Stargate Fanfic

Dein Tor zum Stargate-Universum

I’ll be alright without you

von Emony

Isolation

Die Luft über dem Ozean schmeckte nach Salz, Kälte und dem vagen Versprechen eines Morgens, der sich weigerte, wirklich warm zu werden.

John Sheppard stand am Geländer des Balkons, die Hände fest in die tiefen Taschen seiner schwarzen Einsatzjacke gesteckt. Der Stoff war klamm von der Feuchtigkeit der Nacht. Er hatte die Ellbogen nicht lässig aufgestützt, wie es sonst seine Art war. Stattdessen war seine Haltung aufrecht, beinahe militärisch starr, als würde eine unachtsame Bewegung genügen, um das mühsam aufrechterhaltene Gleichgewicht in seinem Inneren zu erschüttern.

Unter ihm lag Atlantis. Die gewaltigen Ausleger der Stadt zeichneten sich als dunkle, schemenhafte Silhouetten im dichten Frühnebel ab, der wie eine zähe, feuchte Decke über den Wellen von Lantea schwebte. Es war nicht das majestätische, goldene Licht, das sie vor sechs Monaten bei ihrer Ankunft begrüßt hatte. Das hier war der Alltag der Pegasus-Galaxie im Spätwinter: spürbare Kälte, die durch die Kleidung kroch, ein fahler, grauer Himmel und ein Ozean, dessen brechendes Wasser in gleichmäßigem, fast monotonem Rhythmus gegen die äußeren Pylone schlug.

John atmete tief ein. Der kalte Sauerstoff brannte scharf in seiner Lunge, vertrieb jedoch nicht die bleierne Schwere, die seit Wochen hinter seinen Schläfen nistete. Er hatte wenig geschlafen. Wenig heute Nacht, wenig die Nacht davor und streng genommen kaum eine Nacht in den vergangen sechs Monaten.

Irgendwann gegen drei Uhr morgens hatte er aufgehört, das Muster der Schatten an der Decke seines Quartiers zu zählen. Er war aufgestanden, hatte sich die Stiefel gebunden und war durch die stillen, halbdunklen Korridore der Stadt gewandert. Es war eine Angewohnheit geworden. Wenn die Stille in den eigenen vier Wänden zu laut wurde, suchte er die Nähe der Stadt. Doch selbst die Stadt gab ihm keine Antworten mehr. Das vertraute, leise Brummen in den Wänden – die mentale Rückmeldung der Antiker-Technologie, die früher so beruhigend auf ihn gewirkt hatte – fühlte sich mittlerweile an wie ein stummes Vorgreifen auf etwas, das unvollständig war.

Er hob den Kopf, als die Sonne schließlich den Horizont durchbrach. Kein strahlender Aufgang, sondern ein fahles, weißes Glühen, das den Nebel langsam rosa und silbergrau einfärbte. Die gläsernen Fassaden des Hauptturms reflektierten das kühle Licht.

Sechs Monate.

Wenn man es rational betrachtete, hatte die Expedition alles erreicht, was sie sich jemals erhofft hatte. Die Stadt lag sicher auf den Wellen ihres Ursprungsplaneten. Die Primärsysteme liefen stabil, die ZPM-Kapazität war zwar nicht üppig, aber ausreichend, und das Stargate verband sie wieder regelmäßig mit der Heimat. Atlantis war wieder Zuhause. Der Auftrag war erfüllt.

John zog die Hand aus der Tasche und strich sich müde über das Gesicht. Seine Stoppeln kratzten unter seinen Fingerspitzen.

Zuhause.

Er blickte nach links, auf den leeren Fleck direkt neben sich am Geländer. An genau jener Stelle, an der vor einem halben Jahr die Führungsmannschaft gestanden hatte, um den Ozean zu begrüßen.

Früher – in jenem Leben, das sich inzwischen anfühlte wie eine verblasste Aufzeichnung einer fremden Person – wäre an einem Morgen wie diesem jemand neben ihm aufgetaucht. Nicht leise. Niemals leise. Es wäre das Schlurfen von Stiefeln gewesen, begleitet Duft eines Kaffeebechers und einem sofortigen, ungefilterten Monolog über die unzureichende Isolierung der Außenbalkone oder die Sachwachsinnigkeit, bei fünf Grad Celsius freiwillig an der frischen Luft zu stehen.

