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Der Preis der Prinzipien

von Emony

Oneshot

McKay starrte ungläubig auf Elizabeth Weirs Hinterkopf. Hatte er sich eben verhört? Das konnte sie unmöglich ernst meinen. Sie war bereit, Kolyas Spiel mitzuspielen, Johns Leben auf dem Altar ihrer diplomatischen Prinzipien zu opfern, nur um keine Schwäche zu zeigen? In diesem Moment spürte Rodney eine so brennende, hilflose Wut in sich aufsteigen, dass er die Beherrschung zu verlieren drohte. Wie um alles in der Welt konnte sie so kalt kalkulieren? Der gefangene Genii war ein politisches Pfand, ja. Aber John Sheppard war ihr militärischer Kommandant. Er war ihr Freund.

Und er war Rodneys Ein und Alles.

Seit Elizabeth vor einigen Monaten eher zufällig von ihrer Beziehung erfahren hatte, war eine subtile Distanz zwischen ihnen gewachsen. Nicht aus Homophobie oder Missgunst – Elizabeth war zu professionell dafür –, sondern aus der stillen Sorge heraus, dass diese Verbindung die Kette der Befehlsgewalt auf Atlantis gefährden könnte. Rodney hatte diese skeptischen Blicke im Kontrollraum weggewischt. Zu tief saß noch das Gefühl des Unglaubens, das ihn an jenem Abend im Gemeinschaftsraum überkommen hatte, als John ihm – anfangs verpackt in einen seiner typischen, sarkastischen Sprüche – gestanden hatte, was er empfand. Erst nach quälenden Sekunden des Schweigens, gefolgt von einem Blick, der so intensiv gewesen war, dass Rodney der Atem stockte, hatte er begriffen: Das war kein Scherz. Es war real.

Jeder Moment der Intimität seither war ein Privileg gewesen, das Rodney wie einen Schatz hütete. Bis heute. Bis zu dem Tag, an dem die Realität des Pegasus-Torraums sie einholte und Elizabeth eine Entscheidung traf, die Johns Todesurteil bedeutete.

Früher hätte sie um ihn gekämpft. Sie hätte jede Grauzone ausgenutzt, um den Austausch durchzuführen und Kolya zu geben, was er verlangte. Sie hätte es für John getan, für das Team, das mit ihm stand und fiel.

Diesmal jedoch blieb sie starr. Sie verweigerte den Gefangenenaustausch, obgleich die Videoübertragung unmissverständlich zeigte, dass John die energetischen Angriffe des Wraith-Gefangenen nicht überleben würde. Rodney fühlte, wie sich eine eisige Hand um sein Herz schloss und es langsam zudrückte. Mit hämmerndem Puls und zitternden Knien hatte er mitansehen müssen, wie der Wraith sich vor John aufbaute, die Hand auf dessen Brust legte und ihm die Lebensenergie aussaugte. Johns unterdrücktes, qualvolles Aufkeuchen hallte in Rodneys Ohren wider, ein schreckliches Echo, das nicht verstummen wollte, selbst als Kolya die Übertragung abbrach.

Drei Stunden. Drei Stunden gab Kolya ihnen, bevor der Wraith sich erneut an John nähren würde.

Elizabeth rührte sich nicht. Ihr Gesicht war eine steinerne Maske, doch Rodney sah das leichte Zittern ihrer Kiefermuskulatur. Sie litt, aber sie lenkte nicht ein.

„Ich muss Sie sprechen, Elizabeth. Sofort. Unter vier Augen“, verlangte Rodney. Seine Stimme war leiser als sonst, fast ein raues Flehen, getrieben von nackter Panik.

