Das Erbe der Antiker
Teil 1: Die zweite Chance
Jacks Haus
Daniel war seit mehr als zwei Stunden überfällig, und Jack begann sich Sorgen zu machen. Vor einigen Wochen hatten sie ihn auf Vis Uban gefunden, nachdem er von den anderen Aufgestiegenen zurückgeschickt worden war.
Der Archäologe war zum ersten Mal wieder alleine mit dem Auto unterwegs. Er wollte im SGC noch eine Übersetzung fertigmachen und zu Jack nach Hause kommen.
Jack war vorgefahren, um für ihre freien Tage einzukaufen. Das bereute er jetzt. Der Regen war kurz davor in einer Wasserwand über die Dachrinne zu schwappen. Es war dunkel in Colorado Springs. Daniel hatte durch seine Zeit als körperloses Wesen noch gelegentlich Schwierigkeiten, sich zu orientieren. Jack hatte das Telefon in der Hand und wollte die Kurzwahl für Daniels Handy betätigen. Er zögerte in der Bewegung und legte es wieder weg. Falls der Archäologe schon losgefahren war, könnte ihn bei diesem Wetter das Klingeln vom Fahren ablenken.
Gottverdammt, Danny. Du könntest EINMAL ein kleines bisschen pünktlich sein.
Der Colonel trommelte unruhig auf den Fensterrahmen.
< o >
Daniels Auto
Daniel steuerte sein Fahrzeug an den Straßenrand, nicht weit von Jacks Haus. Er fühlte sich nach gestern Abend nicht bereit, seinem Freund gegenüberzutreten.
Wenn Daniel im Moment das Bedürfnis hatte den Cheyenne Mountain zu verlassen, wohnte er in Jacks Gästezimmer. Er war dankbar dafür, denn so musste er nicht alleine sein bei der Konfrontation mit seiner Vergangenheit. Nie wäre er selbst auf die Idee gekommen, dabei Hilfe zu suchen. Er war einsam, seit er ein kleiner Junge war, er hatte Übung darin. Daniel Jackson wurde mit allem fertig. Und er hasste es, wenn jemand ihn weinen sah.
Aber es hatte sich irgendwie so ergeben, dass Jack ständig in seiner Nähe war wenn er in seinen Tagebüchern las. Daniel auf der Couch, Jack in der Küche. Es gab keine Sorte Pie, die Jack in den letzten Wochen nicht gebacken und keine Variation von Chocolate-Walnut-Cookies, die er nicht hergestellt hatte. Daniel hatte noch nicht herausgefunden, wie Jack es mit seinem Macho-Colonel-Image zusammenbrachte, die besten Cookies der Welt zu backen. Jack behauptete jedenfalls, Daniel wäre sein Versuchskaninchen für neue Rezepte. Auf seine einmalige Jack-Art stellte er es so hin, als würde Daniel etwas für ihn tun wenn er die Kekse testete.
Und wie aus dem Nichts erschien Jack immer dann, wenn Daniel emotional am Ende war.
Er machte keine Worte darum, wenn er seinen weinenden Freund in den Arm nahm. Daniel merkte es nie, wenn sein ganz persönlicher Covert-Ops-Colonel sich anschlich. Plötzlich kroch ein Arm um seine Schulter, und sein Kopf lag auf Jacks Brust. Und es fühlte sich so selbstverständlich an, dass Daniel sich nicht einmal schämte.
Hinterher gab es Pie und Cookies, Kaffee und Whiskey. Jack fragte jedes Mal „Hey, möchtest du reden?“ und Daniel schüttelte immer stumm den Kopf.
Seine Reise in die eigene Vergangenheit, seine Rekonstruktion seines früheren Lebens, hatte Daniel gestern an einen sehr schweren Punkt geführt. Es gab viele schwere Punkte, aber die hatte er irgendwie für sich verarbeitet - zum zweiten Mal.
Der Punkt, den er gestern in seinen Tagebüchern erreicht hatte, war anders. Roh. Die Monate vor seinem Aufstieg waren eine verzweifelte Zeit gewesen.
Er wusste nicht, was er tun sollte. Seit gestern hatte es keine ruhige Minute gegeben, in der über sein Problem hätte nachdenken können.
Seine Tagebücher berichteten ihm, dass er über die Jahre sehr starke Gefühle für Jack entwickelt hatte. Er brauchte nur wenige Sätze zu lesen, und alles war wieder da. Er erkannte lange nicht, dass er ihn liebte, hatte es vor sich selbst geleugnet. Während er Jahre nach seiner Frau suchte, bevor sie starb, hätte er es sich niemals eingestanden. Umso mehr hatte er gelitten, als ihm bewusst wurde dass er Jack liebte.
Vielleicht erwiderte Jack seine Gefühle nicht. Jedenfalls nicht so, wie Daniel es sich erhoffte. Aber Daniel hatte nicht das Recht zu hoffen. Denn Jack war beim Militär. Daniels Liebe konnte ihm seine Karriere kosten. Und nur wegen seiner Karriere hatte Jack den Mut gefunden, nach Charlies Tod weiterzumachen, davon war Daniel überzeugt.
Aus diesem Grund hatte Daniel seine Gefühle sorgfältig vor Jack verborgen.
Daniel fragte sich jetzt, was es bedeutete dass Jack so sehr seine Nähe suchte. Was es bedeutete, dass er immer für ihn da war, früher, vor seinem Aufstieg. Warum Jack auch jetzt nicht von seiner Seite wich, wenn seine Vergangenheit ihn auf eine emotionale Achterbahnfahrt schickte.
Es war seltsam. Eigentlich gab Jack ihm alles was er brauchte – alles bis auf Sex. Das war vor seinem Aufstieg so gewesen, und es war jetzt genau so. Daniel noch nie einen anderen Menschen so nah an sich herangelassen, seit seine Eltern tot waren. Jack war der erste Mensch in seinem erwachsenen Leben, der ihn weinend im Arm hielt. Nicht nur einmal. Immer wieder. Und Jack hatte seine Tränen abgewischt und ihn gestreichelt wie ein Kind. Es hätte peinlich sein können oder merkwürdig, aber das war es nicht. Jack machte auf seine unnachahmliche Art, dass es selbstverständlich war. Egal ob er sarkophagabhängig war, egal ob er gerade versucht hatte sich von seinem Balkon zu stürzen, egal ob er einen Albtraum hatte nach harten Missionen.
Plötzlich war Daniel nicht mehr so sicher, dass es die richtige Entscheidung gewesen war zu schweigen. Er begann, seinen Aufstieg als zweite Chance zu sehen.
Jack verdiente zu wissen, dass er geliebt wurde. Der Colonel war ein einsamer Mensch, wenn man von Daniel absah.
Selbst wenn er eigentlich …. eigentlich... Oh. Nein. Daniel schluchzte.
Jack liebte Sam. Sam, das war es, das war noch ein Grund warum er nicht mit Jack reden konnte... Jack liebte sie.
Vielleicht sah Jack ihn als eine Art Ersatzsohn.
Autsch. Daniel zitterte hilflos, er zog die Beine ans Kinn und hoffte, dass er sich nicht übergeben musste. Das wäre dann seine engste Familienbeziehung, seit seine Eltern und seine Frau tot waren, dachte er bitter. Aber besser als Ersatzsohn geliebt werden als gar nicht.
Der Archäologe legte die Arme auf das Lenkrad und ließ seinen Kopf darauf fallen. Er war genau an dem Punkt angelangt, an dem er vor seinem Aufstieg aufgehört hatte. Komplett verzweifelt. Traurig. Was sollte er tun mit seiner überfließenden Liebe für Jack? Würde er sich besser fühlen, wenn er es Jack gestand? Konnten sie damit umgehen? Hatte er das Recht, Jacks Karriere zu gefährden, und nicht nur das – auch den Ruf des SGC?
Manchmal stritten sie, bis aufs äußerste. Aber es konnte sie nicht trennen. Nichtmal dass Daniel ihn mit einer Waffe bedroht hatte. Dass Jack ihre Freundschaft in Frage gestellt hatte weil er seinen Job machen musste. Dass Jack ihn über das Schicksal fremder Völker fast in die Luft gejagt hatte, während Daniel sein Kommando in Frage stellte. Alles das hatte ihre Beziehung nur stärker werden lassen. Wie ein altes Ehepaar. Das war bitter. Wirklich bitter.
„Ich bin nicht zurückgekommen, um Jack jetzt so sterben zu sehen!“ In dem Moment als er es gesagt hatte, erfasste Daniel die Bedeutung dieses Satzes nicht. Jetzt wusste er es, seit er gestern sein Tagebuch gelesen hatte. Oft kamen Gefühle zuerst, wenn er sich wieder erinnerte. Als sie erfuhren dass Jacks Klon sterben würde, hatte Daniel ein Panik verspürt die er sich nicht erklären konnte. Nicht mit der freundschaftlichen Beziehung, die er anscheinend zu Jack hatte.
Daniel wischte sich ärgerlich die Tränen ab, während der Regen auf das Autodach prasselte. Er wollte nicht verheult aussehen, wenn er zu Jack nach Hause kam. Und er hatte keine Ahnung, was er tun sollte.
< o >
Jacks Haus
Gestern Nachmittag hatte Daniel auf der Couch lange in seinen Tagebüchern gelesen, während Jack ein aufgezeichnetes Hockeyspiel ansah. Danach war der Archäologe sehr schweigsam und aufgewühlt gewesen. Als sie gemeinsam das Abendessen zubereiteten, schnitt er sich in den Finger.
„Ah-ah. Lass mich das machen, Daniel,“ bestimmte Jack und schob ihn in Richtung Bad. „Kleb ein Pflaster drauf und warte drüben auf mich.“
Daniel wollte aus Prinzip widersprechen und rollte genervt mit den Augen, aber er ließ es bei einem „Jaaa-aaaack“ und nutzte die Gelegenheit, sein inneres Gleichgewicht wiederzufinden. Er deckte den Tisch, las weiter, wartete nervös auf Jack.
„Ähhhm, ich hab da in meinen Tagebüchern ein paar Notizen gefunden und ich wollte dich fragen...“ begann der Archäologe zögerlich beim Essen, „hast du schon mal... also könntest du dir vorstellen, ich weiss, das klingt merkwürdig... also... könntest du dir vorstellen, eine Beziehung mit einem Mann zu haben?“ Er stocherte mit seiner Gabel im Essen herum und saugte seine Unterlippe ein.
Jack hielt die Luft an. Seine Gedanken rasten. Er betrachtete Daniel mit gerunzelter Stirn an, der ihn konzentriert fixierte, und stotterte. Oh Gott.
„Ähh..Hmmm, j...ja, warum nicht... was...?“ Jack gestikulierte übertrieben. Er schnitt eine Grimasse, als ihm in der Bewegung eine Kirschtomate von der Gabel rutschte und wegrollte.
Daniel sah ihn unter zusammengezogenen Brauen verwirrt an, sagte aber nichts.
Nachdem Daniel aufgestiegen war, hatte Jack ihn furchtbar vermisst. Es war ein schwacher Trost, dass er nicht tot war. Jack erinnerte sich und die anderen immer wieder daran. Trotzdem – er war nicht mehr Teil von SG-1, sie sahen Freitags keine Hockeyspiele mehr an, er konnte nicht mehr in Daniels Büro platzen, mit seinen Artefakten spielen, mit ihm streiten, ihn aufziehen oder einfach auf irgendeinem langweiligen Planeten seine Gegenwart geniessen, während Daniel irgendwelche alten Steine untersuchte.
Eines Tages räumte Jack Daniels persönliche Sachen um, die er in seiner Wohnung aufbewahrte. Ihm fiel ein heller Pullover in die Hände, den er oft getragen hatte. Der, den Daniel auch als Aufgestiegener trug, als er ihn in Ba´als Gefängnis besuchte. Der Pullover roch nach Daniel, nach Wüstensand, Erde und Ton mit einer leichten Note von Metall, altem Papier, seinem Rasierwasser, Waschpulver, Kaffee, seiner Haut.
Jack wunderte sich für einen kurzen, surrealen Moment, warum er Daniels Geruch erkannte.
Air Force Colonel Jack O´Neill, Zyniker, Simpsons-Fan und permanent angepisster Macho vom (und im) Dienst, hatte sich normalerweise im Griff.
Ein Soldat weint nicht, verdammt nochmal. Jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit. Das war sein letzter Gedanke, bevor es ihn überkam.