„Es ist physisch vollkommen irrational, John. Wir haben eine Klimasteuerung, die seit zehn Jahrtausenden perfekt funktioniert, und du stellst dich in die arktische Gischt, nur um cool auszusehen. Du wirst dir eine Lungenentzündung holen ...“

Satzfetzen, die sich wie Geisterstimmen in den Wind mischten. Er hätte nie im Leben gedacht, dass er dieses ewige Nörgeln und die Hypochondrie dermaßen vermissen würde.

Johns Lippen verengten sich zu einer schmalen, harten Linie. Er schluckte den trockenen Kloß in seinem Hals hinunter und starrte unverwandt auf die grauen Wellen. Es gab kein Meckern. Kein Kaffeeduft. Kein wildes Gestikulieren mit Händen.

Es gab nur das monotone Rauschen der Brandung.

Er griff fester um das feuchte Metall des Geländers, bis seine Knöchel weiß hervortraten. Die Kälte des Stahls sickerte direkt unter seine Haut, doch er hielt den Druck aufrecht. Er brauchte den körperlichen Schmerz, um die schleichende Taubheit zu vertreiben, die jeden Morgen aufs Neue von ihm Besitz ergreifen wollte.

Ich komme klar, dachte er. Es war kein wütender Gedanke. Es war ein sachlicher, kalkulierter Befehl an sich selbst. Der Befehl eines Kommandanten an ein Werkzeug, das funktionieren musste. Die Stadt ist sicher. Das Team ist sicher. Ich komme klar.

Er nahm die rechte Hand vom Geländer, drehte das Handgelenk und blickte auf die schlichte Militäruhr.

06:15 Uhr.

In fünfundvierzig Minuten begann die Einsatzbesprechung für das Erkundungsteam auf P4X-884. Ein Routine-Einsatz. Ein unbewohnter Planet, abgelegenes Terrain, minimale Aufklärung nötig. Genau das Richtige für einen Dienstagmorgen.

John atmete noch einmal die salzige Kälte ein, drehte sich auf dem Absatz um und schritt durch die schweren Glastüren zurück ins Innere des Hauptturms. Der kühle Schatten der Korridore nahm ihn auf, und die Türen schlossen sich hinter ihm mit einem leisen, endgültigen Zischen.

~

In San Francisco starrte Rodney mit einem großen Kaffeebecher in der Hand aus dem Fenster. Der feuchte Frühjahrsnebel hing tief über den Hügeln der Stadt und verwischte die Silhouetten der Wolkenkratzer zu grauen Schemen. Er war vollkommen in Gedanken, weit weg in einer fernen Galaxie, und fragte sich, wie es seiner Wahlfamilie ging und welche Abenteuer sie wohl miteinander erlebten. Ob Radek sich inzwischen genauso wohl in Johns Team fühlte wie er damals?

Damals. Ein halbes Jahr auf der Erde, aber es fühlte sich bereits an wie eine Ewigkeit.

Rodney hatte das Gefühl, nur noch auf Sparflamme zu funktionieren. Er hatte einige seiner Arbeiten veröffentlicht, aber nichts davon konnte die Leere in seinem Inneren füllen. Selbst die Arbeit im SGC war vollkommen unbefriedigend. Er hatte sich mit Jennifer darauf geeinigt, dass er immer zwei Wochen im SGC arbeiten würde und zwei Wochen in San Francisco.

Wohl fühlte er sich allerdings nicht. Wie sollte er sich auch irgendwo zu Hause fühlen, wenn er ständig zwischen zwei Bundesstaaten hin- und herreisen musste? Im SGC war er wenigstens so beschäftigt, dass er keine Zeit hatte, darüber nachzudenken, weshalb er sich so schwermütig und leer fühlte.

