam erscheint, einfach alles.
Gehorsam studierte auch Caytha aufmerksam ihre Umgebung, mit einem Schlag berkam sie Aufregung und Vorfreude, der Reiz des Unbekannten.

Elrin bewegte sich lautlos zwischen den Bumen, seine schwarze Kleidung hob sich deutlich zwischen den weien Stmmen ab, die Lufer wrden sie so mit Leichtigkeit zwischen den Palmen ausmachen knnen. Doch die Wipfel eben jener Bume ragten weit ber ihren Kpfen auf, selbst wenn es einem der Lufer gelungen sein sollte, an ihnen hinauf geklettert zu sein, so bot diese Pflanzengattung kein gutes Versteck. Nein, zweifelsohne gab es tiefer im Dschungel besser Orte sich zu verbergen.

Wir teilen uns auf, murmelte Vantos aus dem Mundwinkel zu ihr herber, entfernte sich rasch, ehe Caytha wirklich protestieren konnte.

Wir knnen mental in Kontakt bleiben.

Sie zuckte zusammen, als pltzlich Vantos Stimme in ihrem Kopf erklang, nie zuvor nutzte sie diese Art der Kommunikation. Zugleich schalt Caytha sich ihre mentale Barriere nur allzu schnell fallen gelassen zu haben. Nur, weil sie nun nicht lnger an Bord eines Wraithschiffes war, hie dies nicht, mental keine Gefahr mehr frchten zu mssen.

Funktioniert das auch, wenn wir keinen Sichtkontakt mehr haben?

Nicht vllig unbegrenzt, aber vorerst sollte es ausreichen.

Sie nickte, dann fiel ihr ein, dass der Krashty sie ja nicht sehen konnte und erwiderte rasch:

In Ordnung, ich melde mich, wenn ich einen Hinweis auf den Verbleib der Lufer finde.

Sollte sie denn einen Hinweis auf den Verbleib der Lufer finden, eigentlich war sie davon ausgegangen, sich gar nicht oder zumindest nicht so rasch von Elrin und Vantos trennen zu mssen. Was, wenn sie versagen wrde? Es fiel Caytha nicht sonderlich schwer, Vantos Aussage bezglich unliebsamer Konsequenzen einer Bestrafung seitens des ersten Commanders mit lebhaften Bildern zu illustrieren. Besser, sie fnden die beiden Lufer binnen der gesetzten Zeit.

Wachsam achtete die Krashty auf ihre Umgebung, setzte jeden Schritt mit Bedacht, bewegte sich lautlos, wenngleich ihr dies einiges an Konzentration abverlangte. Es kam ihr in den Sinn, dass genau dies der Zweck der bung war, anscheinend schien der erste Commander der Ansicht, so lerne sie am effektivsten. Was durchaus auch der Fall sein konnte, doch niemals wrde Caytha dem Wraith ffentlich Recht geben, wenn es sich vermeiden lie. Er schlich ohnehin schon zu bestndig in ihren Gedanken umher. Zumindest Elrin und Vantos bekamen von ihrer inneren Zerrissenheit nichts mit, anderen Krashty gegenber wusste Caytha ihren Geist wirksam abzuschirmen - wenn sie denn daran dachte und nicht beim ersten Anzeichen der Vorfreude auf einen unbekannten Planeten sofort smtliche Schutzmanahmen fallen lie.

Ein leises Knacken drang an ihre Ohren, im ersten Augenblick schenkte die Schwarzhaarige diesem Gerusch keine weitere Bedeutung, doch dann besann sie sich, ein weiteres Knacken ertnte, sie wirbelte auf dem Absatz herum, drehte sich in die Richtung des Gerusches. Der Lauf einer fremdartig wirkenden Waffe war nur wenige Handbreit von ihrem Gesicht entfernt, aus grimmigen, gelben Augen sphte eine muskulse Frau zu Caytha herber, kalte Entschlossenheit lag in ihrem Blick, berraschung gesellte sich hinzu, als der Blick der Fremden ber die Krashty glitt.
Eine Sekunde lang starrten sich beide an, dann krmmte die Fremde ihren Finger um den Abzug der Waffe. Im selben Augenblick sprang Caytha vor, duckte sich seitlich unter dem Arm der Frau hinweg und rammte ihre Faust in den Magen ihrer Gegnerin.
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