Sein Gesicht in dem Pullover vergraben, rutschte Jack an der Wand des Gästezimmers auf den Boden und rührte sich für längere Zeit nicht vom Fleck. Seine Tränen sickerten unsichtbar in den Stoff. Er weinte und weinte, bis keine Tränen mehr kamen. Jack verlor jedes Zeitgefühl, während er hilflos an der Wand lehnte, sein Gesicht in Daniels Pullover gepresst. Innerlich und äußerlich erstarrt versuchte er der Welt zu entkommen. Doch es funktionierte nicht.
Stattdessen traf ihn die Erkenntnis wie ein Hammerschlag, dass er Daniel liebte.
Geliebt hatte.
Nein liebte! Daniel war nicht tot, verdammt nochmal!
Jack wusste nicht, wann es passiert war. Es hatte sich entwickelt, hatte sich in den Kern seiner Selbst geschlichen, das einzige was er wusste – es musste vor langer Zeit begonnen haben.
Daniels Pullover lag von da an auf Jacks Kopfkissen. Und Jack erlebte eine Art Identitätskrise. War er jetzt schwul? Bi? Offensichtlich.
Vorher hatte Colonel Jack O´Neill sich nie Gedanken über seine sexuelle Orientierung gemacht. Es war einfach selbstverständlich gewesen, eine Frau zu heiraten. Er war mal katholisch gewesen. Dass er sich in einen Mann verlieben könnte, war ihm nicht in den Sinn gekommen. So etwas hatte in der Vorstellungswelt eines Katholiken nicht zu existieren, Punkt. Und wenn doch, würde er dafür in der Hölle braten. Oder so ähnlich.
Jack hatte es sich nie eingestanden, dass mehr hinter ihrer Freundschaft stecken könnte. Er durfte eigentlich nicht einmal darüber nachdenken. Nicht mal als Ex-Katholik. Auch die Air Force erwartete, diesen Teil seiner Persönlichkeit streng von seinem Berufsleben fernzuhalten.
Er musste bitter lachen, als er über die Absurdität seiner Situation nachdachte. Einer seiner besten Freunde war ein Außerirdischer mit einer Schlange im Bauch. Er reiste wöchentlich oder öfter durch ein Wurmloch, erzeugt von außerirdischer Technologie. Besuchte Planeten bewohnt von Außerirdischen, die wahlweise die Macht hatten ganze Städte optisch zu tarnen oder mit großen, hupenden Weltraumkanonen auszuradieren.
Spielte es eine Rolle, dass er einen Mann liebte? Wohl nicht.
Einige Tage später war der erste Schock der Erkenntnis eingesickert, dass er Daniel liebte, geliebt hatte – oh, verflucht.
Jack begann nachzudenken.
Was hatte er, was brauchte er?
Er hatte – einen Daniel aus leuchtenden Glühtentakeln.
Er brauchte – einen echten Daniel zum Anfassen und Umarmen.
Das war ein Problem, für das er vorerst keine Lösung hatte. Also wieder zu den Fakten.
Er liebte einen Mann.
Seinen besten Freund.
Der jetzt als körperloses Wesen existierte.
Jack wusste von Carter, dass die Aufgestiegenen sich theoretisch zurückverwandeln konnten. Orlin hatte einen guten Grund dafür gehabt.
Daniel hatte keinen Grund so etwas zu tun. Was sollte es gegeben haben, was ihn auf der Erde gehalten hätte? Das Wissen der Aufgestiegenen musste das Paradies sein für ihn.
Jack gab die Hoffnung trotzdem nicht ganz auf. Sein Freund war nicht tot. Er war nur aufgestiegen. Das wurde sein tägliches Mantra.
Falls er doch wiederkam und seine persönlichen Dinge, seine Artefakte, seine Tagebücher wären weg – es wäre ein Schock für ihn. Und was wusste er schon von den Oma-Desala-Fans? Vielleicht gefiel es Daniel, in seinem Kram... herumzugeistern oder so. Jack lagerte all dies in seinem Haus, als ständige Erinnerung an den besten Freund, den er jemals hatte.
Seit seinem Zusammenbruch im Gästezimmer hämmerten seine Gefühle ungebeten in seinem Kopf, wochenlang. Wäre SG-1 schon wieder auf Missionen gegangen, er hätte nicht mitgehen können. Er schaffte es nach einiger Zeit, seine Gedanken soweit zu ordnen, dass er seine Arbeit machen konnte. Jack verbrachte trotzdem jedes verlängerte Wochenende und lange aufgeschobene Urlaubstage beim Angeln in seiner Hütte in Minnesota und dachte nach. Über Daniel und was er für ihn bedeutete.
Der Archäologe war von Anfang an hinter seine Mauern gekommen und Jack hatte keine Chance gehabt sich dagegen zu verteidigen. Nicht dass es es jemals versucht hätte.
Colonel O´Neill hatte einige Kameraden gehabt in seinem Leben, auf die er sich verlassen konnte. Einen betrachtete er als Freund. Jack hatte seinen Sohn nach ihm benannt. Doch das hatte Kawalsky sehr spät erfahren. Bald darauf starb er.
Dann kam Daniel, das Genie mit drei Doktortiteln. Promovierte latent angepisste Nervensäge. Sah ihn an und verstand, war einfach nur da. Nicht was berufliche Dinge betraf. Da stritten sie wie wütende Stiere. Aber wenn sie alleine waren, redeten sie über Dinge, über die Jack noch nie mit einem anderen Menschen gesprochen hatte. Daniel erhielt ihn am Leben, nachdem er seine Familie verloren hatte. Und sie konnten etwas, was Jack noch nie mit einem anderen Menschen erlebt hatte: Stundenlang nebeneinander sitzen oder laufen und einträchtig schweigen.
Teilten sie auf mehrtägigen Missionen ein Zelt, hatte er Daniel durch seine Alpträume geholfen.
Daniel hatte dasselbe für ihn getan.
Jack war dabei oft in Daniels Armen eingeschlafen, und Daniel in seinen. Daniel hatte damit angefangen. Nachdem Jack ihm im Traum fast das Nasenbein gebrochen hätte, hatte Daniel ihn kommentarlos an sich gezogen. Sie stellten fest, dass es funktionierte; anstatt sich die Nacht um die Ohren zu schlagen, konnten sie dann beide ruhig schlafen. Es gab keine Gelegenheit, das seltsam zu finden, denn die Selbstkontrolle, die Masken, die Mauern – das nahmen ihnen die Alpträume. Im Schutz der Dunkelheit vertrauten sie einander ihr nacktes, ungeschütztes Selbst an.
Nach Jacks Sicherheitsmaßstäben hätte weder er selbst noch Daniel an Kampfeinsätzen teilnehmen dürfen. Einer dieser Alpträume am falschen Ort zur falschen Zeit könnte eines Tages ihr Ende sein. Doch zu Daniels Expertise gab es keine Alternative. Und er, Jack, hatte versprochen, Sha´re zu finden. Der übrige Sinn seines Lebens nach Charlies Tod bestand darin, die Erde vor den Goa´ould zu verteidigen. Also ignorierte er seine Bedenken und spielte bei psychologischen Evaluierungen den perfekt ausbalancierten Air Force Colonel.
Jack hatte keine Wahl, er mußte sich schonungslos seinen Gefühlen für Daniel stellen, jedenfalls sich selbst gegenüber. Andernfalls würde er früher oder später bei McKenzie landen, und er hatte unter gar keinen Umständen die Absicht, DEN einzuweihen.
Eine Frage, auf die Jack lange keine Antwort fand: Auf welche Art liebte er Daniel?
Jack brauchte Daniel, wollte seine Gesellschaft, aber er fantasierte nicht über ihn. Fantasien über Sex waren ihm schon vor langer Zeit verloren gegangen, irgendwann zwischen Irak und Charlies Tod. Zu groß die Gefahr dass irgendein hinterhältiger Erinnerungsfetzen den Weg in die Story fand und ihn in einen ungebetenen Flashback riss.
Es dauerte mehrere Wochen, bis Jack es vor sich selber zugeben konnte: Er wollte Daniel küssen. Er wollte abends neben ihm einschlafen und morgens neben ihm aufwachen. Daniels Haut auf seiner spüren. Der Rest war zensiert. Darüber dachte er nicht nach. Das war noch zu... fremd. Und außerdem... nein, nicht dran denken.
Aber berühren, das war gut. Jack sehnte sich nach Berührung, nach Daniels Haut, nach seinen Händen. Er war seit langer Zeit unendlich einsam.
Jack kommunizierte über Berührungen. Damit ersetzte er ganze Konversationen.
Daniel hatte eine „Fass-mich-nicht-an“-Aura.
Jack war der einzige, den er ohne innere Abwehr in seinen persönlichen Raum eindringen ließ.
Ihre Freundschaft hatte immer schon zwei Ebenen gehabt. Da war die eine Seite, die professionelle. Sie brauchten sich als streitende Gegenspieler, um am Ende ein gutes Ergebnis zu erzielen. Auf der privaten Seite gab es keine gegenseitigen Verletzungen, auf dieser Ebene erkannten sie instinktiv, wann der Andere Unterstützung brauchte. Diese Regel hatte Jack ein einziges Mal übertreten. Als er glaubte, Daniel aus dem Asgard-Tollaner-NID-Problem heraushalten zu müssen, und er hatte es bitter bereut. In dem Moment war ihm nichts besseres eingefallen, als ihre Freundschaft in Frage zu stellen. Es tat ihm leid in der Sekunde als er es sagte. Aber Jack hatte geglaubt Daniel unter allen Umständen von der Sache fernhalten zu müssen. Nein, er hatte es nicht geglaubt, er hatte natürlich seine Befehle. Trotzdem zerfleischte er sich darüber, dass ihm etwas anderes hätte in den Sinn kommen müssen. Eine Ausrede, ohne Daniel zu verletzen. Irgendeine Möglichkeit, ihm eine Nachricht zukommen zu lassen. Oh, Junge. Es hatte Wochen und Monate gedauert, Daniels Vertrauen zurückzugewinnen.
Jacks Gedanken drehten sich im Kreis. Er wälzte seine Freundschaft mit Daniel hin- und her.
Und dann gab es da noch zwei klitzekleine Probleme mit ihrer Freundschaft.
Daniel war aufgestiegen. Sollte er nicht trauern um den abwesenden Freund, anstatt zu überlegen, welcher Art seine Beziehung zu Daniel war – die er vermutlich nie mehr haben würde?
Davon mal abgesehen: Erwiderte Daniel seine Gefühle?
Hatte er irgendwann erkennen lassen, dass er in Jack mehr sah als seinen besten Freund?
Daniel hatte ihn so unendlich liebevoll angesehen, als er auf der Krankenstation lag, nachdem Baal ihn durch die Hölle geschickt hatte. Hieß das er liebte ihn wie in Liebesfilm: Titanic – Bodyguard – Vom Winde verweht? War das O´Neill-Wunschdenken – oder waren die Aufgestiegenen immer so?
Daniel hatte ihm auf Abydos das Leben gerettet und fing dabei einen tödlichen Schuss. Zählte das als Liebe, oder hätte er das für jeden getan?
Daniel war jedenfalls immer für ihn da gewesen, wenn er Trost brauchte und es selbst nicht einmal bemerkte.
Der junge Archäologe war der einzige Mensch, mit dem er seine Trauer und seinen Schmerz teilen konnte. Und Daniel teilte seinen Schmerz mit ihm. Auch er hatte nie eine intensivere Freundschaft gehabt in seinem Leben. Es begann auf Abydos. Es ging weiter, als Daniel nach seiner Rückkehr von dort bei ihm wohnte. Sie hatten beide ihre Frauen verloren und mussten über die meisten Dinge gar nicht reden, verständigten sich wortlos mit Blicken, Gesten, Berührungen.
Sara gegenüber hatte Jack sich nie wirklich öffnen können. Er war ihr Mann, er war der Special-Ops-Macho-Arschloch-Colonel, der alles mit sich alleine abmachte. Er war stark für sie. Der große Beschützer.
Daniel stellte Jacks Welt auf den Kopf. Sie trösteten sich gegenseitig. Nicht dass Jack zugegeben hätte, dass er Trost brauchte. Aber danach fragte Daniel ihn gar nicht. Er tröstete ihn trotzdem.
Daniel hatte in den vielen Jahren in Pflegefamilien gelernt, seine Gefühle zu verbergen. Doch Jack gegenüber ging er sehr offen mit seiner Trauer über Sha´res Entführung um. Häufig hielt Jack seinen weinenden Freund im Arm, und auf eine seltsame Art war es so, als ob Daniel für ihn mitweinen würde. Daniel brachte Jacks eigene Trauer um seine zerbrochene Ehe an die Oberfläche.
Der junge Archäologe verlor kein Wort darüber, dass er es oft am Ende war, der dem harten Air-Force-Colonel den Rücken streichelte. Jack weinte nicht. Aber er strahlte oft eine Niedergeschlagenheit aus, Daniel das Herz brach. Sie brauchten einander in den ersten Wochen und Monaten nach Daniels Rückkehr von Abydos.