Seine Hoffnung, dass er sich mit der Zeit daran gewöhnen würde, war nach sechs Monaten auf der Erde jedenfalls auf den Nullpunkt gesunken. Und wie sollte er sich auch jemals wieder mit weniger zufriedengeben, wenn er den besten Abschnitt seines Lebens vorzeitig beendet hatte? In der Pegasus-Galaxie gab es noch so viel zu entdecken und zu erleben. Und er saß hier und führte bei Weitem ein bürgerliches, langweiliges Leben.

Aber es war nicht nur die Wissenschaft. Es war nicht nur das Stargate oder der Nervenkitzel, das Universum zu retten.

Wenn Rodney ehrlich zu sich selbst war – und das vermied er gewöhnlich mit aller Macht –, war es der Mann, der in all diesen Erinnerungen wie ein unerschütterlicher Fels stand. John.

Rodney vermisste die Art und Weise, wie John ihn ansah, wenn die Welt kurz vor dem Untergang stand: vollkommenes, ungefiltertes Vertrauen. Er vermisste Johns trockenen Humor, wenn Rodney sich wieder einmal in eine Panik hineinsteigerte, das beiläufige Klopfen auf die Schulter nach einer gelungenen Mission und die stummen Stunden im Kontrollraum, in denen sie kein einziges Wort wechseln mussten, um einander zu verstehen. Bei John hatte Rodney nie versuchen müssen, jemand anderes zu sein. John kannte seine miesen Eigenheiten, seine Macken, seine Arroganz und seine Angst – und hatte ihn trotzdem genau so akzeptiert. Hier auf der Erde, in diesem künstlichen Nest aus Kompromissen, fühlte sich Rodney, als müsste er jeden Tag eine Maske aufsetzen, die ihm viel zu eng war. Die Sehnsucht nach John war kein leiser Schmerz mehr; sie war ein Dauerzustand, eine eiskalte Strömung unter der Oberfläche, die ihm langsam, aber stetig die Atemluft abschnürte.

Die Sonne war noch nicht vollständig aufgegangen, da kam Jennifer aus dem Schlafzimmer. Sie eilte zu ihrer altmodischen Kaffeemaschine, dankbar, dass Rodney bereits vor ihr wach gewesen war und welchen aufgesetzt hatte, und goss sich eilig eine Tasse ein.

„Guten Morgen, Schatz“, sagte sie, als sie Rodney am Fenster bemerkte. „Hast du wieder nicht schlafen können? Ich kann dir etwas geben, das dir helfen wird.“

Rodney schenkte ihr ein erschöpftes Lächeln. „Guten Morgen. Ich brauche nichts, danke.“

Sie trank einen Schluck Kaffee, stellte die Tasse dann auf der Küchenzeile ab und ging zu ihm hinüber. Die Arme um seine Taille schlingend fragte sie: „Hast du dir den Katalog mit der Tischdeko inzwischen angesehen? Oder zumindest mal die Einladungskarten? Wir sollten uns allmählich entscheiden, wenn wir im Sommer heiraten wollen. Wir können die Leute nicht kurzfristig einladen. So ein großer Tag muss perfekt geplant werden.“

Mit Mühe gelang es Rodney, ein Seufzen zu unterdrücken. „Warum suchst du nicht das aus, was dir gefällt? Geld spielt keine Rolle.“ Er spürte, wie sie sich an seinen Rücken schmiegte.

„Ich möchte aber, dass auch deine Wünsche berücksichtigt werden.“

Seit wann?, schoss es ihm bitter in den Sinn. Er hatte nicht das Gefühl, dass seine Bedürfnisse noch wichtig waren. Er wollte nicht hier auf der Erde sein. Schon gar nicht in San Francisco. Verdammt, er war Kanadier. Wenn überhaupt, dann vermisste er seine eigene Heimat. Das Klima hier bekam ihm nicht besonders. Aber wenn er ehrlich zu sich selbst war, wusste er, dass er sich mit diesem bürgerlichen Leben hier nicht anfreunden konnte.

