Stargate Fanfic

Dein Tor zum Stargate-Universum

Coulrophobia

von Emony

Kurzgeschichte

Der Duft von frisch gemähtem Gras und Apfelkuchen lag in der späten Oktoberluft, warm und trügerisch wie ein Sommertag, der sich weigerte zu enden.

John parkte den Wagen an der Bordsteinkante vor dem Haus der Millers. Als er den Motor abstellte, schnallte sich Rodney neben ihm bereits mit einer hektischen Bewegung ab, die verriet, wie nervös er trotz all der Jahre immer noch war, wenn ein Familienbesuch anstand.

„Bist du sicher, dass das Geschenk im Kofferraum nicht beschädigt wurde? Ich habe Kaleb gesagt, wir bringen dieses Teleskop mit, aber wenn —“, begann Rodney, während er nach seiner Jacke griff.

„Rodney“, unterbrach John ihn sanft. Er reichte hinüber, um Rodneys Hand auf dem Armaturenbrett kurz festzuhalten – nur für einen Herzschlag, eine flüchtige Berührung unterhalb der Fensterlinie, ungesehen von der Nachbarschaft. „Das Teleskop ist sicher verpackt. Und Maddie wird es lieben.“

Der Wissenschaftler hielt inne. Seine Schultern entspannten sich ein wenig, und in seinen Augen lag für einen kurzen Moment diese absolute Verlässlichkeit, die nur John zu sehen bekam. In einer Welt, die noch lange nicht bereit dafür war, zwei Männer Hand in Hand durch die Straßen gehen zu sehen, waren es diese unsichtbaren Ankerpunkte, die sie zusammenhielten. Ein Blick, eine scheinbar flüchtige Berührung, ein tiefes Durchatmen.

„Gut“, brummte Rodney, verstellte die Brille und stieg aus. „Aber wenn ein Teil fehlt, schiebe ich die Schuld auf dich.“

Bevor John antworten konnte, flog die Haustür der Millers auf.

„Onkel Rodney! John!“

Maddie, im strahlend gelben Kleid und mit einer bunten Papierkrone auf dem Kopf, sauste den Pflasterweg hinunter. Rodney fing seine Nichte mit einem erstaunlich geschickten Schwung auf, ließ sich von ihr umarmen und tat so, als wäre sie bereits schwerer als sie tatsächlich war.

John folgte ihnen mit einem Schmunzeln, den großen Geschenkkarton unter den Arm geklemmt. Im Garten hinter dem Haus herrschte das fröhliche Chaos, das nur ein achter Geburtstag anrichten konnte: Bunte Girlanden schaukelten zwischen den Ahornbäumen, deren Blätter sich bereits in tiefes Rot und Gold gefärbt hatten. Ein langes Büfett bog sich unter Limonadenflaschen, Muffins und kleinen Schüsseln mit Süßigkeiten.

„Schön, dass ihr da seid!“, begrüßte Jeannie sie strahlend, schlang die Arme erst um ihren Bruder und drückte dann John herzlich.

Hinter ihr am Grill qualmte es gewaltig. Kaleb stand in einer bunten Schürze da, eine Grillzange wie ein Zepter erhoben.

„Kaleb veranstaltet wieder eine Wissenschaft aus den Würstchen“, seufzte Jeannie lachend. „Er versucht, zeitgleich vegetarische Würstchen für sich und die halbe Grundschulklasse zu grillen und echtes Fleisch für den Rest.“

Rodney blieb abrupt stehen und starrte mit offenem Entsetzen zum Grill hinüber. „Warte... Kaleb brät echtes Fleisch? Er hat doch überhaupt keine Ahnung von der Kerntemperatur von Rind- oder Schweinefleisch! Der Mann ernährt sich seit Jahren von Tofu und Grünkohl! John, er wird das gute Essen komplett ruinieren. Es wird entweder roh sein und uns alle vergiften oder so trocken wie eine Schuhsohle!“

Ohne eine Antwort abzuwarten, marschierte Rodney mit beschleunigtem Schritt auf den Grill zu, um die Katastrophe abzuwenden.

John sah ihm nach, das Herz leicht und warm. Der Himmel war makellos blau, die Sonne schien fast schon spätsommerlich warm auf seinen Nacken, und das Lachen der ersten eintreffenden Kinder erfüllte die Luft. Es war perfekt. Ein ganz normaler, friedlicher Nachmittag mitten im Herbst.