Nachdem Daniel aufgestiegen war, hatte Jack es alleine übernommen, seine persönlichen Sachen zu sichten, zu verpacken und aufzubewahren. Er war empört gewesen, wie Carter es wagen konnte in Daniels Tagebüchern zu lesen, als sie vor Jahren dachten er wäre auf Nems Planet zu einem Flocken Asche verbrannt. Das durfte sich nicht wiederholen.
Jack war froh, dass er so gehandelt hatte. Er fand später beim Umräumen einen Gegenstand in Daniels Besitztümern, der ihn sehr verwirrte. Und er war sicher, Daniel hätte nicht gewollt dass jemand diesen Gegenstand zu Gesicht bekam. Es war ein ziemlich lebensechter Dildo in einer dunklen Holzschachtel. Dies war eine Seite von Daniel, die Jack bisher nicht kannte.
Jack begann zu recherchieren. Er war katholisch aufgewachsen, hatte früh geheiratet und was Sex betraf, ziemlich naiv in mancher Hinsicht.
Warum um alles in der Welt hatte ein Mann einen Dildo? War er deswegen schwul? Gab es noch andere Gründe? So viel er wusste, hatte der Archäologe bisher nur Beziehungen zu Frauen gehabt, wenn überhaupt. Er nahm sich nicht die Zeit für ein Liebesleben, davon abgesehen, dass er lange Zeit um Sha´re trauerte.
Jack erfuhr eine Menge Neues bei seiner Recherche.
Wer Colonel Jack O`Neill nicht wirklich kannte, hatte schnell einen ersten Eindruck. Viele frühere Kollegen hielten ihn für ein gefühlskaltes, zynisches Arschloch. Im SGC galt er als spöttischer, sarkastischer, sardonischer Clown, Eishockeyfan und Wissenschaftler-Hasser, der General Hammond die Hölle heiß machte.
Dieser Eindruck täuschte fast jeden. Außer Daniel. Jack sprach nicht gerne über seine Gefühle. Er kapselte sie in sich ein. Konnte sie nicht mehr zeigen. Was nicht bedeutete, dass sie nicht da waren. Im Gegenteil, sie waren sogar sehr intensiv. Für Jack waren Gefühle Zeit seines Lebens eine Bedrohung gewesen, besonders seit Beginn seiner Air-Force-Karriere. Er lernte, sich immer besser unter Kontrolle zu halten.
Doch die vielen kleinen und grossen traumatischen Erlebnisse eines Kriegers und die wirklich schlimmen traumatischen persönlichen Erfahrungen in Jacks Leben suchten sich Wege nach draußen. Als Jack sich nach Charlies Tod das Leben nehmen wollte, hinderte ihn der Archäologe nachdrücklich und mehrfach am Sterben.
Daniel war sein Anker gewesen, seit er in Jacks Leben trat, und er war es auch als aufgestiegenes Wesen.
Jack träumte ungewöhnlich häufig und sehr lebendig von Daniel, seit ihm in der Episode mit dem Pullover klar geworden war, dass er ihn liebte. Traum-Daniel tauchte meistens auf, bevor sich seine Alpträume in unerträgliche Richtungen wendeten. Traum-Daniel war manchmal wie ein verfluchter Psychologen-Schrumpfkopf, der ihm half, das Geschehen mit Abstand zu betrachten. Der erste verfluchte Schrumpfkopf, der zu Jack durchdringen konnte. Der ihm half, die Bedeutung der Erlebnisse für ihn selbst zu bewerten. Nicht zu tief einzutauchen. Nicht mitgerissen zu werden von der Flut der schrecklichen Gedanken. Er half ihm, seine Erlebnisse zu verarbeiten. Daniel hielt sein Versprechen – es wurde alles wieder gut, was Baal betraf. Diese besonders verabscheuungswürdige Schlange wurde erstaunlicherweise keine prominente Gestalt seiner Alpträume.
Im echten Leben begann Jack in dieser Zeit, Klavier zu spielen. Er brachte es sich selbst bei, auf Daniels Flügel, den er ins Gästezimmer gequetscht hatte. Am liebsten spielte er Chopin aus Daniels Notensammlung. Jack bemerkte, dass er über die Musik mit Daniel kommunizieren konnte. Auch Aufgestiegene schienen den Klängen nicht widerstehen zu können. Oft lächelte Jack, wenn ein Windhauch über seine Wangen und seinen Rücken strich, bei geschlossenen Fenstern. Nein, er strahlte, über das ganze Gesicht. Dieses Strahlen war nur für Daniel.
Jack wusste, dass er schnell und mühelos lernte – wenn er wollte. Allerdings verbarg er diese Fähigkeit sorgfältig vor anderen, seit er erwachsen war. Auf der Akademie hatte niemand außer seinen Lehrern davon gewusst, oft nicht einmal die. Die genervten Gesichter von Wissenschaftlern waren die Mühe Wert, komplizierte Wörter bis zur Unkenntlichkeit zu entstellen oder flapsige Abkürzungen zu finden. Das war einer von Jacks Lieblingsstreichen, und er spielte ihn inzwischen so automatisch, dass er die echten Fachausdrücke oft absichtlich vergaß. Was sein Cover um so glaubwürdiger machte.
Im Einsatz war es schon immer ein Vorteil gewesen, wenn der Gegner ihn unterschätzte. Es gab Gründe dafür, warum er wichtige Bereiche seines Privatleben selbst vor seinen engsten Freunden verbarg, auch vor Carter und Teal´c. Außer Daniel kannte niemand seine wahre Motivation dafür, dass er eine umfangreiche Sammlung von Literaturklassikern in seiner Hütte aufbewahrte. Er las das Zeug. Heimlich.
Ob es Daniels Idee gewesen war, dass Jack sich der Musik zuwandte? Jack wußte es nicht mehr.
Es gab jedenfalls nur wenig, wobei Daniel ihm nicht helfen konnte. Das waren die Erinnerungen, die Jack vor sich selbst versteckte.
Irgendwann veränderten sich Jacks Träume. Charlies Tod, Baal und die anderen Dämonen verschwanden, die sein Leben so lange überschattet hatten. Er träumte von lichtdurchfluteten Wochenenden in seiner Hütte, mit Daniel an seiner Seite. Sie angelten, wanderten, spielten Schach, kochten und aßen gemeinsam. Meistens in stiller Gemeinschaft, die nur weniger Worte bedurfte. Sie kommunizierten intuitiv. Es war so leicht mit Daniel. Er war einfach nur da, sah ihn an, verstand.
In einem Traum saßen sie abends auf dem Steg vor der Hütte, die nackten Füße im Wasser, neben ihnen am See ein Lagerfeuer, die Sonne ging unter. Kitschiger war nicht mehr möglich.
Jack nahm Daniels Hand in seine, legte die freie Hand um seinen Nacken, sah ihn an.
Flüsterte „Ich liebe dich. Ich liebe dich so sehr dass es wehtut. Ich weiss ich bin ein Mann und das passt nicht. Aber das ist auch nicht so wichtig. Ich kann auch ohne die ganze Sache leben. Also ohne Sex, wenn du das nicht möchtest. Ich vermisse dich so sehr.“
Daniel sah ihn aus großen blauen Augen an und legte seine Hand an Jacks Gesicht.
„Verdammt nochmal, Daniel... ich liebe dich. Komm zurück aus dem Glühquallen-Land, bitte, Daniel. Komm zurück. Ich... ich brauche dich.“
Der Linguist gab keine Antwort. Jedenfalls nicht mit Worten.
Er küsste Jack, wie ihn noch niemand zuvor geküsst hatte. Sanft, leidenschaftlich, unendlich liebevoll. Jack hatte sich in seinem ganzen Leben noch nie so geliebt gefühlt.
Als er erwachte, war sein Kissen nass von Tränen. Er schämte sich nicht.
Die Träume mit Daniel waren intensiv, und er konnte sich an jedes Detail erinnern, wenn er erwachte. Jack fragte sich seitdem, ob Traum-Daniel wirklich ein Produkt seines Gehirns war, oder ob der richtige Daniel sich in seine Träume schlich.
Traum-Daniel kam wieder. In manchen Träumen taten sie nichts anderes als küssen. Sich festhalten. Traum-Daniel forderte nichts. Er tat nur Dinge, mit denen Jack sich wirklich wohlfühlte. Küssen. Im Arm halten. Streicheln.
Und dann passierte etwas, was ihm den Boden unter den Füßen wegzog.
Nachdem Anubis Abydos zerstört hatte, verschwand Traum-Daniel.
Jack fürchtete um seinen Verstand. Er war süchtig danach geworden, Daniel in seinen Träumen zu haben. Es war das einzige, was ihn über Wasser hielt seit Daniel weg war. Eine Weile träumte er regelmäßig davon, alleine in seiner Hütte zu sein. Es klopfte an der Tür, und wenn er öffnete, stand dort niemand.
Langsam kamen die Alpträume wieder. Eine Dunkelheit ergriff Besitz von seinem Leben, die er schon einmal erlebt hatte. Die nur Daniel zu verscheuchen vermocht hatte.
Dann wurde Daniel von den Aufgestiegenen zurückgeschickt. Zwei Wochen zuvor war Jack kurz davor gewesen, seinem Leben ein Ende zu setzen. Was ihn davon abhielt?
Daniel hätte durchgehalten, sagte er sich. Daniel hätte versucht herauszufinden, was passiert war. Und so gab Jack die Hoffnung nicht auf.
Ihre erste Begegnung war ein Schock für Jack, als sein Freund ihn nicht erkannte.
Aber es dauerte nur wenige Tage, bis Daniel sich wieder an die wichtigsten Dinge erinnerte. An ihre Freundschaft. An Details.
Jack hatte seine Tagebücher und viele persönliche Gegenstände für ihn aufgehoben. All das half Daniel, sich an vieles mehr zu erinnern.
Schon nach der Sache mit Anubis Schiff dachte er, wieder fast alles zu wissen. Nach den Missionsberichten füllten seine Tagebücher die Details.
Es war hart für Daniel. Jack saß mehrere Abende neben ihm auf der Couch, als sein Freund darin las. Daniel versuchte es immer zu verbergen, aber manchmal liefen ihm beim Lesen Tränen über das Gesicht. Jack saß dann meistens dicht neben ihm, Schulter an Schulter. Er wehrte sich nicht, wenn Jack ihn wortlos in den Arm nahm. Sie redeten nie darüber.
Daniel hätte die Wahl gehabt, zum Lesen ins Gästezimmer zu gehen. Er tat es aber nicht.
Meistens erinnerte Daniel sich danach an viel, viel mehr als er gelesen hatte.
Für Jack bedeutete es, er konnte daran denken ihm seine Gefühle zu gestehen.
Piece of cake. Jack hatte die einfachste wichtige Entscheidung seines Lebens getroffen, nachdem Daniel zurück war. Er wollte mit ihm zusammen sein, wenn es nach ihm ging. Tag und Nacht. Eine Beziehung. Sex war optional. Falls Daniel wollte. Er selbst – er musste das nicht haben. Küssen wäre schön. So wie in Jacks Nicht-Träumen. Genau genommen, Sex und Küssen waren die einzigen Intimitäten, die sie in der Realität noch nicht geteilt hatten. Das, was man im Allgemeinen mit einer „echten“ Beziehung verband.
Uuuuh huh.
Und gerade eben hatte Daniel ihn gefragt, ob er sich eine Beziehung mit einem Mann vorstellen könnte.
Jack musste herausfinden, wie er das meinte.
Ob er das wollte was Jack hoffte was er wollte.
Jetzt, wo Daniel die Chance auf ein normales Leben als Mensch hatte. Auf eine Frau. Vielleicht Kinder. Ob Daniel mit dem Ballast klarkam, den er mitbrachte, was die körperlichen Seiten einer Beziehung anging. Genau genommen, es war Jack egal ob Daniel weiter mit Frauen schlafen wollte oder sogar mal Kinder haben. Das wichtigste für ihn war, Daniel lebte und war in seiner Nähe. Möglichst jeden Tag. Ob es wohl eine Frau für Daniel gab, die einen besonders guten „besten Freund“ akzeptierte? Sha´re hätte das getan, das wusste Jack aus Daniels Berichten. Auf Abydos war es üblich, mit einer Frau verheiratet zu sein und gleichzeitig Beziehungen zu Männern zu unterhalten.
Daniel würde nicht vor ihm zurückschrecken, wenn er ihm seine Gefühle offenbarte. Dessen war Jack sich sicher. Es entsprach nicht seiner Natur. Sie konnten über alles reden und streiten. Zur Hölle, sie hatten schon versucht sich gegenseitig zu töten. Zugegebenermaßen unter extremen Umständen.