Er wandte sich zu ihr herum, um ihr in die Augen sehen zu können. „Wir könnten mit einem richtigen Kaffeeautomaten beginnen, wenn wir von Wünschen reden.“

Jennifer zuckte zurück und gewann etwas Abstand zu Rodney. „Wow. Wo kommt das plötzlich her?“

„Du sprichst von Wünschen. Ich habe vor Monaten gesagt, dass ich richtigen, frischen Kaffee möchte und nicht das hier.“ Er schwenkte seinen Kaffeebecher, in dem nur noch ein kleiner, kalter Rest übrig war.

„Von mir aus“, erwiderte Jennifer, während sich ihre Stirn steil in Falten legte. „Wenn du dich dann endlich an der Planung unserer Hochzeit beteiligst oder an der Suche nach einem Haus, in dem du Platz für all das hast!“ Sie breitete die Arme aus und zeigte auf die unzähligen Notizen, Whiteboards, Bücher und Ordner, die Rodney auf dem Esstisch und den Beistelltischen aufgeschichtet hatte.

Das Apartment war längst zu klein und unordentlich, um noch gemütlich zu sein. Sie stolperte regelmäßig über Dinge, die er unachtsam hatte herumliegen lassen, ohne sich bisher groß darüber zu beschweren. Allerdings war sie nicht bereit, weiterhin tolerant gegenüber seinen Eigenheiten zu sein, wenn er sich stattdessen über Banalitäten wie eine Kaffeemaschine beschwerte.

„Ein Haus?“, wiederholte Rodney. Seine Stimme wurde augenblicklich eine Oktave höher, getrieben von einem plötzlichen, eisigen Schock. „Wir reden jetzt über ein Haus? Jennifer, ich pendle alle zwei Wochen quer durch das Land nach Colorado! Ich verbringe die Hälfte meines Lebens in Flugzeugen und abgeriegelten Bunkerkomplexen. Wann soll ich denn bitte auch noch ein Haus aussuchen?“

„Genau das ist das Problem, Rodney!“, rief Jennifer aus, und ihre bisher behutsame Geduld riss hörbar. Sie verschränkte die Arme fest vor der Brust. „Du pendelst, du arbeitest, du vergräbst dich in deinen Unterlagen! Du bist physisch vielleicht zwei Wochen im Monat in dieser Wohnung, aber geistig bist du überhaupt nicht hier! Ich versuche seit Monaten, uns eine Zukunft aufzubauen. Ich arbeite Zehn-Stunden-Schichten im Krankenhaus, und trotzdem setze ich mich abends hin und organisiere Caterer, Locations und Einladungslisten – alleine! Weil von dir nichts kommt außer Ausreden!“

„Weil mich diese scheiß Tischdeko nicht interessiert!“, platzte es aus Rodney heraus. Er stellte den Kaffeebecher so hart auf dem Fenstersims ab, dass die braune Flüssigkeit über den Rand schwappte. „Es ist mir vollkommen egal, ob die Servietten elfenbeinfarben oder weiß sind! Verstehst du das nicht? Du planst hier eine riesige Zirkusveranstaltung für den Sommer, während ich das Gefühl habe, dass mir langsam die Luft zum Atmen ausgeht!“

Jennifer starrte ihn an, als hätte er sie körperlich geschlagen. Die Rötung auf ihren Wangen wich einer fassungslosen Blässe. „Eine Zirkusveranstaltung? Ist das unsere Hochzeit für dich? Eine Last, die du abarbeiten musst?“

„Nein! Ich meine... das ist es nicht!“, stammelte Rodney, doch der Knoten in seiner Brust zog sich nur noch enger zusammen. Die Verzweiflung stieg ihm wie Galle in den Hals. „Aber du tust so, als ließe sich mein ganzes Leben in dieses perfekte kleine Vorstadt-Schema pressen! Ich bin kein Typ für einen gepflegten Vorgarten in San Francisco, Jennifer! Ich vermisse mein Land, ich vermisse das kühle Wetter, ich vermisse eine Arbeit, die mich fordert! Ich passe hier einfach nicht rein!“