„Übrigens, John“, sagte Jeannie, während sie ein paar Pappbecher auf dem Tisch zurechtrückte, und neben ihn trat. „Du musst nachher unbedingt helfen, die Kinder im Zaum zu halten, wenn das Highlight kommt. Maddie hat seit Wochen von nichts anderem geredet.“

John wandte den Kopf zu ihr, die Sonnenbrille auf die Stirn geschoben. „Highlight? Kaleb macht doch keine Zaubertricks, oder?“

Jeannie lachte laut auf. „Himmel, nein. Erinnerst du dich an das Desaster vom letzten Jahr? Nein, Kaleb hat diesmal jemanden gebucht. Einen echten Profi! Er müsste jeden Moment da sein, er zieht sich drinnen im Gästezimmer um.“

„Ein Profi?“, wiederholte John beiläufig, während er seinen Blick über den bunten Garten schweifen ließ.

„Ja! Ein Clown. Peppo der Schelm oder so ähnlich. Mit Ballonfiguren, Jonglierbällen und dem vollen Programm. Die Kinder werden durchdrehen.“

Für den Bruchteil einer Sekunde schien der Wind im Garten inne zu halten. Die warmen Sonnenstrahlen auf Johns Haut fühlten sich plötzlich seltsam kühl an. Das muntere Stimmengewirr um ihn herum wurde leiser, als hätte jemand an einem Lautstärkeregler gedreht.

Ein Clown.

John schluckte. Der trockene Geschmack von Staub machte sich in seinem Mund breit. Er zwang sich zu einem Nicken, ein perfekt eingeübtes, entspanntes Lächeln auf die Lippen zu zaubern, bevor Jeannie etwas merken konnte.

„Klingt... großartig“, sagte er, und seine Stimme klang überraschend fest, obwohl sich in seiner Magengegend ein kalter, schwerer Knoten bildete. „Maddie wird sich sicher freuen.“

Er sah hinüber zur Terrasse. In den Scheiben des Hauses spiegelte sich das Herbstlicht. Dahinter war es dunkel. Und tief in Johns Hinterkopf, ganz tief unten, wo er es vor Jahren vergraben hatte, hörte er das leise, nasse Gluckern von Wasser in einer Kanalisation.

~

Der Duft von gegrillten Würstchen und Steaks, die Rodney rettend auf die Servierplatte befördert hatte, mischte sich mit dem kühlen Wind, der durch die Ahornbäume strich. Überall im Garten verstreut saßen Kinder auf Picknickdecken, ihre Gesichter verschmiert mit Senf und Ketchup.

John stand etwas abseits am Rand der Terrasse, eine Bierflasche starr in der Hand haltend. Er nutzte seine gewohnte Taktik: Aufmerksam bleiben, die Umgebung scannen, Fluchtwege im Auge behalten. Sein Verstand arbeitete im militärischen Präzisionsmodus, um die aufkeimende Unruhe niederzukämpfen.

Dann flog die Terassentür auf.

„Tadaaa! Seid ihr bereit für den einzigartigen, den fantastischen... Peppo?!“, rief eine laut verstellte, schrille Stimme.

Ein Jubeln ging durch die Kinderschar. John erstarrte.

Aus der Tür trat eine Gestalt in übergroßen, gelb-rot gestreiften Hosen und einer riesigen, grünen Perücke. Doch es war nicht das Kostüm, das Johns Herz schlagartig gegen seine Rippen hämmern ließ. Es war das Gesicht.

Die weiße Theaterschminke lag dick und fettig auf der Haut des Mannes. Das aufgemalte, tiefrote Lächeln reichte fast bis zu den Ohren, umrahmt von tiefschwarzen, künstlichen Augenbrauen. Johns geschulter Blick – darauf trainiert, feine Regungen im Gesicht von Feinden und Verbündeten innerhalb von Millisekunden zu lesen – lief völlig ins Leere. Die aufgemalten Züge überlagerten jede echte Regung. Ein unheimliches Tal – eine menschliche Hülle, hinter der das Gehirn keine echten Emotionen erkennen konnte. Keine Reue, keine Barmherzigkeit, keine Absicht. Nur ein starrsinniges, künstliches Maskengesicht.

„Na, wer möchte ein Luftballonschwert?“, rief Peppo und klatschte laut in die Hände.