Und sie waren immer noch Freunde.
„Jack, reichst du mir mal die Salatschüssel?
Erde an Jack? Die Salatschüssel.
JAaaaaCK??“
„Was!?“
< o >
Jack schüttelte die Grübelei über den gestrigen Abend ab und bemerkte, dass er in Gedanken die Silikonfuge vom Fensterrahmen abgeknibbelt hatte. Ärgerlich schnippte er sie weg.
Endlich hörte er ein Auto in der Einfahrt, dann einen Schlüssel im Schloss und Daniel stand neben ihm im Eingang, mit nassen Haaren. Der Archäologe sah irgendwie müde aus. Jack war erleichtert, dass er zurück war. Er konnte das Bedürfnis nicht unterdrücken ihn zu um umarmen. Jack schlang seine Arme um Daniels Körper, sanft aber energisch, und nicht bereit loszulassen. Sein Kopf ruhte auf Daniels Schulter, er hatte seine Augen geschlossen und atmete den Geruch seines Freundes ein.
Es war ein Déja-vu von früher, von vielen anderen Umarmungen. Er fragte sich kurz, ob er so vor anderen preisgegeben hatte, was er für Daniel fühlte, ohne es selbst zu wissen.
„Ich hab dich so vermisst,“ murmelte er undeutlich in Daniels Jacke.
„Hey, bin nur zwei Stunden zu spät. Musste Sam noch was helfen,“ sagte Daniel, schob Jack an den Schultern ein wenig von sich weg und sah ihn erstaunt und ein wenig verwirrt an. Es kam häufiger vor, dass Jack ihn umarmte. Allerdings hatte er das noch nie getan, wenn er an einem normalen Tag einfach so nach Hause gekommen war. Und dieses Mal war es irgendwie anders. Jacks Hände, sie lagen so weich auf seinem Rücken. Es.. es fühlte sich... intim an. Liebevoll. So wie... Eine vage Erinnerung keimte in Daniels Kopf auf. Aber er konnte sie nicht greifen. Konnte es sein, dass Jack Gefühle für ihn hatte, trotz Sam, trotz allem, obwohl er doch eigentlich... ?
„Ich meine... ich hab dich das letzte Jahr vermisst,“ sagte Jack. Er verbarg sein Gesicht wieder in Daniels Halsbeuge.
Daniel war zurück.
In seinen Armen.
Danke, Oma Desala, altes Miststück. Du bist ein Miststück, aber... danke. Danke für Daniel.
Es dauerte immer eine Weile, bis Daniel sich auf Umarmungen einlassen konnte. Er mochte nicht angefasst werden. Wenn überhaupt durfte das nur Jack. Seine Hände schwebten jedes Mal einen Moment unsicher über Jacks Schultern, bevor er sich überwand und seine Arme fest um seinen Freund schlang. Daniel spürte große Anspannung in Jack, und strich mit dem Daumen beruhigend über sein Schulterblatt.
Jack war froh, dass Daniel vom Regen nass war. So mischte sich die Träne, die er nicht zurückhalten konnte, ungesehen mit den Tropfen auf Daniels Hals.
Sie standen eine Weile so da, die Arme umeinander gewickelt.
Als Jack Daniels Gesicht in seine Hände nahm und ihn küsste, kam diese Bewegung tief aus seinem Herzen. Es war keine bewusste Entscheidung. Jack tat das, was er bis vor einigen Monaten immer und immer wieder in seinen Träumen getan hatte. Traum-Jack hatte die Kontrolle übernommen und küsste den echten Daniel.
Daniel war zu überrascht um zu reagieren, irgendetwas zu tun oder zu denken. Das Erinnerungsbild kam näher, als Jacks Lippen auf seine trafen. Aber auf eine seltsame Art blieb die Erinnerung unerreichbar. Hatte er das hier schon mal getan? Es spielte für den Moment keine Rolle. Jack küsste ihn, als hinge sein Leben davon ab. Daniel ließ sich fallen in Jacks zärtlich zupfenden Mund, gewährte der fragenden Zunge Einlass, die über seine Lippen strich. Er erwiderte den Kuss leidenschaftlich.
Irgendwann löste er sich atemlos von Jack und stolperte beinahe rückwärts in das Fenster neben der Tür. Jack packte ihn reflexhaft am Arm und verhinderte den Sturz.
„Wow.“ Daniel starrte erst auf den Boden, dann in Jacks Augen, seine Hand um Jacks Arm gekrallt.
„Jack, bist du verrückt?! Das... das... dürfen. Wir. Nicht. Tun.“
Er zwickte verwirrt in seine Nasenwurzel.
„Haben wir das früher schon getan? Sie stellen dich vors Militärgericht und dann...“
„Stopp, Daniel.“ Jack schüttelte den Kopf und schob Daniel mit langen Schritten Richtung Wohnzimmer auf die Couch. Sie setzten sich, direkt nebeneinander. Jack nahm Daniels rechte Hand in seine, umklammerte sie mit beiden Händen wie eine Rettungsleine. Er starrte auf ihre Hände und brachte kein Wort heraus.
„Daniel,“ krächzte er irgendwann hilflos. Er fühlte sich überfordert mit solchen Dingen.
Verflucht!
„Jack?“ Der Archäologe hob freie Hand an Jacks Kinn, hob es sanft mit dem Zeigefinger an.
„Ich wusste nicht... ich hatte keine Ahnung...?“
„Ich auch nicht, Danny, glaub mir.“
Plötzlich flippte Jack von der Couch hoch, verschwand mit wenigen hektischen Schritten in der Küche und tauchte mit einer Whiskeyflasche und Gläsern wieder auf.
„Also.“ Jack beugte seinen Kopf über den Couchtisch und rieb sich den Nacken, während er großzügig Whiskey in die Gläser goß. „Du hast mir gestern beim Essen eine Frage gestellt. Du weißt schon, das mit dem... Deshalb vermute ich... war es ok, dass ich dich geküsst habe?“ Er spürte Daniels Blick auf sich ruhen und sah zögerlich auf.
„Ja, ich denke schon.“ Daniel kaute auf seiner Unterlippe und umklammerte das Whiskeyglas mit beiden Händen. „Jack, was passiert hier? Hatten wir eine Beziehung, bevor ich aufgestiegen war?“
„Nein.“ Jack räusperte sich und nahm einen tiefen Schluck aus seinem Glas. Er fixierte den fast freigelegten Boden als wäre es ein Fernseher mit der letzten Folge der Simpsons.
„Warum glaubst du das?“
„Es ist... als du mich eben geküsst hast, hatte ich das Gefühl... eine Erinnerung war zum Greifen nah, aber ich kam nicht ran. Sehr seltsam. Anders als die anderen Erinnerungen, die ich bisher wiedererlangt habe.“
„Uuuhuh.“ Jack verzog das Gesicht. „Mach diese Kel´no´reem-Sache mit Teal´c, wenn er wieder fit ist. Ich denke, wir... also, du hast mich im Traum geküsst, als du aufgestiegen warst. Ich bin nicht sicher, aber... Jedenfalls dachte ich zuerst, es wären Träume. “
„Wow, das ist... ich erinnere mich nicht. Es ist verwirrend. Wir... wir hatten vorher keine Beziehung. Nach dem, was ich in meinen Tagebüchern gelesen habe.“
Daniel senkte den Kopf und fügte leise und verlegen hinzu „Leider.“
Jack blies die Backen auf. Er ließ die Luft entweichen, tippte nervös mit dem Zeigefinger gegen sein Glas. Verfolgte die Lichtreflexe auf der bernsteinfarbenen Flüssigkeit. „Ich.. ich war … verzweifelt. Ich habe dich in meinem Traum gebeten zurück zu kommen, Daniel. Und ich... ich habe dir gesagt...“
Jack zwang sich, Daniel anzusehen.
„...dass ich dich liebe.“
„Jack.“ Unsicher, fragend und verwirrt sah Daniel in Jacks warme braune Augen. In diesem Moment konnte er mit der Realität nicht ganz Schritt halten, und das wollte etwas heißen bei seiner normalen Denkgeschwindigkeit.
„Daniel. Ich liebe dich.“ Jacks Stimme war ein heiseres Krächzen und er hielt unwillkürlich den Atem an. Er stellte endlich sein Whiskeyglas ab und nahm Daniels rechte Hand, seine Lippen streiften den glatten Unterarm, bevor er langsam und zärtlich Daniels Puls küsste. Jack hielt Daniels Blick fest, die Sekunden dehnten sich zu Minuten, während er wartete, auf irgendeine Reaktion, irgendeine Antwort. Eine eiskalte Faust legte sich um seinem Magen. Das hier war der Wendepunkt seines Lebens. Und Daniel hatte in der Hand, was passierte. Daniel hatte sein Leben in der Hand.
Dann fühlte er Daniels Hand um seinen Nacken kriechen und weiche Lippen verschmolzen mit seinen.
Der talentierte Linguist konnte sich unmissverständlich ohne Worte ausdrücken.
Jacks Anspannung löste sich auf in einen glücklichen Rauschzustand.
Alles zerfaserte in kleinen elektrischen Ladungen, die über ihre Lippen und Fingerspitzen den Weg in ihre Körper fanden. Die Welt löste sich auf in Gefühl, Geschmack und Geruch. Whiskey, salziger Schweiß, Shampoo, Kaffee, Haut und Rasierwasser.
Sie wussten beide nicht, wie lange sie sich geküsst hatten. Irgendwann hielten sie sich benommen im Arm, an das Rückenteil des Sofas gelehnt.
Daniel löste sich nach einer Weile ein wenig von Jack.
„Jack, ich... ich weiß nicht was ich sagen soll. Da gibt es 'Don´t ask, don´t tell', und wir sind in einem Team, und ich dachte du liebst Sam und... . Bin ein bisschen überwältigt, schätze ich.“
„Vergiss die Air Force. Es hat mich viel Zeit gekostet das hier“ - er wedelte mit der Hand zwischen ihnen beiden hin- und her - „herauszufinden. Verdammt, du musstest erst ins Glühquallen-Land umziehen, bevor ich es gerafft habe.“
Jack holte tief Luft. „Niemand hat das Recht zu fragen, was wir zusammen tun, und wir werden es niemandem sagen. Allerdings bin ich dein Vorgesetzter, und deshalb verbietet die Air Force das, rein theoretisch...“
„Vorgesetzter - nur in militärischen Dingen, Colonel. Als ziviler Berater stehe ich außerhalb der Kommandokette.“ schnaubte Daniel belustigt.
„Ohhh yeah. Das reibst du mir bei jeder Gelegenheit unter die Nase, Dr. Jackson.“
Daniel wurde wieder ernst.
„Du könntest deshalb in ernste Schwierigkeiten geraten, Jack. Und wenn jemand uns außerhalb der Basis verfolgt und Fotos macht? NID und so weiter?“
Die ganze Sache war schwierig. Jack hatte sich wochen- und monatelang den Kopf darüber zerbrochen, noch als Daniel aufgestiegen war, als er sich an den Strohhalm klammerte er könnte zurückkehren. Die Sache mit dem Regelbruch war in diesem Sinne nicht gegen seine Natur. Jack brach Regeln, wenn es notwendig war. Allerdings tat er das für andere und nicht für sich selbst. Er tat es wenn er glaubte, dass es die menschlich richtige Entscheidung war.
Jack wusste aber auch: Er konnte ohne Daniel nicht weitermachen. Das bedeutete, falls er aufhörte - jemand anders musste seinen Job übernehmen, vielleicht ein junger Mensch mit Familie, jemand, der den Feind da draußen noch nicht so gut kannte wie er, jemand mit weniger Kampferfahrung. Und es war eben einfach ein verdammt gefährlicher Job.
Also hoffte er, dass er es schaffte, in der Öffentlichkeit seine Finger von Daniel zu lassen, um DADT zu befolgen. Augen zu und durch. Die Situationen war ohne Ausweg, egal was er tat, es war aus irgendeiner Sicht falsch. Jack hatte oft gesehen, dass fehlende Erfahrung im Militär Menschenleben kostete. Er selbst hatte als junger Mann genug Fehler gemacht.
Diese Widersprüche zu ertragen, damit hatte er sein gesamtes Berufsleben lang Erfahrung. Allerdings waren die Widersprüche in diesem Fall nicht ganz so gelagert, wie Daniel dachte. Denn er hatte einen Auftrag ihm gegenüber, von dem der Archäologe selbst nichts wusste. Jack sprach nicht darüber. Er durfte nicht darüber sprechen, es hätte nach Ansicht seiner Vorgesetzten die Teamdynamik beschädigt.