„Du willst hier gar nicht reinpassen, nicht wahr?“, konterte Jennifer lautstark. Ihre Augen schimmerten von aufsteigenden Tränen, doch ihr Tonfall war schneidend hart. „Ich habe verstanden, dass der Platz in der Wohnung zu eng ist. Ich habe akzeptiert, dass du deine Notizen überall verteilt liegen lässt! Ich dachte, du bist gestresst. Ich dachte, der Wechsel vom SGC hierher fällt dir schwer und dass ein eigenes Haus uns den Raum gibt, den wir brauchen. Aber das ist es gar nicht, oder? Es geht gar nicht um den Platz oder die Kaffeemaschine.“

Sie machte einen Schritt auf ihn zu und sah ihm unerbittlich direkt in die Augen. Rodney reckte trotzig das Kinn.

„Du bist zwar hier mit mir in diesem Raum, aber du bist nie wirklich bei mir“, sagte sie leise, und diese plötzliche Ruhe in ihrer Stimme war tausendmal schlimmer als ihr Schreien eben. „Du bist immer noch auf Atlantis. Du bist immer noch in der Pegasus-Galaxie. Und egal, wie sehr ich mich anstrenge, dir hier auf der Erde ein Zuhause zu schaffen – du weigerst dich standhaft, überhaupt erst anzukommen.“

Rodney öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, um eine seiner gewohnten, geschliffenen Schutzbehauptungen vorzubringen. Doch kein Ton kam über seine Lippen. Die Worte blieben ihm im Hals stecken, weil sie mit schrecklicher, unbarmherziger Präzision genau das ausgesprochen hatte, was er sich selbst seit Monaten nicht einzugestehen wagte.

Er stand mitten in dem eleganten, lichterfüllten Wohnzimmer in San Francisco – an der Seite einer Frau, die ihn aufrichtig liebte – und er fühlte sich so entsetzlich verloren und gefangen wie noch nie zuvor in seinem Leben.

„Ich muss jetzt zum Dienst“, sagte Jennifer, als er nichts erwiderte. Ihre Stimme klang nicht mehr wütend, sondern schrecklich resigniert – ein Tonfall, der Rodney viel tiefer traf als jeder Schrei. „Lass uns heute Abend in Ruhe darüber reden.“

Damit wandte sie sich von Rodney ab, griff nach ihrer Handtasche auf der Kommode und verließ ohne ein weiteres Wort oder den sonst üblichen Abschiedskuss die Wohnung. Das leise, metallische Klicken der Tür, die ins Schloss fiel, hallte in der Stille des Raumes nach wie ein Knall.

Rodney blieb reglos am Fenster stehen. Der kalte Kaffee in seinem Becher war längst vergessen.

Was gibt es da noch zu reden?, überlegte Rodney bitter. Jennifer hatte es unbarmherzig auf den Punkt gebracht. Sie stellten vollkommen gegensätzliche Erwartungen an eine gemeinsame Zukunft. Sie wünschte sich ein Ankommen, ein Beständigkeit versprechendes Zuhause, eine Hochzeit mit perfekter Planung und ein Haus mit Garten. Er dagegen fühlte sich in dieser Vorstellung wie ein Ertrinkender. Und egal, wie oft er die Variablen in seinem Kopf hin- und her wälzte, egal, welche Gleichung er aufstellte – er fand keine Lösung, wie sie beide in diesem Konstrukt glücklich werden konnten.

Wie sollte er, nach allem, was er in der Pegasus-Galaxie erlebt hatte, je wieder ein normales Leben führen können? Wie sollte ein Mann, der die Stadt der Antiker gesehen hatte, mit einem Vorgarten in San Francisco zufrieden sein?

Und dann fiel ihm Jeannie ein.

Seine Schwester. Sie führte genau solch ein Leben – mit Kaleb, mit Maddie, mit einem Haus in Kanada, einem normalen Alltag und wissenschaftlicher Arbeit aus der Distanz. Und sie war damit offenbar mehr als glücklich. Sie hatte den Spagat geschafft, bei dem er gerade kläglich versagte.

Ohne weiter darüber nachzudenken, ließ er den Kaffeebecher stehen, griff mit leicht zitternden Fingern nach seinem Telefon auf dem Couchtisch und wählte ihre Nummer.

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