Das trockene, scharfe Geräusch hallte in Johns Ohren wider. Er spürte, wie sich ein kalter Schweißfilm auf seiner Stirn bildete. Sein Puls jagte nach oben, Herzrasen setzte ein – dieselbe körperliche Reaktion, die er aus Hinterhalten auf fremden Planeten kannte. Aber hier gab es kein P90, keine Deckung und keinen Feind, den man offen bekämpfen konnte.

Peppo bewegte sich durch den Garten. Seine Bewegungen waren übertrieben, unberechenbar und durchbrachen ungefragt den persönlichen Raum der Gäste. Er wirbelte herum, blieb kurz vor Jeannie stehen, drückte auf eine Hupe an seinem Gürtel und lachte schrill.

Für alle anderen war es harmloser Kindergeburtstags-Spaß. Für John war es ein Albtraum in Zeitlupe.

„Du wirst auch schweben, Johnny...“

Die Stimme aus seiner Kindheit drängte sich mit brutaler Macht an die Oberfläche. John war elf gewesen, als er das Buch heimlich aus dem Regal seines älteren Bruders gezogen hatte. ES von Stephen King. Er hatte die Nächte danach schlaflos verbracht, gelähmt von der Vorstellung, dass sich hinter einer bunten Maske etwas Grausames verbarg, das darauf wartete, ihn in die Dunkelheit zu ziehen.

„John? Alles in Ordnung bei dir?“

John fuhr herum. Rodney stand neben ihm, zwei Teller in der Hand, und blickte ihn mit leicht hochgezogener Augenbraue an.

„Du siehst aus, als hättest du einen Wraith gesehen“, sagte Rodney und reichte ihm einen Teller, ohne die leise, neckende Note in seiner Stimme zu verbergen. „Oder hat dich das Desaster, das Kaleb Grillen nennt, doch mehr mitgenommen als gedacht?“

John zwang seine Hand, nicht zu zittern, als er den Teller nahm. Seine Kehle fühlte sich wie zugeschnürt an. „Ich... nein. Alles bestens. Nur etwas müde.“

Rodney folgte Johns Blick, der unwillkürlich wieder zu dem Clown gewandert war, der gerade bunte Ballons für Maddie verknotete. Das schrille Quietsch-Quietsch des Rubbelns von Gummi fuhr John wie ein Eisschauer über das Rückgrat.

„Ah“, sagte Rodney mit einem süffisanten Schmunzeln. „Peppo der Schelm. Stimmt ja, du und deine komische Clown-Aversion. Keine Sorge, Sheppard, wenn er versucht, dich in ein Ballontier zu verwandeln, beschütze ich dich.“

John wollte lachen. Er wollte einen zynischen Spruch bringen, so wie sonst immer, wenn das Thema beiläufig aufgetaucht war. Aber die Worte blieben ihm im Hals stecken. Er nickte nur stumm, nahm einen großen Schluck Bier und hoffte inständig, dass Rodney das Zittern in seinen Händen im schwindenden Nachmittagslicht entging.

Er ahnte nicht, dass der wahre Schrecken erst beginnen würde, wenn die Sonne komplett hinter dem Horizont versunken war.

~

Das Haus der Millers lag still da. Nach dem bunten Lärm des Nachmittags wirkte die nächtliche Ruhe ziemlich unheimlich. Draußen hatte der Herbstwind aufgefrischt; er trieb dichte, dunkle Wolken am Mond vorbei und ließ die kahl werdenden Zweige der Ahornbäume klappernd gegen die Fensterscheiben klopfen.

Im Gästezimmer im ersten Stock war es stockfinster.

John lag auf dem Rücken, die Bettdecke bis zur Brust gezogen, die Augen weit geöffnet. Er starrte an die Decke, auf der die Schatten der dürren Ahornzweige wie lange, bewegliche Finger tanzten. Neben ihm atmete Rodney ruhig und gleichmäßig – ein tiefer, vertrauter Rhythmus, der John in jeder normalen Nacht augenblicklich beruhigt hätte.

Doch diese Nacht war nicht normal.

Wann immer John die Augen schloss, sah er nicht die Dunkelheit des Zimmers. Er sah das starre, fettige Weiß des Make-ups. Er hörte das schrille, quälende Quietsch-Quietsch der Luftballons. Und darunter, tief eingegraben in sein Unterbewusstsein, das gurgelnde Gluckern von fließendem Wasser in engen, dunklen Rohren.

Schließlich siegte die Erschöpfung. Johns Lider wurden schwer, und er glitt in einen unruhigen Schlaf.