Er hatte den ausdrücklichen Befehl, Dr. Daniel Jackson unter allen Umständen zurückzubringen. Vor Carter. Vor Teal´c. Seine Vorgesetzten waren der Meinung, es wäre ein armseliges Zeugnis für die Air Force, wenn der zivile Wissenschaftler, der das Gate geöffnet hatte, nicht vor den Gefahren da draußen geschützt werden konnte. Nicht nur weil er Zivilist war und absolut unersetzbare Fähigkeiten hatte. Das beides war schon Grund genug. Der Präsident sah ihn als Personifizierung des Projekts. Es war unabwendbar, dass das Stargate eines Tages an die Öffentlichkeit gelangen würde. Und wenn es soweit war, sollte Daniel dabei eine tragende Rolle spielen, von der er noch nichts wusste.
Jack hatte sein Team trotzdem bisher gleichermaßen geschützt. Und er würde nicht damit aufhören.
Der Colonel betrachtete Daniel unter einer hochgezogenen Augenbraue und schnaubte.
„Um ehrlich zu sein, ohne dich würde ich diesen Scheiss nicht mehr machen. Als du nicht mehr in meinen Träumen warst, bin ich nach ein paar Wochen fast durchgedreht, Danny.“ Jack krampfte seine Handflächen ineinander und sprach sehr leise weiter.
„Ich funktioniere nicht mehr ohne dich. Wenn wir dich nicht gefunden hätten, wäre ich wieder in den Ruhestand gegangen.“ Und hätte mir Tag für Tag in meiner Hütte das Hirn weggesoffen, bis ich alkoholisiert im See ertrunken wäre. Aber das sagte Jack nicht laut. Er wischte mit beiden Händen über sein Gesicht. Und er weigerte sich genauer darüber nachzudenken, wie sein Klon sich jetzt fühlte, ohne Daniel. Jugendliche Hormone und inzwischen fehlender Katholizismus schienen jedenfalls hilfreich zu sein, einen Neuanfang mit dem Leben und mit Frauen zu wagen.
„Hmm-mmm.“ Daniel sah ihn kurz von der Seite an und betrachtete dann eingehend die Kante von Jacks Couchtisch. Er wusste nicht, was er dazu sagen sollte. So offene Bekundungen der Zuneigung war er nicht gewöhnt. Nicht mehr, seit seine Eltern gestorben waren, und auch nicht von Jack.
Jack rutschte kurz unbehaglich hin- und her, bevor er weiterredete.
„Wenn sie uns wirklich kompromittieren wollten, welcher Feind auch immer, dann hätten sie schon vor Jahren heimlich Fotos machen können. Das heißt, sie sind noch nicht auf die Idee gekommen. Weisst du wie oft wir ineinander verknotet nebeneinander geschlafen haben, wenn einer von uns Alpträume hatte?“
Er lachte humorlos.
„Es ist mir nur nie in den Sinn gekommen, dass es kompromittierend sein könnte. Dass du für mich viel, viel mehr warst und bist als ein Freund. Und dass Männer mit anderen Männern.. du weißt schon... damit habe ich mich nie wirklich beschäftigt. Hatte keine Ahnung dass es mich mal betreffen könnte.“
Jack grunzte wegwerfend.
„Ich war wirklich gut darin Dinge zu verdrängen, die ich nicht sehen wollte. Oder... die zu sehen ich zu blöd war. Ich würde wieder in den Ruhestand gehen, Daniel. Wenn der NID Schwierigkeiten macht, tue ich es. Wir werden vorsichtig sein müssen. Letzte Woche habe ich wieder zwei Wanzen und Kameras entfernt. Wird Zeit, dass Carter mit ihrem verbesserten Detektor fertig wird.“
Geistesabwesend griff Jack nach Daniels Hand.
„Außerdem hast du jetzt einen offiziellen guten Grund, mich wirklich regelmäßig zu besuchen.“
Ein kurzes Lächeln spielte um Jacks Mundwinkel, als Daniel ihn verwirrt unter hochgezogenen Brauen ansah.
„Wenn du deinen Flügel spielen willst, musst du herkommen. Es war wirklich sehr aufwendig, den ins Gästezimmer zu quetschen. Die Transportfirma und der Klavierstimmer haben mich ein Vermögen gekostet. Und der Handwerker, der den Türrahmen wieder eingesetzt hat.“
Jacks selbstgefälliges Grinsen verblasste. Der Colonel entwickelte großes Interesse für seine Fingernägel, als er sehr leise hinzusetzte
„Und ich spiele jetzt auch.“
„Wow.“ Daniel strahlte ihn an. Dieser Mann verfehlte es nie, ihn zu überraschen. Jack strahlte zurück, erst zögerlich, dann glücklich und offen.
„Aber im Moment... wir wissen beide was da draußen passiert. Was uns bedroht. Wir sind nicht in Sicherheit auf der Erde. Wir müssen weiterkämpfen. Also, verdammt nochmal – ich mache weiter, um die Erde zu retten. Nur“ - Jack fuchtelte mit dem Zeigefinger in der Luft nach oben - „deswegen. Aber nicht zu jedem Preis.“
„Dann werden wir zusammen weiterkämpfen, Jack.“
„Hoffentlich, Daniel.“ Jack deutete auf seine Knie. „Keine Ahnung wie lange die noch mitmachen.“
Er lehnte sich auf dem Sofa zurück und sah ihn an.
„Also wenn du mich überhaupt haben willst, kaputt und alt und vernarbt wie ich bin...“
Daniel nahm Jacks Hand.
„Ich... ich gebe zu, ich bin im Moment etwas verwirrt und überwältigt, aber... ja, ich will dich haben. Mit jeder Narbe auf deinem Körper und in deiner Seele, Jack.“
Er presste ihre Hände an sein Gesicht und versuchte mit aller Macht sich die Tränen zu verbeißen, die in seinen Augen schwammen. Es war alles zu viel im Moment. Emotionen, mit denen er nicht klargekommen war. Unerfülltes Verlangen, Verzweiflung, unerreichbare Liebe.
Und plötzlich schien sich alles in Wohlgefallen aufgelöst zu haben und der Archäologe konnte es nicht glauben. Zu schön um wahr zu sein. Wo war die Falle? War das alles echt, oder träumte er nur?
Es gab so viele Fragen. Wie sie ihren Alltag regeln würden, was mit dem Team war. Er ließ ihre Hände in seinen Schoß sinken und sah Jack sehr ernst an.
„Aber du musst mir eine Frage beantworten, Jack. Und ich will eine ehrliche Antwort.“ Daniel runzelte die Stirn. „Was ist mit Sam? Ich dachte immer, du liebst sie. Und sie glaubt das auch.“
„Oh Gott, Carter...“ Jack rieb sich mit den Handflächen übers Gesicht. Wie er es hasste über solche Dinge zu reden. Nnnngh.
„Ich habe sie sehr gern, aber ich habe euch alle sehr gern. Auch für Teal´c würde ich alles riskieren. Ihr seid meine Familie.“ Er zögerte, sprach leise weiter.
„ Aus Carter und mir hätte vielleicht was werden können. Ich finde sie sehr attraktiv. Aber sie wollte nicht. Sie hat immer nein gesagt, wenn ich Zeit mir ihr verbringen wollte. Jetzt ist es zu spät. Manchmal... manchmal glaube ich, sie spielt ein Spiel mit mir. Aber das ist jetzt egal.“
Er schnaubte wieder und trank den letzten Schluck von seinem Whiskey, während er unruhig mit dem Zeigefinger auf seinen Oberschenkel tippte.
„Du weißt, warum Sara sich von mir getrennt hat. Mit Carter und mir wäre irgendwann das gleiche passiert. Du bist der einzige Mensch der mit mir klarkommt. Ganz davon abgesehen, dass sie mich mit ihrem Physiker-Technobabbel in den Wahnsinn treibt. Und soviel wir wissen ist es kein gutes Zeichen für die Erde, wenn die O`Neills und Carters zusammen sind. Erhöht die Chance, dass der ganze verdammte Planet hupend in die Luft geht.“
Daniel musste gegen seinen Willen kichern, aber er ließ sich nicht ablenken.
„Der einzige der mit dir klarkommt, Jack?“
„Hmmm, yeah... wir... wir können reden, oder?“
„Reden? Äh, Moment mal. Nein, Jack. Ich lasse dich schweigen. Meistens.“
„Ja, genau!“ Jacks Augenbrauen krochen unter seinen Haaransatz.
„Und Sara wollte immer dass ich rede. Hey, du... du verstehst mich auch so.“
„Hhhhm. Meistens. Und ja, ich bin auch hungrig.“
Sie einigten sich auf Pizza, die sie einträchtig nebeneinander auf dem Sofa verspeisten, während im Fernsehen der Rest eines Hockeyspiels lief.
Die Stimmung hätte merkwürdig sein sollen, dachte Jack.
Sie waren seit Jahren beste Freunde.
Sie hatten sich gerade gestanden, dass ihre Gefühle weit darüber hinausgingen.
Aber nichts war merkwürdig. Sie fühlten sich wohl miteinander. Daniel war die andere Hälfte seiner Seele. Das hier war richtig für sie beide. Wenn Jack noch einen Beweis gebraucht hätte dass er das richtige tat, das wäre er gewesen.
Daniel war trotz allem ziemlich überrollt von der Situation. Für ihn war eben ein großer Wunsch in Erfüllung gegangen, völlig ohne sein Zutun. Wenn er richtig darüber nachdachte, war heute der schönste Tag seines Lebens, seit langer langer Zeit. Und das war das Problem. Wenn Daniel Jackson einen Traum erfüllt bekam, zerplatzte er meistens kurz darauf vor seinen Augen.
Als sie essend vor dem Hockeyspiel saßen, hatte er Gelegenheit, die Enthüllungen des Abends auf sich wirken zu lassen.
„Jack?“
Der Angesprochene hielt in der Bewegung inne.
„Jack, das mit Sam... ich verstehe dass du dich zu ihr hingezogen fühlst.“ Daniel räusperte sich und betrachtete verlegen sein Pizzastück.
„Als sie auf Vis Uban in meinem Zelt war, da... da habe ich gedacht, dass wir vielleicht früher... ich finde sie auch sehr attraktiv und... äh.“ Zu ehrlich, Jackson. Das war... zu ehrlich. In dem Moment, in dem er es gesagt hatte, bereute er es. Oh, Gott. Daniel rieb sich mit den Händen über das Gesicht und schielte zwischen den Fingern zu Jack.
Jacks Augen wurden eine Spur dunkler. Er fühlte einen kleinen bösen Stachel der Eifersucht, die ihm eigentlich nicht zustand. Aber dann sah er in Daniels ängstliche Augen und drückte seine Hand. Er verstand plötzlich, warum Daniel ihm das anvertraut hatte. Es war ihm wichtig, dass diese Sache nicht zwischen ihnen stand. Dass Jack wusste, dass er sich für seine Gefühle nicht zu schämen brauchte, weil Daniel sie ein Stück weit teilte.
Was für eine Ironie. Eben hatten sie sich von ihrer Heterosexualität verabschiedet, um dann festzustellen, dass sie sich zu der gleichen Frau hingezogen fühlten, beziehungsweise gefühlt hatten, nein, irgendwie fühlen würden, wenn – brrrrrr. Daniels Kopf schwirrte.
Puh. Jack holte tief Luft. „Wir können ihr im Moment nichts über uns erzählen, Daniel. Es würde sie persönlich verletzten, denke ich. Ich habe lange geglaubt, ich könnte vielleicht irgendwann eine Beziehung mit ihr haben. Und es wäre eine Last für sie das mit uns beiden zu wissen, falls der NID an uns ran will. Und... ich weiß nicht wie.“
„Ich auch nicht. Glaub mir, ich auch nicht.“ Daniel umklammerte Jacks Hand. „Wir werden zusammen auf sie aufpassen. Und auf T. Wir müssen uns was ausdenken, um ihn aufzumuntern. Es war wirklich ein Schock für ihn, seinen Symbionten zu verlieren.“
„Mmmmh...“ Jack leckte etwas Sauce von seinem Finger.
„Für den Anfang eine Extraportion von seiner Lieblingsgötterspeise, sobald Fraiser Nahrung erlaubt, und dann sehen wir weiter...“
Als Jack später ins Schlafzimmer kam, lag Daniel in Boxershorts auf dem Bett und las. Er ließ seinen Blick über den muskulösen Körper des Archäologen wandern. In den letzten Jahren und mit dem Extra-Training der letzten Wochen hatte der Wissenschaftler sich von einem schmalen knochigen in einen sportlichen, kräftig gebauten Mann verwandelt.