Sie drehte sich langsam zu ihm um. In ihren Augen lag kein Hass, sondern eine erschöpfte, unerbittliche Kälte. Die Kälte einer Anführerin, die sich bereits mit den Toten abgefunden hat. „Es gibt nichts zu besprechen, Dr. McKay.“

„Sie begehen einen fatalen Fehler“, stieß er hervor, während er versuchte, den Tränen der Verzweiflung Herr zu werden. „Wir reden hier von John Sheppard. Bitte, Elizabeth. Sie können ihn nicht da draußen sterben lassen.“

Dass sie ihn mit Titel und Nachnamen ansprach, zog eine klare Grenze. „Ich treffe hier die Entscheidungen, Rodney. Und ich kann und werde auf derartige Erpressungsversuche von Terroristen nicht eingehen. Für niemanden.“

„Es ist also eine Frage der Statistik für Sie?“, zischte er, und die Wut übernahm wieder das Steuer. Er ballte die Hände in den Taschen seiner Jacke zu Fäusten, um sein Zittern zu verbergen. „Wenn Sie Kolya jetzt nachgeben, setzen Sie ein Zeichen, ich weiß. Aber wenn Sie es nicht tun, ist John tot. Was ist mit Ronon? Was, wenn er Teyla hätte? Würden Sie sie auch opfern?“

Elizabeth atmete langsam aus, und für einen kurzen Moment bröckelte ihre Fassade. Ein tiefer Schmerz lag in ihrem Blick, bevor sie sich wieder fing. „Ja. Ich würde dieselbe Entscheidung treffen. Sie denken, das ist etwas Persönliches, Rodney, aber das ist es nicht. Ich trage die Verantwortung für die Sicherheit von Atlantis. Wenn Kolya merkt, dass wir erpressbar sind, wird jeder Außenposten, jedes Team da draußen zur Zielscheibe. Ich wäre eine schlechte Leiterin dieser Expedition, wenn ich die Zukunft aller für das Leben eines Einzelnen aufs Spiel setzte.“

Rodney wollte sie hassen für diese Logik. Er wollte an eine persönliche Fehde glauben, an eifersüchtige Motive, an irgendetwas, das greifbarer und leichter zu bekämpfen war als diese verdammte, eiskalte Vernunft. Aber als er in ihr blasses, angespanntes Gesicht sah, begriff er die schreckliche Wahrheit: Sie meinte es genau so. Sie opferte John nicht aus Bosheit, sondern aus Pflichtgefühl.

Und genau das machte es so absolut hoffnungslos.

„Ich werde das nicht akzeptieren“, sagte Rodney, und seine Stimme war nun vollkommen ruhig, kalt und entschlossen. „Wenn Sie den Austausch blockieren, werde ich das IOA kontaktieren. Ich werde Ihre Suspendierung wegen Inkompetenz und unterlassener Hilfeleistung fordern. Ich werde diese Expedition lahmlegen, Elizabeth.“

Weir verschränkte die Arme vor der Brust, die Augen verengt. „Damit kommen Sie nicht durch, Rodney. Das wissen Sie.“

„Wollen Sie es darauf ankommen lassen? Während Johns Uhr abläuft?“ Er wich ihrem Blick nicht aus. In diesem Moment war ihm die Bürokratie der Erde völlig egal. Seine Karriere, sein Status auf Atlantis – alles bedeutungslos, wenn John nicht zurückkehrte.

Ein langer, quälender Moment des Schweigens dehnte sich zwischen ihnen aus. Das Surren der Konsolen im Kontrollraum schien lauter zu werden. Schließlich blinzelte Elizabeth, und die harte Haltung ihrer Schultern lockerte sich ein wenig. Sie sah ihn an – nicht als Vorgesetzte, sondern als die Frau, die wusste, was dieser Mann ihr bedeutete.

„Ich stimme dem Austausch nach wie vor nicht zu, Rodney“, sagte sie leise, aber mit einem neuen Ton in der Stimme. „Aber… ich gebe Ihnen einen Jumper. Und ich gebe Ihnen Ronon und Teyla. Wir verhandeln nicht mit Kolya. Aber wir holen Colonel Sheppard zurück. Finden Sie ihn.“

Ein heftiger Schwall von Erleichterung durchflutete Rodney, auch wenn sein Herz immer noch wie verrückt schlug. Er nickte nur knapp. Worte waren jetzt Verschwendung.

Er würde Ronon und Teyla brauchen. Er würde jede Sensor-Phalanx der Stadt modifizieren müssen, um Johns Signal in diesem gottverlassenen Sektor zu tracken. Er würde keine Sekunde schlafen. Die Liebe zu John war keine Schwachstelle in der Befehlskette, wie Elizabeth befürchtet hatte – sie war ein unbändiger, rationaler Antrieb. Er würde diesen Mann finden. Und wenn er dafür selbst durch die Hölle gehen musste.



ENDE

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