John stand in einem endlosen, schmalen Korridor. Die Wände waren aus feuchtem, rohem Beton, von den Decken tropfte unaufhörlich kaltes Wasser. Das Geräusch hallte von überall her wider: Plitsch. Plitsch. Plitsch.

Er wollte nach seiner Waffe greifen, doch sein Holster war leer. Seine Beine fühlten sich an wie Blei, als er versuchte, zurückzuweichen. Am Ende des Gangs, im tiefsten Schatten, schwebte etwas. Ein einzelner, blutroter Luftballon.

Der Ballon drehte sich langsam im Luftzug. Dahinter tauchte das Gesicht auf. Nicht Peppo. Nicht nur Pennywise. Es war eine verzerrte Fratze aus allen Ängsten und Schrecken, die er je gesehen hatte, gekrönt von einem aufgemalten, unmenschlichen Lächeln.

„Wir alle schweben hier unten, Johnny...“, flüsterte die Stimme, dünn und nass wie modriges Laub. Die Gestalt machte einen lautlosen Schritt auf ihn zu. Die Arme – viel zu lang, mit dürren, schmutzigen Krallen – streckten sich nach ihm aus. „Und du wirst auch schweben...“

John wollte schreien. Er wollte den Atem in seine Lungen saugen, um zu brüllen, zu kämpfen, irgendetwas zu tun – aber seine Kehle war wie zugeschnürt. Die weiße, geschminkte Hand langte nach seinem Hals—

Mit einem stummen, heftigen Ruck schnellte John nach oben.

Sein Herz hämmerte wie wild gegen seine Rippen. Kalter Schweiß brannte auf seiner Stirn, in seinem Nacken, auf seiner Brust. Seine Atemzüge kamen flach, rasend und pfeifend, als hätte er eben einen Sprint durch ein Minenfeld hinter sich gebracht.

John presste die Hände in die Matratze, um das Zittern zu stoppen. Sein Blick irrte panisch durch das dunkle Zimmer. Die Schatten an der Decke sahen für einen schrecklichen Herzschlag immer noch wie gierige, lange Finger aus.

„John?“

Die Stimme war leise, rauchig von Schlaf, aber vollkommen real.

Rodney hatte sich aufgerichtet. Er tastete kurz auf dem Nachttisch nach seiner Armbanduhr, knipste die kleine grüne Displaybeleuchtung an und blinzelte aufs Zifferblatt. Dreiuhrzweiundvierzig. Als er die Uhr wieder ablegte und Johns starre Haltung bemerkte, verschwand die Schläfrigkeit aus seinen Zügen augenblicklich.

„John? Was ist los?“, fragte Rodney, jetzt deutlich wacher. Seine Stimme war sanft, aber hörbar besorgt. Er schob die Decke zur Seite und rückte näher. „Du zitterst ja wie... Hey, sieh mich an.“

John schüttelte den Kopf, presste die Lippen aufeinander und fuhr sich mit beiden Händen durch das feuchte Haar. Er verabscheute sich in diesem Moment selbst. Er war ein Colonel der United States Air Force. Er hatte Einsätze kommandiert, hatte Folter überlebt, hatte Wraith gegenübergestanden, die ihm das Leben aussaugten. Und jetzt saß er im Gästezimmer seiner Schwägerin und hatte eine Panikattacke wegen eines albernen Clowns.

„Es ist... nichts“, brachte John heraus. Seine Stimme klang rau und brüchig. „Nur ein schlechter Traum. Geh wieder schlafen, Rodney.“

„Nichts? John, du stehst kurz vor einem Schock!“, entgegnete Rodney leise, aber bestimmt. Er wartete nicht auf Erlaubnis. Er legte eine Hand auf Johns Rücken – fest, warm und vollkommen geerdet.

John zuckte zuerst zusammen, doch die Wärme von Rodneys Hand drang durch das feuchte T-Shirt. Sie war wie ein Anker in einem tobenden Sturm.

„Das war kein normaler Albtraum, oder?“, fragte Rodney sanft. Er fuhr mit der anderen Hand vorsichtig über Johns Nacken, streichelte mit dem Daumen über den angespannten Muskelansatz. „Das heute Nachmittag... du warst den ganzen Tag nicht du selbst. Und sag mir nicht, es lag an Kalebs Essen.“

John schloss die Augen. Der Trost, den Rodneys Nähe bot, war so stark, dass die aufgestaute Anspannung der letzten Stunden langsam nachließ. Er holte tief Atem, spürte, wie sein Herzschlag ganz allmählich langsamer wurde, und stützte die Ellbogen auf die Knie.