Huh. Daniel war... heiß. Wirklich. Heiß. Und er war... wunderschön. Jack schluckte.
„Hey, Daniel. Bin ein alter Mann. Lass uns schlafen gehen, ok?“
Der Angesprochene zuckte bei der Frage zusammen. Daniel war wie immer in seinem Lesestoff völlig versunken.
„Du bist nicht alt,“ murmelte er abwesend, während er umständlich das Buch zuklappte.
„Graue Haare, kaputte Knie, zerschossener Körper - bin ich.“
„Bist du nicht.“
„Bin ich doch.“
„Nicht.“
Er legte das Buch auf den Nachttisch und hob etwas verlegen die Decke hoch.
Jack kuschelte sich seitlich an seinen Freund, schlang seinen Körper um Daniel, der seine Arme seinerseits um Jacks wickelte.
„Schlaf gut, Dannyboy.“
Daniel wollte nicht unbedingt schlafen, aber wenn Jack vorerst zu weiteren... Erkundungen nicht aufgelegt war, konnte er damit leben. Er vergrub sein Gesicht in Jacks Halsbeuge.
„Hmmmmph. Schlaf gut, Jack.“
Jack küsste Daniel auf die Stirn. Sie lagen lange da, Daniel auf der Seite, Jack auf dem Rücken. Atmeten im gleichen Rhythmus. Atmeten den Geruch des anderen ein.
Irgendwie zögerten sie beide, den nächsten Schritt zu gehen.
Daniel brach den Bann. Er erkundete langsam mit den Fingerspitzen Jacks Arm, die einzelnen Muskel, die Narben, verschränkte ihre Hände, als er unten ankam. Das flache Abendlicht vom Fenster zeichnete jede Erhebung, jede Vertiefung und jedes Haar doppelt deutlich.
Daniel drehte sich nach einer Weile in Jacks Armen um. Seine Lippen streiften Jacks Kehle, sein Kinn, fanden seinen Mund.
Er begann, mit seinen Fingerspitzen kleine Kreise auf Jacks Oberarme zu zeichnen. Seine Hände wanderten weiter zu Jacks Brust, während sein Kuss leidenschaftlich wurde. Noch nie hatte er so intim den Körper eines anderen Mannes berührt. Es war seltsam. Jack war vertraut, doch seinen Körper auf diese Art zu fühlen, fühlen zu dürfen, war neu und aufregend.
Jack antwortete auf seine Zärtlichkeiten mit sanften, fast schüchtern tastenden Händen, Fingern, Lippen.
Lange lagen sie nebeneinander, erforschten den vertrauten und doch fremden Körper des anderen.
Muskeln und Sehnen und Knochen anstelle der gewohnten Rundungen. Jack war überrascht, wie sehr ihm Daniels Körper gefiel, wie gut es sich anfühlte.
Irgendwann ergriff Daniel die Initiative und presste seinen Hüften an Jack.
Es war ein elektrisierendes, unglaublich erotisches Gefühl, als ihre Erektionen zusammentrafen. Ungeschickt mahlten und stießen sie ineinander, versuchten ungeduldig, Reibung zu erzeugen. Für beide war Sex lange her. Sie verschränkten schließlich ihre Finger über ihren Erektionen und pumpten, es fühlte sich intim an, so unglaublich intim, die eigenen Finger und die des anderen, ineinander verflochten, auf ihren stahlharten Schwänzen.
Jack hatte das Gefühl, sich selbst von weitem zuzusehen. Er explodierte zu seiner eigenen Überraschung als erster zwischen ihnen.
„Ohgott Daniel....“ Sein Freund und Geliebter lag schwer atmend auf ihm, sein Gesicht auf seiner Brust. Der junge Archäologe schlang seine Arme um den älteren Soldaten, wurde von seinem Gewicht niedergedrückt, doch das störte ihn nicht.
„Ich liebe dich, Jack O´Neill“, flüsterte er, flocht seine Finger in Jacks kurze graue Haare, küsste seine Schläfe.
„Ich liebe dich auch, Daniel Jackson.“ Für einen hypnotischen Moment fing Jack Daniels Blick mit seinem, so, als ob er eine Verbindung herstellen wollte, die nicht abriss, auch wenn er wegschaute.
Jacks Zunge zog über Daniels Hals eine Spur nach unten. Er wimmerte, als Jack seine Brustwarzen abwechselnd in den Mund nahm, daran saugte, knabberte und seinen Atem darüber streichen ließ. Jack fühlte an seinem Körper, dass Daniels Erektion inzwischen fast schmerzhaft hart sein musste. Aber er wollte Daniel ausführlich verwöhnen.
Sex mit Sara war für Jack immer ein Kontrast gewesen zu seinem brutalen Arbeitsalltag, eine absolute Ablenkung, fast schon eine Art Meditation. Er mochte keine heftigen Bewegungen, alles war sanft, zärtlich, romantisch. Der eiskalte Special Ops Air Force Colonel Jack O´Neill, trainierter Scharfschütze und fähig mit bloßen Händen zu töten, war auf der anderen Seite seines Selbst ein schüchternes, liebevolles, oft zögerliches Kuscheltier. Meistens war er selbst sich nicht darüber im Klaren, aber das war der wichtigste Grund dafür, dass er bei geistiger Gesundheit geblieben war – bei allem was er mitgemacht hatte.
Jack eroberte Daniel langsam mit seiner Zunge und seinen Händen, nahm sich alle Zeit der Welt. Er redete nicht gern mit seiner Stimme, doch was er tat sprach Bände. Daniels Hände zitterten, als er Jacks braune Augen suchte, zum ersten Mal in seinem neuen, menschlichen Körper fühlte und verstand, wie sehr Jack ihn liebte.
Der Archäologe keuchte leise, als Jacks Wange an seiner Erektion vorbeistrich. Schließlich kam er bei Daniels Füßen an, ließ seine Zunge über die Knöchel kreisen. Während er den rechten Fuß in die Hand nahm, setzte er sich auf, suchte Daniels Blick, sah ihn an, während er am großen Zeh knabberte, ihn küsste, schließlich einsaugte. Mit seinen Fingerspitzen liebkoste er die Fußsohlen, saugte weiter, Daniel hatte die Augen geschlossen und stöhnte tief. Am linken Fuß küsste Jack langsam und mit Umwegen eine Spur nach oben und beschloss dass es jetzt Zeit war, sich um die wesentlichen Dinge zu kümmern. Er nahm vorsichtig Daniels Hoden in seine Hand, legte seine Lippen um die Eichel, ließ seine Zunge kreisen.
„Ahhhh Jaaaajack-“
Die Stimme seines Geliebten, sein Geruch, half ihm, sich auf die Realität zu konzentrieren. Darauf, dass er das hier freiwillig tat. Es gelang ihm, die Bilder in seinem Kopf auszusperren. Im Hier und Jetzt zu bleiben.
Er wusste, wenn er sich diesem Problem nicht stellte, würde es ihn verfolgen und einholen und im schlimmsten Fall würde es ihn Daniel kosten. Nicht weil Daniel nicht ohne Blowjobs leben konnte.
Weil Daniel nicht mit IHM würde leben können, wenn er Nacht für Nacht schreiend aus Alpträumen erwachte, für die Daniel sich die Schuld gab.
Jack konzentrierte sich auf die weiche Haut an seinen Lippen. Leckte den Schaft auf und ab, nahm Daniels Erektion halb in sich auf, massierte die Basis mit der Hand. Saugte eine Weile kräftig an der Spitze, und unglaublicher Weise wurde Daniels Organ immer noch ein bisschen größer und härter.
Daniels Stöhnen wirkte sehr, sehr abwesend. „Vorsicht...“ brachte er noch heraus.
Jack verstand die Warnung, aber er wollte es für Daniel zuende bringen. Wollte ihm beweisen, dass er ihn liebte, dass er das hier für ihn tun konnte, wollte sich selbst beweisen dass er seine Dämonen beherrschte. Wollte die schlechten Erinnerungen durch positive ersetzen.
Er musste es einfach tun. Das ist für dich, Daniel. Ich liebe dich so sehr.
„Jack...“
Als Daniel in seinen Rachen spritzte, kostete es Jack seine ganze Selbstbeherrschung, die Erinnerungen in die hinterste Ecke seines Kopfes zu sperren. Doch er atmete bewusst Daniels Geruch ein, fühlte seine weiche Haut und ließ die Luft beim Einatmen tief in seinen Bauch strömen. Und schluckte alles. Jack schloss seine Lippen noch einen Moment um Daniels Schwanz, so lange, bis die Kontraktionen nachgelassen hatten. Dann spürte er Daniels Hände unter den Achseln, er wurde hochgezogen. Daniel schlang seine Arme um Jack, küsste ihn wild und genoss das Gewicht des älteren Mannes.
„Das war... wow... unglaublich.“ flüsterte er mit einem dämlichen Grinsen im Gesicht.
Jack lächelte glücklich und stuppste ihn mit der Nase an.
Daniels Herz brauchte eine Weile, um seinen normalen Rhythmus wiederzufinden. Sarah hatte sich geekelt zu schlucken, und Sha´re... sie war so schüchtern und ahnungslos wie er selbst.
Als Anthropologe wusste Daniel theoretisch eine Menge über Sex. All diese Dinge in die Praxis umzusetzen war eine ganz andere Sache. Aber schön.
Sie lagen eine Weile zufrieden nebeneinander.
„Jack? Hast du schon mal... jemanden… entjungfert?“
„Ja.“ Jack sah ihn an. „Sara, meine Frau. Exfrau. Und sie... sie mich. In unserer Hochzeitsnacht.“
Daniel erwiderte seinen Blick und flüsterte „Huh. Das ist... ich hatte keine Ahnung, dass... ich hätte gedacht....“
Jack beantwortete die unausgesprochene Frage in seinen Augen.
„Bevor Charlie... ich... ich bin religiös aufgewachsen. Meine Familie war sehr traditionell, katholische Iren. Das alles... es hat mir mal etwas bedeutet. Und Sara auch. Wir waren seit der High School zusammen und haben geheiratet, nachdem ich die Air Force Academy abgeschlossen hatte.“
Oh, es gab Gründe, warum seine Militärkameraden nicht das geringste von seinem Privatleben wussten. Der eiskalte ich-töte-dich-mit-bloßen-Händen-Jack O´Neill, der in der Hochzeitsnacht seine Unschuld verlor?
„Das heißt... wir zusammen... das nennen die Katholiken wohl eine Sünde,“ stellte Daniel zögernd fest.
Jack antwortete lange nicht. Er senkte den Blick, streichelte geistesabwesend mit dem Daumen über Daniels Schulter. Endlich sprach er.
„Nein, Daniel. Nein. Das kann ich nicht mehr glauben. Schon lange nicht mehr. Seit Charlie tot ist und wir zum ersten Mal durch das Stargate gegangen sind. Du bist alles was ich habe. Wir zusammen... es fühlt sich richtig an. “
Die Hand auf Daniels Rücken grub sich plötzlich fest in die Schulter, so fest, dass es fast schmerzte. „Wie kann Liebe falsch sein, Daniel?“
„Niemals. Niemals, Jack.“ Daniel erwiderte seinen Blick.
„Ich habe vor dir noch nie mit einem Mann geschlafen… . Wenn du... also ich schätze du hast auch noch nie...mit einem Mann?“
Es war Jack klar gewesen, dass diese Frage aufkam. Er hatte nur gedacht, sie könnten vorher ein paar Tage unbelastet zusammen genießen. Vertrau darauf, dass Dr. Jackson den Punkt trifft, dachte er, während sein Magen sich unwillkürlich zusammenkrampfte. Er schloss die Augen. Ein überwältigendes Gefühl der Übelkeit überflutete seinen Körper. Er schluckte schwer.
Das war die eine Frage, die er nicht beantworten wollte.
Aber er musste. Das schuldete er Daniel. Und sich selbst.
„Daniel, ich... nein, jedenfalls nicht freiwillig bisher,“ presste Jack hervor.
Daniel hielt den Atem an. Ein Puzzle in seinem Kopf setzte sich zusammen.
Jack hatte manchmal panisch in seinen Alpträumen geschrien. Beim ersten Mal hatte er ihn kräftig gepackt, als er ihn aufwecken wollte. Mit dem Ergebnis, dass Jack noch lauter geschrien und in Schweiß ausgebrochen war, um dann mit einer heftigen Bewegung hochzuschrecken. Daniel hatte Glück, dass er dabei nur eine Prellung am Oberarm davontrug. Bei späteren Alpträumen sprach Daniel leise mit Jack, bevor er ihn berührte. Und er vermied heftige Bewegungen.
Daniel streckte seine Hand nach Jacks Gesicht aus, sein Daumen strich über den Wangenknochen.
„Wann... Wer hat es getan?“
„Irak. Im Gefängnis.“ Jack zwang sich, Daniel anzusehen. Die Fältchen um seine Augen verkrampften sich.
Daniel ließ den angehaltenen Atem entweichen.
„Ich weiß nicht ob ich darüber reden kann, Danny. Vielleicht. Ich versuche es, ok?“ Ihre Blicke saugten sich aneinander fest.
„Ich werde für dich da sein, Jack. Egal wann. Rund um die Uhr.“
Der Archäologe bemerkte nicht, dass er den Atem anhielt.
„Jack, oh Gott. Ich...“ je ne sais pas que faire. Was... was soll ich nur tun. „Ich weiss nicht... wie... Jack, werden wir... können wir... wir müssen keinen Sex haben, falls das...“
Jack packte Daniels Schulter und schüttelte sie sanft.
„Ah-ah. Mach dir keine Sorgen. Ich bin nicht aus Zucker, ok? Du musst mich nicht in Watte packen. Ich... ich WILL mit dir Sex haben, Danny.“
„Ok. Ist... ok. Tut mir leid.“
Daniel wusste selbst, wie es war, wenn einen alle Menschen mitleidig ansahen. Er war zu lange der arme kleine Waisenjunge gewesen, um das Mitleid in den Augen der Anderen gründlich zu hassen.
Nur wie sollte er Jack NICHT in Watte packen? Es wäre unerträglich für ihn, seinen Freund unabsichtlich zu verletzen. Fragte sich, wie Jack auf die Idee gekommen war ihm einen Blow Job zu geben, wie es für ihn überhaupt war Sex zu haben. Oh Gott. Der Blowjob war gut gewesen, richtig gut. Nicht dass er viel Vergleichsmöglichkeiten hatte, aber... Scheiße. Zu wissen, dass Jack das im Gefängnis unter Zwang getan hatte, war grauenhaft. Solange Jack nicht erzählte, was ihm passiert war, würde er immer nervös sein.
Daniel beschloss für sich, intensiv über das Thema Vergewaltigung und Folter zu recherchieren. Als Anthropologe hatte er durchaus auch Beziehungen zu ehemaligen Kollegen, die er nutzen konnte.
Jacks Abneigung gegen Psychodocs, „Schrumpfköpfe“, wie er sie nannte, kannte er zu gut. Er teilte sie. Hatte selbst in seinem Leben zahlreiche Therapieversuche erdulden müssen, viele als Kind und einige bei der Air Force. Keiner davon war nützlich gewesen.
Merde. Merde. Merde. Nom d´un chien!
Er kannte einige Berichte von Folteropfern. Er fürchtete sich davor zu hören, was Jack erlebt hatte.
Und er machte sich Vorwürfe. Nie zuvor hatte er Jack danach gefragt, was ihm während seiner Gefangenschaft passiert war, obwohl sein Freund mehrmals Andeutungen gemacht hatte, wie schlimm es ihm ergangen war.
Jack war drogenabhängig gemacht worden, hämmerte durch seinen Schädel. Er erinnerte sich an jedes Wort, klar und deutlich. Und diese Andeutungen, die kamen von jemandem wie Jack dem Wunsch nahe, darüber zu reden.
War er wieder so in seiner Arbeit aufgegangen, dass für seinen besten Freund keine Zeit gewesen war? Hatte seine eigene Abhängigkeit von dem Sarkophag seinen Verstand so sehr vernebelt?
Unter diesen Voraussetzungen jedenfalls war ihr Liebesleben eine spannende Herausforderung. Daniel schwor sich, seine Arbeit nie mehr wichtiger zu nehmen als Jack.
„Schlaf gut, Jack. Ich liebe dich. Je t´aime.“
„Ich dich auch, Danny. Schlaf gut,“ flüsterte Jack.
Jack war ziemlich grau im Gesicht. Und die verkrampften Bauchmuskeln sprachen Bände. Wenn Daniel es ihm erlaubte, würde er weiterhin alles in sich vergraben, bis es ihn zerstörte.
Aber das wollte Daniel nicht zulassen. Daniel war fest um Jack gewickelt, die Nase in seinem Nacken vergraben und eine Hand auf seinem Bauch. Jack hatte sich wie ein Embryo eingerollt, seine bevorzugte Schlafposition.
Daniel murmelte in verschiedenen Sprachen kaum verständlichen Nonsens vor sich hin, Versicherungen, dass er Jack liebte, dass er alles tun würde um ihm zu helfen, um ihn zu beschützen. Dass es ihm leid tat, dass er ihn nicht früher darauf angesprochen hatte, sich nicht nach seiner Gefangenschaft, nicht nach seiner Drogenabhängigkeit erkundigt hatte. Er tat es nicht nur, um Jack zu beruhigen, sondern auch sich selbst. Und er wusste natürlich, dass Jack sowieso jedes Gespräch in diese Richtung abgeblockt hätte. Es wäre trotzdem meine Pflicht gewesen, es aus ihm herauszukitzeln. Herauszuschütteln, notfalls.
Es dauerte eine Weile, bis der Archäologe und Linguist sich soweit gesammelt hatte, dass er halbwegs sinnvolle Sätze von sich gab.
„Jack, ich verspreche dir, ich tue alles was ich kann... damit es... damit es weg geht. Ich weiß, manche Dinge gehen niemals weg. Aber manchmal kann man sie für eine kleine Weile vergessen, und dann noch für etwas länger, und irgendwann... denkt man nur noch selten daran.“
Er wusste es. Er hatte es selbst erlebt. Immer und immer wieder. Die Geschichte seines Lebens.
Daniel zögerte, bevor er seinen Gedanken weiter spann.
„Vielleicht... vielleicht kann ich es wegküssen...
Mit Sarah und Sha´re... es gab immer etwas, was wichtiger war als sie, Jack. Meine Arbeit. Sei geduldig mit mir. Es ist... ich kann nicht... du weisst schon. Ich möchte so viel Zeit mit dir verbringen wie möglich, ich werde versuchen... wenn ich wieder mal... du... du musst mich aus meinem Büro zerren, Jack. Wenn wir zusammen sind... alleine... bin ich für dich da. Du bist der wichtigste Mensch in meinem Leben. Ich möchte, dass es dir gut geht. Dass du wieder heil wirst.“
Jack wisperte so leise, dass Daniel es fast nicht gehört hätte, und seine Stimme brach über den zwei Worten.
„Danke, Danny.“
Sie brauchten beide lange, bis sie schlafen konnten. Etwas spukte in Daniels Kopf herum, er konnte es nicht greifen, es war... er wusste, es war Wissen, eine Sache mit der er Jack vielleicht helfen konnte. Aber er kam nicht darauf.
Irgendwann schlief Jack in Daniels Armen wie ein Baby. Daniel war seine ganz persönliche Alptraum-Scheuche. Und Jack war Daniels.
„Mgrrrlmpf,“ knurrte Daniel, als er Jacks Lippen an seinem Hals spürte. Doch Jack grinste nur. Es war fast halb zehn, Zeit sogar für Archäologen, aufzustehen. Praktischerweise waren sie ohne Boxershorts eingeschlafen. Er kroch unter die Decke. Ohne Vorwarnung nahm er Daniels morgendliche Erektion in den Mund und saugte kräftig.
Jack war nicht so entspannt wie er tat, aber er wollte unbedingt verhindern, dass Daniel zuviel darüber nachdachte, was sie zusammen tun konnten und was nicht. Er war überrascht, wie leicht es ihm fiel, Daniels Erektion in seinem Mund zu fühlen. Wie sehr es einen Unterschied machte. Das hier war Daniel, ein geliebter Mensch. Und er hatte die Kontrolle über die Situation.
„Ahhhhh....Jjjjck!!!“
Wach, definitiv. Er begann, hingebungsvoll um die Eichel zu lecken, schob seine Zunge in die Spalte, nahm Daniel so weit in sich auf wie er konnte, was der Linguist mit einem tiefen Stöhnen quittierte. Dann gab er ihm noch einen leichten Kuss auf die Spitze, bevor er sich an ihm hochschob, einen Kuss auf Daniels Mund pflanzte und feststellte:
„Kaffee ist fertig.“
Der Air-Force-Colonel reichte seinem Archäologen eine große Tasse. Daniel nahm sie mit halb geschlossenen Augen an, pustete kurz und trank.
„Danke, Jack.“ Daniel lächelte ihn schläfrig an.
Nach zwei Tassen – Jack hatte die Kaffeekanne gleich auf den Nachttisch gestellt – beschloss Daniel, dass er wach genug war. Es war Wochenende, sie hatten frei, und er wollte es genießen. Jetzt hatte er etwas zum genießen.
Daniel schlang Jack die Arme um den Nacken und zog ihn in einen ausgedehnten, verspielten Guten-Morgen-Kuss. Seine Hand wanderte tiefer und strich über Jacks halb erigierten Schwanz. Doch Jack stoppte ihn sanft.
„Da wartet noch ein unvollendeter Job auf mich,“ murmelte er in Daniels Halsbeuge, ließ sich nach unten gleiten. Er leckte Daniels Schaft, küsste und knabberte, bis Daniel steinhart war. Dann nahm er ihn ohne Vorwarnung tief in seine Kehle auf. Konzentrier dich, O´Neill. Das ist Daniel.
Ja. Er konnte es. Er wollte es. Gestern hatte er es zum ersten Mal in seinem Leben freiwillig getan, und die Welt drehte sich noch. Nein, falsch. Er hatte es aus Liebe getan. Und es war wundervoll gewesen. Sogar den Samen zu schlucken, Daniels Samen, war... es war wie eine Art... Reinigung, nachdem er so oft dazu gezwungen worden war. Er wollte Daniel in sich haben, schmecken, ihn in seiner Kehle kommen fühlen.
Daniel stöhnte lustvoll auf, als er sich so unerwartet von Jack umschlossen fühlte. Jack saugte und leckte abwechselnd, während seine Finger kräftig die Basis massierten.
Ein heiseres Keuchen, als Jacks Finger weiter nach unten wanderten und unter den Hoden massierte. Jacks Zunge schob sich in die Spalte der Eichel, gleichzeitig übte sein Zeigefinger sanften Druck an der Basis aus.
Daniel ergoss sich kurz darauf in seinen Mund. Jack entspannte sich bewusst, kannte jetzt das Gefühl, den Geschmack von Daniels Samen. Schluckte wieder alles, was Daniel ihm gab, umschloss seinen Schwanz, bis die Kontraktionen nachgelassen hatten.
Daniel lag halbaufgerichtet in den Kissen und schlang seine Arme um Jacks Schultern, als der ihn langsam, feucht und genießerisch küsste. Sein erster Impuls war „Bäh“, sein eigener Samen auf Jacks Zunge schmeckte ungewohnt. Aber irgendwie war es auch sehr, sehr erotisch.
Daniel fixierte Jack, nahm seine Gesichtszüge in sich auf als sähe er ihn zum ersten Mal. Es war ein seltsames Erlebnis, dass Jack Blowjobs gab wie ein Gott. Und ein gruseliger Gedanke, dass Jack es vermutlich mit einer Waffe am Kopf gelernt hatte. Diesen Gedanken versuchte Daniel allerdings so gut es ging zu verdrängen. Er hatte beschlossen, Jack die Führung darüber zu überlassen, wie weit sie gehen wollten.
Daniel fühlte Jacks Erektion an seinem Bauch. Aber die Realität zerstörte den Moment, und ein dringendes Bedürfnis wurde übermächtig. Shit. Merde!
„Warte einen Moment. Muss mal für kleine Archäologen.“
Als er aus dem Bad zurückkam, sah er Beine und einen Hintern auf dem Bett, der Rest verschwand irgendwo darunter.
„Was machst du da, Jack?“
„Versuche etwas aufzuräumen,“ kam es gepresst von unten.
Daniel ging um das Bett herum und stellte fest, dass Jack einen großen Haufen Angelzeitschriften und National-Geographic-Hefte darunter hervorgezogen hatte und sie neu stapelte.
Falsche Prioritäten, eindeutig. Es musste eine Möglichkeit geben, daran etwas zu tun...
Er setzte sich auf das Bett neben Jack und massierte die Unterseite seiner Beine. Ein kurzer Protestlaut ertönte unter dem Bett, der sich schnell in wohliges Grunzen verwandelte, als Daniels Hände geschickt die Muskeln kneteten, schließlich zu den Füßen wanderten und dort ihr Werk fortsetzten. Am Anfang sortierte Jack ungerührt weiter, doch als Daniel bei den Füßen angekommen war, schob er sich langsam wieder auf das Bett. Daniel dachte er hätte Jack wieder bei sich und wollte aufhören, aber ein leises „nicht“ hielt ihn davon ab.