„Ich war elf“, flüsterte John in die Dunkelheit des Zimmers.

Rodney unterbrach ihn nicht. Er hörte einfach nur zu, seine Hand nach wie vor fest auf Johns Rücken.

„Ich habe heimlich ES gelesen. Stephen King“, fuhr John fort. Seine Stimme zitterte nicht mehr, war aber von einer seltenen Verletzlichkeit erfüllt. „Mein Bruder hatte das Buch im Regal stehen und mir verboten es anzurühren. Natürlich hat gerade das mich gereizt und ich habe es mir heimlich geholt. Ich habe Wochen... Monate lang keine Nacht geschlafen. Ich hatte panische Angst vor jedem Abfluss, vor jedem Schatten unter dem Bett. Ich dachte wirklich, da draußen ist etwas Bösartiges, das sich hinter einem bunten Lächeln versteckt, um mich zu holen.“

John hielt inne und schluckte den Kloß in seiner Kehle hinunter.

„Heute Nachmittag... als dieser Clown im Garten auftauchte... es war, als wäre ich wieder dieser kleine Junge. Ich konnte das Gesicht nicht lesen, Rodney. Die Schminke, das aufgemalte falsche Lächeln... mein Gehirn konnte einfach nicht verarbeiten, wer oder was da vor mir steht. Es hat mich komplett übermannt.“

Im Zimmer herrschte für einen langen Moment Stille. Nur das Pfeifen des Windes draußen am Fenster war zu hören.

Rodney rührte sich. Er zog die Hand von Johns Rücken zurück, nur um sich dicht neben ihn zu setzen und den Arm fest um Johns Schultern zu legen. Er zog ihn an sich, bis Johns Kopf an seiner Schulter lehnte.

„Gott, John...“, murmelte Rodney, und in seiner Stimme lag eine tief empfundene Reue. „Ich habe heute Nachmittag Witze darüber gemacht. Es tut mir leid. Ich dachte... ich dachte ehrlich, das wäre nur so eine alberne Eigenheit von dir. Wie deine Abneigung gegen Riesenkäfer oder deine Unsitte, ständig deine Füße auf fremde Tische zu legen.“

„Du konntest es nicht wissen“, sagte John leise und ließ für einen Moment zu, dass er sich an Rodney lehnte. Er spürte den schlagenden Puls an Rodneys Hals, den vertrauten Geruch von Seife und Haut. „Ich erzähle das normalerweise niemandem.“

„Nun, du hättest es mir erzählen können“, erwiderte Rodney, und trotz des ernsten Moments lag ein Hauch von der ihm eigenen Sanftheit darin. „Ich bin der Mann, der dir den Rücken freihält, Sheppard. Wenn du Angst vor etwas hast – egal wie unlogisch es für andere klingen mag –, dann sag es mir. Ich bin dafür da, dir in allen Lebenslagen beizustehen und dich zu beschützen, so wie du mich. Sogar vor geschminkten Idioten mit Luftballons.“

Ein leises, echtes Schmunzeln stahl sich auf Johns Lippen. Die Kälte, die ihn seit dem Albtraum im Griff gehabt hatte, wich langsam der vertrauten Wärme.

„Danke, Rodney“, flüsterte John.

„Nichts zu danken“, brummte Rodney und rückte etwas zurecht, um sie beide wieder unter die Decke zu ziehen. Er legte sich auf die Seite, zog John dicht an sich und schlang einen Arm um seine Taille. „Und jetzt schlaf. Wenn irgendein Clown versucht, dieses Zimmer zu betreten, werde ich ihn mit Vorträgen über Thermodynamik langweilen, bis er freiwillig zurück in die Kanalisation krabbelt.“

John lachte leise – ein kurzes, befreites Auflachen, das die letzten Reste der Panik endgültig vertrieb. Er schloss die Augen, vergrub das Gesicht am Ansatz von Rodneys Hals und spürte, wie der Rhythmus von Rodneys Atem ihn langsam wieder einfing.

Draußen mochte der Herbstwind heulen und die Schatten mochten tanzen. Aber hier drinnen, im Schutz dieser dunklen, leisen Umarmung, war John absolut sicher.


ENDE

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