„Das ist gut was du da machst, Danny,“ sagte Jack in die Matratze.
„Besser als Angelmagazine zu sortieren?“ grinste Daniel.
„Darauf kannst du wetten.“ Jack grunzte wieder ein bisschen und gestikulierte mit einer Hand wirr über seinem Kopf. „Die Stapel waren ein bisschen hoch. Sie... äh... würden umfallen, wenn wir das Bett... benutzen.“
Daniel nahm das Geständnis kommentarlos hin.
„Hast du Öl, Jack?“
„Bad.“
„Bleib dieses Mal liegen, ja?“
Daniel holte das Öl und fand Jack tatsächlich so vor, wie er ihn zurückgelassen hatte. Er goss es in seine Hand und wartete einen Moment. Dann verteilte er es auf Jacks Schultern und Rücken, kniete sich darüber und massierte die verknoteten Muskeln. Wechselte zwischen sanft und energisch, versuchte die Knoten an Jacks Schulterblättern auseinander zu drücken. Gelegentlich verzog der Colonel schmerzvoll das Gesicht, aber er bat Daniel nicht darum aufzuhören. Als Daniel merkte, dass seine Hände es nicht mehr lange durchhalten würden, drehte er Jack auf den Rücken, gab mehr Öl in eine Hand und verteilte es dieses Mal auf Jacks Oberkörper. Seine Finger waren müde, und ihm stand der Sinn nach einer ganz anderen Art von Massage. Er hatte so lange davon geträumt wie es wäre, mit Jack Sex zu haben. Wie es wäre, diesen wundervollen langen großen Schwanz in sich zu fühlen, den er mit verstohlenen Blicken unter der Dusche betrachtet hatte.
Peinlich berührt hatte er im Nachttisch im Gästezimmer seinen Dildo gefunden. Es war sein eigener Nachttisch, ein wunderschönes antikes Stück von seinen Eltern, und der Dildo lag da wo er in seiner Erinnerung immer gelegen hatte.
Daniel hatte sich lange Zeit damit abgefunden, dass er Jack liebte, ihn aber nicht haben konnte, nicht so jedenfalls, wie er es sich wünschte. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er Sexfantasien, die die Bezeichnung verdienten. Und dann hatte er diesen Dildo gekauft und einige Entdeckungen über seinen Körper erlebt. Daniel musste unwillkürlich grinsen, als er daran dachte, wie naiv er als Student und Doktorand in jeder Hinsicht gewesen war, völlig absorbiert von seiner Arbeit und weltabgewandt.
In seinen privaten Tagebüchern hatte er sehr viel über Jack geschrieben. Wie sich Freundschaft in Liebe verwandelte. Wie er nach Sha´res Tod langsam realisierte, dass er ihn liebte. Und dann las er seine Aufzeichnungen über den Dildo und hoffte, dass das Ding nicht zur Belustigung einer militärischen Aufräumtruppe gedient hatte. Diese Befürchtungen erwiesen sich glücklicherweise als unbegründet. In der Schachtel mit dem Dildo lag ein Zettel.
„Danny. Das hier habe ich im Nachttisch in Deinem Apartment gefunden und dachte, Du möchtest es behalten. Den Nachttisch natürlich auch. Viel Vergnügen. Jack.“
Daniel lächelte in sich hinein, als er den Dildo das erste Mal wieder in der Hand hielt. Glatt und schwer fühlte er sich an.
„Um ehrlich zu sein, wir ham ne ganze Tonne weggeworfen“ hatte Jack ihm kurz nach seiner Rückkehr gesagt. Daniel hatte er nicht damit gerechnet, WAS er alles aufgehoben hatte. Zu diesem Zeitpunkt konnte er sich an die meisten Sachen sowieso nicht erinnern, und es war ihm egal. Und dann stellte er fest, dass Jack sehr gezielt für ihn aufgeräumt hatte. Jack hatte seine Sachen in Wahrheit mit großem Respekt behandelt. Eigentlich war das einzige was wirklich fehlte – alte kaputte Kleidungsstücke. Und einige Artefakte aus seinem Büro, die in Area 51 weiter bearbeitet werden mussten.
Daniel seufzte in Jacks Nacken, während er eine Spur von kleinen Küssen über seine Haut zog. Jetzt hatte er, was er sich ersehnt hatte.
Jack. In Lebensgröße. Und er wollte diese wundervolle echte Erektion in sich fühlen. Falls... falls das für Jack ok war.
Daniel streichelte Jack mit den Fingerspitzen, fühlte die Narben unter seinen Händen, zog jede einzelne nach. Betrachtete Jack, der ihn aus halb geschlossenen Augen ansah. Wanderte langsam, sehr langsam, über den Bauch nach unten. Strich aufreizend mit dem Handrücken über Jacks Erektion, massierte ihn mit Öl. Jack seufzte bei der Berührung. Daniel legte sich auf ihn, um seinen Geliebten zu küssen. Nibbelte an seiner Unterlippe, leckte leicht über die Oberlippe.
„Ich würde dich sehr gerne in mir spüren, Jack. Ist das ok? Möchtest du das?“ Daniel sah ihm in die Augen, brauchte seine Reaktion. Er sah Lust, gepaart mit Unsicherheit.
„Will dich nicht verletzten, Danny.“
„Wirst du nicht. Ich kann es kaum erwarten.“
Daniel kniete sich hin, aber Jack drehte ihn auf den Rücken.
„Danny, ich muss dich ansehen,“ bat Jack. „Ich... habe gelesen, es ist schwerer so... aber...“
„Ist ok, Jack. Ich habe... geübt. Du weißt schon. Nicht mit diesem Körper, aber...“ Daniel stöhnte wohlig, als er Jacks Gewicht auf sich spürte, seine Erektion, die sich an seine eigene drückte.
Während er Daniel küsste, goss Jack sich Öl in die Handfläche und verteilte die schmierige Flüssigkeit großzügig.
Anstatt direkt zum Ziel vorzustoßen, massierte er das Öl in Daniels Oberkörper und tastete sich ganz langsam nach unten vor. Daniel stellte fest, dass Jack ein hervorragender Masseur war.
Oh, halt. Das war es. Massage. Daniel wusste womit er Jack vielleicht helfen konnte. Tantra-Massagen. Daniel erstarrte kurz unter Jacks Händen, als ihm das einfiel.
„Hey, Danny? Was ist los?“
„Nichts, Jack.“ Er strich mit dem Daumen über Jacks Wangenknochen. „Das fühlt sich wirklich gut an. So bald wie möglich möchte ich dich auch massieren. Darf ich?“
„Daniel, Daniel. Halt still. Jetzt bist du erstmal dran. Spääää-ter.“
Nach einer Ewigkeit nahm Jack von Daniels Erektion Notiz, streichelte langsam auf und ab. Widmete sich dann den Hoden, kreiste um die Öffnung.
Er fühlte sich wie ein Forscher, der mutig völlig unbekanntes gefährliches Territorium betrat, das er nur aus Büchern kannte.
Gut, ok, aus dem Internet.
Er traute sich nicht einzudringen. Massierte weiter, Daniel keuchte.
JaaaaJack...
Sein Geliebter stieß scharf den Atem aus, als er das Perineum massierte.
Daniel lag keuchend auf dem Rücken, biss auf seine Unterlippe, sein Gesicht spiegelte reine Lust. Vorsichtig drückte er mit einem Finger gegen Daniels Öffnung, fühlte, wie Daniel sich gierig seinem Finger entgegenschob. Wurde etwas mutiger, bewegte seinen Finger kreisförmig, suchte dann eine ganz bestimmte Stelle.
OhjaaagenaudaJACK!
Jack tastete, umkreiste die walnußgroße Erhebung. Daniel wand sich stöhnend, seine Beine fielen weit auseinander. Jack übte rhythmischen Druck aus, Jack sah eine Träne in seinem Augenwinkel.
„Jack, das ist... ohhhhjaaaajackjaaaaa!“
Daniels Züge in den Fängen der Leidenschaft war ein unglaublich erotischer Anblick. Lippen leicht geöffnet, die Finger in das Laken gekrallt, keuchend.
Er führte einen zweiten Finger ein. Spreizte seine Finger versuchsweise und vermied jetzt den Kontakt mit der Prostata. Daniel wand sich lustvoll auf seinen Fingern. Ein dritter Finger fand fast mühelos seinen Weg in Daniels Inneres und Jacks Erektion tropfte, als er seine halbe Hand in Daniels inzwischen sehr entspanntem Anus verschwinden sah.
„Ohgottfickmichendlichverdammtichbinnichtausporzellan...“
Jack tauschte fließend seine Finger gegen seinen steinharten Penis, setzte vorsichtig seine Eichel an Daniels Öffnung, der junge Archäologe kam ihm stöhnend entgegen.
Jack drang fast millimeterweise ein, Daniel verzog das Gesicht, konzentrierte Falten erschien auf seiner Stirn. Oh verdammt, das ist eng.
Der Archäologe umklammerte energisch Jacks Hintern, hielt ihn an Ort und Stelle. Schließlich versank Jack keuchend bis zur Basis. Wartete, bis sich Daniels Gesichtsausdruck entspannt hatte, fand einen langsamen Rhythmus, der sie eine Weile trug.
Jack atmete er in Daniels Halsbeuge, küsste seine Kehle. Er betrachtete Daniel, der unter ihm lag, völlig selbstvergessen, seine Beine um Jacks Hintern geschlungen. Jack wollte sich an ihr erstes Mal erinnern, nahm es bewusst in sich auf, wollte dass es ewig andauerte. Zärtlich küsste er eine Spur über Daniels Kinn, knabberte an seinen stoppeligen Kieferknochen, suchte seinen Mund. Wenn ihre Lippen sich trafen, fühlte er elektrische Entladungen, die sich in seinen Schoß fortpflanzten. Jack verlor das Zeitgefühl, während sie sich langsam liebten.
Daniel suchte seine Augen, und er war überwältigt von der Wärme die er darin fand. Es war fast surreal, Jacks langsame zärtliche Bewegungen und sein sanfter Blick. Er wollte, dass es für immer so blieb. Das Lustgefühl, kurz vor dem Überquellen. Das Gefühl, wie in einer Decke von Liebe umgeben zu sein. Jacks andere Seite, die sonst niemand kannte.
Als Jacks Arm vom Abstützen langsam taub wurde, beschloss er dass sie zum Ende kommen sollten. Er richtete sich etwas mehr auf und merkte an Daniels entrücktem Seufzen, dass er jetzt seinen Lustpunkt besser traf. Vorsichtig erhöhte er das Tempo, Daniel kam ihm entgegen, schlang seine Beine fester um ihn.
„Dumachstmichverrücktjackohgottlichliebedich...jaaaa!...genau da...härter...“
Jack nahm Daniels Erektion fest in die Hand und pumpte im gleichen Rhythmus, in dem er in ihn stieß. Daniel griff nach Jacks Pobacken, zog ihn ein letztes Mal kräftig in sich hinein und kam mit einem tiefen, tiefen Keuchen. Der Anblick seines Geliebten, der sich über seine Hand ergoss, der Ausdruck reiner Ekstase auf seinem Gesicht und Daniels Kontraktionen um seinen Schwanz ließen Jack mit ihm kommen.
Nachdem die Wellen ihrer Lust verebbt waren, rollte sich Jack auf die Seite und nahm Daniel mit sich. Ihre Gesichter aneinandergedrückt lagen sie da, hielten sich aneinander fest. Langsam beruhigte sich ihre Atmung.
„Habe ich dir wehgetan, Danny?“ fragte Jack leise.
Der Archäologe schüttelte den Kopf.
„Nein, Jack. Das eben war... sehr intensiv. Intim. Anders als alles, was ich je zuvor getan habe.“ Er berührte Jacks Gesicht mit den Fingerspitzen und fügte hinzu: „Danke.“
„Jederzeit wieder.“
Der Archäologe zögerte kurz, bevor er Jack wieder in die Augen sah.
„Jack, ist... ist alles ok?“
„Na klar. Alles in Ordnung.“
Daniel drückte kurz seinen Oberarm und beschloss, es für heute dabei bewenden zu lassen. Er ergab sich der postorgasmischen Trägheit und zog seinen Geliebten fester an sich, um noch ein wenig zu schlafen. Später wollte er Jack eine ausführliche Massage geben. Und dann hatte er einen Termin mit eine Maklerfirma.
Klavierspielen würde er in Zukunft bei Jack. Aber um den Anschein zu wahren, musste er auf jeden Fall demnächst ein eigenes Haus kaufen.